Bahnhof Königs Wusterhausen
: Fast jeden zweiten Tag ein Fahrraddiebstahl

Der Bahnhof von Fahrraddiebstählen ist sogar bei der Polizei als „Hotspot“ für Fahrraddiebstähle bekannt. Und das Fahrradparkhaus kommt erst mal nicht. Doch es gibt andere Lösungen.
Von
Marlene Wetzel
Königs Wusterhausen
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Am Bahnhof von Königs Wusterhausen hängen die Fahrräder an den Geländern für Fußgänger, um sicherer vor Diebstählen zu sein.

Am Bahnhof von Königs Wusterhausen hängen die Fahrräder an den Geländern für Fußgänger, um sicherer vor Diebstählen zu sein.

Marlene Wetzel

Am Bahnhof von Königs Wusterhausen stapeln sich die Räder. Mitunter hängen sie an den Geländern des Eingangs auf der Storkower Straße. Der Wille, ihre Räder sicher abzustellen, ist bei den KWern offenbar hoch. Dennoch gab es auf Facebook in den vergangenen Wochen ein paar Einträge, dass Fahrräder am Bahnhof von Königs Wusterhausen gestohlen worden seien.

Auf Nachfrage gibt Polizeisprecher Christian Nüßler zwar an, dass die Fahrraddiebstähle am KWer Bahnhof rückläufig sind, aber im Jahr 2025 immer noch 161 Räder als gestohlen angezeigt wurden. Zudem geht er davon aus, dass es mehr Fahrraddiebstähle gibt, als zur Anzeige gebracht werden, etwa weil eine Strafanzeige als aussichtslos empfunden wird.

Bei der Polizei gelte der Bahnhof definitiv als Hotspot von Fahrraddiebstählen in Königs Wusterhausen, so Nüßler. Warum die Anzeigen weniger werden, konnte er nicht sagen. „Das kann an den Kontrollen liegen durch uns oder an anderen Gründen.“ Und jetzt?

Videoüberwachung die Lösung gegen Fahrraddiebstähle?

Der Bau des geplanten Fahrradparkhauses ist erst mal geplatzt. Auf die Ausschreibung hatte sich laut Stadtveraltung niemand gemeldet. Heißt, in Königs Wusterhausen wird es vorerst kein Fahrradparkhaus geben. Ist Videoüberwachung eine Möglichkeit, um der Situation Herr zu werden?

Speckgürtel

Alles Wichtige aus dem Berliner Speckgürtel.

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Am Bahnhofseingang an der Storkower Straße hängt ein einsames Schloß noch an einem Gitter, auf dem Boden liegt ein weiteres Schloß ohne Fahrrad.

Marlene Wetzel

Nach dem Treffen der Arbeitsgemeinschaft der Bürgermeister großer und mittlerer Städte und Gemeinden des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg hatte sich Bürgermeisterin Michaela Wiezorek bereits positiv über eine mögliche Videoüberwachung am Bahnhof geäußert. „Wir wollen nicht die Aufgaben der Polizei übernehmen, aber eben, dass das Ordnungsamt da Videokameras installieren kann, wo es hilft“, hatte Wiezorek erklärt. Allerdings muss Videoüberwachung in Brandenburg verhältnismäßig sein und kommt nur infrage, wenn der Zweck nicht durch ein milderes Mittel erreicht werden kann.

In vielen anderen Kommunen sind Fahrradboxen das Mittel der Wahl gegen Fahrraddiebstähle. In der Nachbarkommune Erkner etwa wurde die neue Fahrradanlage erst im April 2026 eröffnet. Doch die Stadtkasse von Königs Wusterhausen ist leer und eine Finanzierung von Fahrradboxen keine pflichtige Aufgabe.

Gibt es kostengünstigere Varianten? Im Leitfaden „Fahrradparken an ÖV-Haltepunkten – Betreiberkonzepte für Fahrradstationen, Sammelschließanlagen und Fahrradboxen“ aus dem Jahr 2017 werden verschiedene Betreibermodelle vorgestellt, darunter auch billigere Lösungen für Kommunen.

Hersteller stellen Boxen selbst auf und betreiben sie

Ein Beispiel befindet sich am Berliner Hauptbahnhof. Dem Leitfaden zufolge hat die Firma Kienzler Stadtmobiliar GmbH dort im Jahr 2016 ein Modul mit 12 Fahrradboxen aufgestellt. Und zwar auf eigene Kosten. Auch werden die Fahrradboxen über das herstellereigene Buchungs- und Abrechnungsportal verwaltet. Im Leitfaden heißt es weiter, durch das Buchungsportal sei der Betreuungsaufwand vor Ort minimal und die Einnahmen würden teilweise zu einer Refinanzierung der Investitionskosten beitragen. Die Nettokosten für das Boxenmodul hätten damals ca. 24.000 Euro betragen.

Rund zehn Jahre später hat sich diese Lösung aber offenbar nicht durchgesetzt. Das Pilotprojekt vom Hauptbahnhof sei nie evaluiert worden, heißt es von der Deutschen Bahn. Schaut man sich in der Umgebung von Königs Wusterhausen um, stellt man fest, dass es immer wieder zu Vandalismusschäden an Fahrradboxen kommt, was die Kosten in die Höhe treibt. So etwa in Fürstenwalde, Frankfurt (Oder) und Erkner. Dort wurde die im April eingeweihte Bike-and-Ride-Anlage am Bahnhof bereits im Juli demoliert. Dazu, ob Vandalismus ein Grund dafür war, das Pilotprojekt am Berliner Hauptbahnhof nicht fortzuführen, wollte sich Kienzler Stadtmobiliar nicht äußern.

Fahrradräume in leerstehenden Gebäuden

In dem Leitfaden werden noch weitere Modelle von Fahrradschließanlagen vorgestellt. Beispielsweise der Fahrradraum, den die Kleinstadt Schwaan bei Rostock in einem leer stehenden Abstellraum im Bahnhofsgebäude eingerichtet hatte. Der Raum hätte nicht hergerichtet werden müssen und sei mit gebrauchten Fahrradständern ausgestattet worden, sodass die Investitionskosten minimal gewesen sein sollen. Ob die Stadt Königs Wusterhausen in der Nähe des Bahnhofs leer stehende Gebäude besitzt, wo vergleichbare Fahrradabstellmöglichkeiten geschaffen werden könnten, beantwortete sie nicht.

Auch zum Betrieb solcher alternativen Fahrradabstellmöglichkeiten zeigt der Leitfaden Beispiele auf. So etwa in Mülheim an der Ruhr, wo die Radstation am Hauptbahnhof von einem sozialen Träger übernommen wird. Kunden hätten dort keinen Zugang zu den Stellplätzen, sondern würden an einer Garderobe bedient. Neben der Radabstellung würden auch andere Services angeboten, wie ein Paketshop, ein Heimlieferdienst und eine Radvermietung. Dadurch würden Einnahmen erzielt, um die Radstation insgesamt wirtschaftlich betreiben zu können.

In Königs Wusterhausen können sich Radfahrer immerhin auf neue Radbügel freuen, die nach Angaben der Stadt zeitnah am Bahnhof sowie an den vier Bahnhaltepunkten installiert werden sollen. Daneben bietet die Polizei an, Fahrräder mit individuellen Nummern zu codieren, um sie im Fall eines Diebstahls einfacher wiederfinden zu können.