Radweg in Königs Wusterhausen: Note 5 bei Test - welche Verbesserungen geplant sind

Räder fahren in Königs Wusterhausen häufig auch entgegen der Regeln, wie hier auf der Potsdamer Straße. Auf diesem Abschnitt müssen Radfahrende eigentlich die Straße nutzen.
Marlene Wetzel- Test zeigt: Radwege in Königs Wusterhausen sind lückenhaft, unsicher und oft unklar geregelt.
- Kritische Abschnitte ohne Führung: Bahnhofsvorfeld, Strecke nach Niederlehme/Wernsdorf, große Kreuzungen.
- Leser und Ortsvorsteher melden Konflikte, schlechte Beläge und fehlende sichere Abstellplätze am Bahnhof.
- Geplante Projekte: interkommunaler Radweg ab Maxim-Gorki-Straße, Sanierung Bahnhofstraße, Fahrradparkhaus.
- Bis 2030 wenig Bewegung bei Kreisradwegen, Haushaltslage bremst Maßnahmen – Priorität liegt auf Pflichtaufgaben.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In den vergangenen Wochen hat MOZ.de in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) die Radwege vom Bahnhof in die Ortsteile und in der Kernstadt getestet. Ausgangspunkt dafür war, dass die Parkplätze für Pendelnde oft überfüllt sind. Im Zuge dessen haben wir uns gefragt, warum nicht mehr Menschen, die vom Bahnhof aus den Zug zur Arbeit nehmen wollen, etwa nach Berlin, aufs Rad umsteigen, um sich die Parkplatzsuche mit dem Auto zu ersparen. Vor allem all jene, die aus den KWer Ortsteilen kommen.
Bei unserem Test haben wir besonders auf die Kriterien des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI geachtet, was eine gute Fahrradinfrastruktur ausmacht. Das ist zum einen, ob es von der Straße und vom Gehweg getrennte und geschützte Radwege gibt. Zum zweiten, ob das Radwegenetz dicht und lückenlos ist. Und zum Dritten, ob man gefühlt sicher und bequem fahren kann.
Doch bei der eigenen Bestandsaufnahme allein sollte es nicht bleiben. Wir haben auch Leserinnen und Leser eingeladen, uns zu schreiben, wie sie die Situation wahrnehmen. Zudem haben wir die Ortsvorsteher und Ortsvorsteherinnen gefragt, was sie sich für ihre Ortsteile wünschen, und die Stadt, welche Verbesserungen geplant sind.
KW hat mangelhafte Fahrradinfrastruktur
Im Ergebnis ist festzustellen, dass die Fahrradinfrastruktur von Königs Wusterhausen an zahlreichen Stellen mangelhaft ist. In vielen Ortsteilen gibt es keine eigenen Radwege. Häufig dürfen Räder auf den Gehwegen mitfahren, was für sie aber bedeutet: Schrittgeschwindigkeit. Auf dem Gehweg zu fahren, mag sich sicherer anfühlen als auf der Straße, aber schnell und bequem ist das nicht, zumal es immer wieder zu Konflikten mit Fußgängern und Fußgängerinnen kommt.
Wenn auch nur kurze Strecken keine Radführung haben, dicht und lückenlos ist das Radwegenetz von KW ebenfalls nicht. Exemplarisch ist die Strecke nach Niederlehme und Wernsdorf in diesem Zusammenhang hervorzuheben, wo es stadtauswärts über einige hundert Meter keine Radführung – und teilweise auch keinen Gehweg – gibt. Gleichzeitig ist die Straße hier in einem schlechten Zustand, oft eng und schlecht einzusehen. Eine andere prominente Strecke ohne Radführung befindet sich vor dem Haupteingang des Bahnhofs.
Die Radwege im MOZ-Ranking
1. Kernstadt Königs Wusterhausen
2. Senzig
3. Deutsch Wusterhausen und Diepensee
4. Vom Bahnhof nach Zeesen
5. Zernsdorf und Kablow
6. Vom Bahnhof nach Niederlehme und Wernsdorf
Und auch an großen Kreuzungen in der Innenstadt fehlt an zahlreichen Stellen weitgehend die Radführung, was das Queren erschwert und bisweilen unangenehm macht. Dazu gehören zum Beispiel die Kreuzungen Schloßplatz/Potsdamer Straße/Schloßstraße oder Eichenallee/Schloßstraße/Luckenwalder Straße/Cottbusser Straße. Ein weiterer neuralgischer Punkt ohne Radführung ist die Schleuse Neue Mühle.

