Bahnhof Königs Wusterhausen: Erster Tag Alkoholverbot, das denken Pendelnde

Ist hier schon Bahnhof oder noch nicht? Das fachsimpeln Mario Stenzel (l.) und Justin Brettin mit geöffnetem Bier am ersten Tag des Alkoholverbots in Königs Wusterhausen.
Marlene Wetzel- An Bahnhöfen gilt seit heute ein Alkoholverbot, Mitführen geschlossener Getränke ist erlaubt.
- In Zügen ist Trinken weiterhin gestattet – Brandenburgs Verkehrsminister will das untersagen.
- Pendelnde in Königs Wusterhausen reagieren gemischt: von Zustimmung bis Kritik an Inkonsistenzen.
- Frauen berichten von schlechten Erfahrungen mit Betrunkenen, erhoffen sich mehr Sicherheit.
- Bahnmitarbeitende erwarten weniger Eskalationen, Verkaufskräfte fürchten Umsatzeinbußen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es ist Donnerstagabend. Pendelnde kommen am Bahnhof von Königs Wusterhausen an oder fahren nach Hause. Feierabend. Zeit für ein Bierchen?
Zumindest nicht mehr direkt am Bahnhof. Denn seit heute (15.10.) gilt in ganz Deutschland Alkoholverbot an den Bahnhöfen. Zwar ist es noch erlaubt, Alkohol „mitzuführen“, aber geschlossen müssen die Flaschen, Tetra-Packs und andere Darreichungsformen sein. Nicht so in den Zügen selbst, da darf weiter getrunken werden.
Brandenburgs Verkehrsminister Robert Crumbach begrüßt die Regelung – und will noch einen Schritt weitergehen. Auch den Alkoholkonsum in den Zügen möchte er untersagen. Was denken die Pendelnden am Bahnhof KW, wo unter anderem die S-Bahn S46 sowie die Regionalbahn-Linien RE2 und RE7 verkehren, über das neue Verbot?
Alkohol in der Gesellschaft viel zu normal
Eine Mutter aus Königs Wusterhausen steht auf Gleis 1 und wartet mit ihrer Tochter auf den Zug. Alkoholkonsum sei in der Gesellschaft viel zu normal, findet sie. Als Beispiel erzählt sie von ihrem Chef, der, als sie schwanger gewesen sei, gesagt hätte, seine Frau hätte auch in der Schwangerschaft gerne mal „ein Sektchen“ mitgetrunken. Sie selbst hätte nie viel Alkohol getrunken, weil er ihr nicht schmecken würde.
Auch wenn sie selbst nicht betroffen sei, weil sie abends kaum mehr unterwegs sei, findet sie das neue Alkoholverbot gut. Dennoch wundert sie sich darüber, dass in Zügen weiterhin getrunken werden darf. Besonders negativ seien ihr nämlich betrunkene Fußballfans im Zug aufgefallen. Und sie glaubt, ob das Verbot funktioniere, werde sich noch zeigen. Am Ende sei es eine Frage der Umsetzung.
Gerade für Frauen eine gute Idee
Eine 21-Jährige aus Berlin, die öfter in Königs Wusterhausen ist, findet die Regelung auch gut, da sie schon öfter schlechte Erfahrungen mit pöbelnden Betrunkenen gemacht habe. Auch tagsüber - allerdings nicht in KW, aber an anderen Bahnhöfen. Dass Alkoholkonsum im Zug weiterhin erlaubt ist, hält sie für widersprüchlich. Gerade nachts als Frau oder Mädchen sei es im Zug nie schön.
Gute Idee, gerade für Frauen am Bahnhof, findet auch Sonja aus Berlin. Trotzdem glaubt die 30-Jährige, dass sich Probleme nur verlagern würden. Sie vergleicht das mit der Raucherecke an Bahnhöfen. Die würden ebenso wenig dazu führen, dass Leute aufhören zu rauchen. Dann glühen die Leute eben woanders vor, man muss ja nicht gleich an Schwerstalkoholiker denken. Benjamin, der mit Sonja unterwegs ist und ebenfalls 30 Jahre alt ist, meint: „Schöne Überlegung, aber vielleicht etwas kurz gegriffen, wenn man weiterhin im Zug trinken kann.“
Ganz anderer Meinung ist eine Mitarbeiterin von Backwerk, wo man am Bahnhof Snacks und Getränke, auch alkoholischer Art, kaufen kann. „Man darf nicht alle über einen Kamm scheren“, ärgert sie sich. „Wer eine halbe Stunde auf den RE wartet, soll sein Feierabendbierchen trinken dürfen.“ Ein Kunde, der gerade zahlt, pflichtet ihr bei.
Die Mitarbeiterin glaubt zudem, dass die, die Randale machen wollen, auch weiterhin Randale machen würden. Wie die anderen Befragten vor ihr empfindet sie es wenig konsequent, dass Trinken im Zug weiterhin erlaubt ist. Nicht zuletzt könne es negative Auswirkungen auf den Umsatz des Ladens haben.
Alkoholverbot könnte Eskalationen verhindern
„Wurde Zeit“, meinen drei Mitarbeiter der Deutschen Bahn. Mit dem Verbot könnten Eskalationen verhindert werden, hoffen sie. Wenn die „auffälligen kleinen Grüppchen“ nicht mehr am Bahnhof trinken könnten, würde sich die Lage vielleicht entspannen. Kleine Grüppchen? „Man kennt seine Pappenheimer“, sagen sie, die überall in Brandenburg, vor allem aber in Cottbus eingesetzt werden. Unlogisch sei es trotzdem, dass Alkohol noch mitgeführt und im Zug getrunken werden dürfe. In Polen, wo überall Alkoholverbot herrscht, klappe es sehr gut, erzählen sie noch. Und dass zum Start des Verbots noch niemanden hätten zurechtweisen müssen.
Mario Stenzel steht mit zwei geöffneten Bieren bei „Herr Do“, einem Imbiss neben dem Bahnhof an der Ecke. Er wartet auf seinen Kumpel Justin Brettin, um mit ihm das erwähnte Feierabendbierchen zu zischen. Er freut sich, dass er hier, mit Blick auf den Bahnhof von Königs Wusterhausen, trinken darf. Brettin stellt sich dazu und findet auch: „Ist doch ok, wenn ich daneben trinken darf.“ Er grinst und sagt, dass er eben, am Bahnhof in Zeuthen, wo er wegen einer Stellwerksstörung aus dem Zug musste, ein Bier getrunken und eine Zigarette geraucht habe.
In der Bahnhofsgastronomie dürfe er noch trinken, habe er gelesen, ob das auch für das Backwerk am Bahnhof von KW gelte? Die beiden fangen an zu fachsimpeln, was genau eigentlich Bahnhofsgelände bedeute, und wo man nachschauen könne, wo es anfange und wo es aufhöre. „Im Ernst“, sagt Brettin, „am Bahnhof muss ich nicht trinken. Ich muss nicht neben einer Mama trinken, die gerade mit ihrem Kind unterwegs ist. Die halbe Stunde kann ich auch warten.“ Das gelte auch für im Zug.
Auch wenn sie zu Fußballspielen fahren? Die beiden stellen sich als Fußballfans vom Hertha BSC und BFC Dynamo heraus. „Ja, auch dann“, sagen sie. „Dann trinken wir halt erst vor dem Stadion.“ Stenzel räumt ein: „Kommt drauf an, gegen wen wir spielen.“ Aber Brettin bleibt dabei: „Ist doch besser für uns alle.“