Vor dem Bahnhof auf der Maxim-Gorki-Straße drängeln sich die Autos in beide Richtungen am Buswarteplatz vorbei. Einen durchgehenden Radweg gibt es nicht. Immerhin gilt hier Tempolimit 30.
Marlene WetzelInsgesamt wirkt die Fahrradinfrastruktur eher stiefmütterlich behandelt, gedacht ohne zusammenhängende Struktur. Bodenbeläge platzen an einigen Stellen auf, Markierungen sind verblichen und die roten Pflastersteine, die auf manchen Strecken verlegt sind, irritieren. Zudem sind Regelungen nicht immer nachvollziehbar, enden plötzlich und fangen an anderer Stelle wieder an.
Kein Wunder also, dass die KWer lieber das Auto nutzen. Eine Leserin schrieb uns dazu etwa: „Meine Tochter ist seit diesem Schuljahr in Niederlehme in der Oberschule und ich kann nicht glauben, wie schlecht die Verbindung für Radfahrer von der Schleuse Neue Mühle bis dorthin ist.“ Ein anderer Leser, der sich nach eigenen Angaben seit 2006 für ein durchgehendes Radwegenetz engagiert, schrieb: „Ich würde mich freuen, wenn endlich mehr für den Radverkehr getan wird. Gründe gibt's ja genug dafür.“
Wir haben alle Ortsvorsteher von Königs Wusterhausen angeschrieben, drei haben uns geantwortet. Jürgen Müller, Vorsitzender des Netzwerks Senzig, rief uns anstelle von Ortsvorsteher Alexander Pohle an. Müller findet, der Radweg nach Senzig sei okay, aber nicht optimal. Gerade, weil er nur einseitig befahrbar sei. Langfristig müsse sich das ändern. Schön sei die noch relativ neue, auf Bewegung reagierende Radweg-Beleuchtung zwischen Senzig und KW‑Kernstadt. Und besonders toll sei der provisorisch eingerichtete Radweg auf dem Waldbrandschutzstreifen zwischen Senzig und Bindow, den das Netzwerk Senzig angestoßen hatte. Dieser müsse, so Müller, natürlich einmal richtig befestigt und bis zur Birkenallee erweitert werden.
Katharina Ennullat, Ortsvorsteherin von Niederlehme, hebt ähnliche Probleme hervor, die sich auch in unserem Test herauskristallisiert haben. Sie ergänzt, die Strecke sei von zahlreichen Vorfahrtsregelungen geprägt und es gebe viele Einfahrten. Nicht selten entstünden Konflikte zwischen Auto- und Radfahrenden. Gerade für E-Bikes könne die Strecke deshalb kaum als schnelle und komfortable Verbindung zum Bahnhof bezeichnet werden. Zeitgemäß sei das nicht.
Keine sicheren Radabstellmöglichkeiten am Bahnhof für E-Bikes
Dass wenige Leute aus Zernsdorf in die Innenstadt mit dem Rad fahren, schreibt Anja Boelitz, Ortsvorsteherin von Zernsdorf, weniger den Radwegen selbst zu. Diese seien nicht optimal, „aber besser als nichts.“ Ein größeres Problem sieht sie in den vermeintlich vielen Fahrraddiebstählen am Bahnhof.
Dort gebe es aus ihrer Sicht zu wenige und gesicherte Radabstellmöglichkeiten, gerade für E-Bikes, die von denjenigen genutzt würden, die nicht verschwitzt bei der Arbeit erscheinen möchten. Sie glaubt, viele Leute würden aus Angst, dass ihr Rad oder E-Bike geklaut werden, gar nicht erst mit dem Rad fahren. Neben einem Fahrradparkhaus könne ihrer Meinung nach auch Videoüberwachung gegen Rad-Diebstähle helfen. Doch diese sei, so meint sie, rechtlich schwer umzusetzen.
Kaum Besserungen für den Radverkehr geplant
Auch wenn der Bedarf offensichtlich da ist: Die Aussichten für den Radverkehr in Königs Wusterhausen sind mau. Auf der Strecke nach Niederlehme und Wernsdorf, die sich als besondere Herausforderung für Radfahrer darstellt, ist bis etwa 2030 keine Änderung absehbar. Dort war laut Stadtsprecherin Ursula Schlecht ein zusätzlicher Gehweg (Radfahrer frei) auf der Ostseite geplant gewesen.
Einzige Ausnahme ist laut Stadtverwaltung der geplante interkommunale Radweg nach Wildau, Zeuthen und Eichwalde. Weil dieser schon am Bahnhof Königs Wusterhausen auf der Maxim-Gorki-Straße mit einer Fahrradstraße beginnen soll, könnte sich die Situation für Radfahrer hier verbessern. Einen Termin für den Baubeginn gibt es allerdings noch nicht. Auch die Sanierung der Bahnhofstraße soll das Radfahren sicherer machen. Und zum Königspark hin bestünden Ausbauabsichten, heißt es aus dem KWer Rathaus.

Die Brückenstraße von Königs Wusterhausen: Hier soll der neue interkommunale Radweg langführen.
Marlene WetzelAuch auf den Radwegen, für die der Landkreis Dahme-Spreewald zuständig ist, wird sich bis 2030 nicht viel tun. Das teilt Kreissprecherin Janet Grund mit. Wegen der aktuell angespannten Haushaltslage auch nicht, so wie ursprünglich geplant, in Zernsdorf, Kablow und Dannenreich. Nur die Fahrradbrücke über den Fanggraben neben der Spukbrücke soll 2027 und 2028 saniert werden, so Grund.
Maßnahmen zur Entwicklung der Radwege
Bleibt noch das „Mobilitätskonzept 2030“ der Stadt KW. Darin wurden auch Handlungsempfehlungen für den KWer Radverkehr formuliert. Die Stadtverordneten hatten im Mai 2025 beschlossen, sie als kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen umzusetzen.
Die Antworten der Stadt zum Status quo der Maßnahmen sind allerdings vage: Laut Stadtsprecherin Katrin Kunipatz werde der bauliche Zustand der Radwege kurzfristig geprüft und, soweit nötig, instand gehalten. Eine ergänzende Radbügelinfrastruktur sei zeitnah am Bahnhof in Königs Wusterhausen sowie an den vier Bahnhaltepunkten zur Entlastung des ruhenden Radverkehrs vorgesehen. Wann, stehe jedoch noch nicht fest – und auch nicht, wo der erste Radbügel angebracht werde.
Vorgesehen ist darüber hinaus weiter die Ausschreibung zur Erarbeitung eines neuen Fuß- und Radwegekonzepts. Zudem laufen die Projektplanungen zum Fahrradparkhaus am Bahnhof weiter.
Unabhängig von den beschlossenen Maßnahmen liefere ein fortlaufendes Radwegeausbaukonzept aus dem Jahre 2005 ein Grundgerüst zu den Prioritäten für die Ausbaubedarfe der Stadt Königs Wusterhausen, so Kunipatz weiter. Nähere Angaben konnte die Stadt dazu aber nicht machen.
Ausbau von Fahrradwegen keine Pflichtaufgabe
Auch wenn die Verwaltung bereits hat durchblicken lassen, dass ihr die schwierige Situation rund um die Radwege bewusst ist, scheint die konkrete Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen festzustecken. Als Gründe, warum die Entwicklung der Radwege stockt, nennt Kunipatz die leeren Stadtkassen und Pflichtaufgaben, die die Kommune vorrangig zu bewältigen hätte. Außerdem Prioritäten, die Stadt und Stadtverordnete setzen würden.
Und sie sagt: „Der Neubau oder die Sanierung eines Radwegs kann nicht losgelöst von der Straße betrachtet werden, an der er verläuft.“ Das bedeutet so viel, wie, dass die Radwege oder das Radwegenetz nicht allein bearbeitet wird, sondern immer nur, wenn eine ganze Straße erneuert wird.
MOZ.de testet die Radwege zum Bahnhof KW - alle Serien-Teile im Überblick
1. Die allgemeine Radwege-Situation in der Stadt
2. Vom Bahnhof über Niederlehme nach Wernsdorf
3. Vom Bahnhof nach Zernsdorf und Kablow
4. Vom Bahnhof nach Deutsch Wusterhausen und Diepensee
7. Die Radstrecken in der Innenstadt
8. Ausblick: An welchen Stellen es Verbesserungen geben könnte
Sind Sie auch mit dem Fahrrad in KW oder den Ortsteilen unterwegs? Was erleben sie dort, wo geht es gut voran, wo liegen Probleme? Schreiben Sie uns an: Marlene.Wetzel@moz.de



