Flughafen BER Schönefeld
: Nachtflugverbot aufweichen? Bürgermeister sind alarmiert

Ryanair will einmal mehr ans Nachtflugverbot des BER in Schönefeld. Die Bürgermeister der Flughafen-Gemeinden sind strikt dagegen und zeigen sich kampfbereit.
Von
Till Eichenauer
Schönefeld
Jetzt in der App anhören
Mit dem Flieger in den Urlaub: Das soll SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz zufolge bald teurer werden.

ARCHIV - 02.11.2020, Brandenburg, Schönefeld: Ein Flugzeug landet auf dem Flughafen Berlin Brandenburg (BER) vor rotem Abendhimmel. (zu dpa «EuGH-Urteil zu Schadenersatz bei Verletzung durch eine harte Landung») Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ein Flieger landet am Flughafen BER. In Schönefeld gilt ein absolutes Nachtflugverbot von 0 Uhr bis 5 Uhr morgens. Es ist Bestandteil des Planfeststellungsbeschlusses, der vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt wurde. (Symbolbild)

Soeren Stache/dpa
  • Bürgermeister der BER-Gemeinden lehnen Ryanairs Forderung nach Nachtflügen ab.
  • Nachtflugverbot schützt Gesundheit und Ruhe der Bewohner.
  • Ryanair klagt über betroffene 10.000 Passagiere.
  • Landesregierung und Justiz sollen Nachtflugverbot beibehalten.
  • Erkner fordert striktes Nachtflugverbot und volle Nutzung der Startbahnen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Airlines wollen nachts länger fliegen, auch aus Berlin wirbt man für Ausnahmen – aber den Menschen in der Einflugschneise des Flughafen BER in Schönefeld graust es davor: Die Diskussion um eine Aufweichung des Nachtflugverbots am Flughafen Berlin-Brandenburg ist in vollem Gange. Die Bürgermeister der BER-Gemeinden sind alarmiert und geben sich kämpferisch.

Philip Martens, Bürgermeister von Zeuthen, sagt: „In der letzten Zeit sind Stimmen von Ryanair und auch dem regierenden Bürgermeister Berlins zu hören, die sich für eine Aufweichung des Nachtflugverbots aussprechen. Wir nehmen solche Äußerungen sehr ernst und lehnen derartig leichtsinnige Gedankenspiele kategorisch ab.“

Philip Martens: Nachtflüge am BER gefährdet die Gesundheit

Durch Flüge in der Nachtzeit würden sich die Gesundheitsbelastung für die Menschen seiner Gemeinde, die jetzt schon unter dem Fluglärm leiden, weiter erhöhen, so Martens: „Wirtschaftliche Interessen haben gegenüber dem Schutzbedürfnis der Bürgerinnen und Bürger hintenan zu stehen.“ Von der Landesregierung in Brandenburg erwartet er, dass sie Wort hält und derartige Bestrebungen unterbindet.

Dem Bürgermeister von Schulzendorf, Markus Mücke, gehen die bisherigen Regelungen zum Nachtflugverbot am BER in Schönefeld ohnehin nicht weit genug: „Im Straßenverkehr werden die Geschwindigkeiten zwischen 22 und 6 Uhr reduziert, um den Anliegern die Nachtruhe zu ermöglichen. Am BER darf mit Einschränkungen bis Mitternacht und wieder ab 5 Uhr geflogen werden.“ Das Nachtflugverbot am BER sei aus Sicht der Gemeinde zwar nicht ausreichend, aber höchstrichterlich beschlossen. „Damit leben wir, eine Verschlechterung nehmen wir niemals hin.“

Jörg Jenoch: Milliarden-Schulden setzen BER bei Nachtflügen unter Druck

Auch Jörg Jenoch, Bürgermeister in Eichwalde, ist der Meinung, dass man die Vorstöße etwa von Ryanair ernst nehmen muss: „Diese Leute sagen sowas nicht einfach nur daher. Da werden schon die nächsten Schritte vorbereitet.“ Auch er sieht, wie wirtschaftlicher Druck zur Gefahr für die Menschen der Region wird. „Der Flughafen hat Milliarden an Schulden und mit längeren Flugzeiten kann man natürlich mehr verdienen.“

Grundsätzlich vertraut der Eichwalder Rathauschef bei der Frage aber der Justiz. „Der Fall des Nachtflugverbots ist abgeschlossen. Es gibt einen Beschluss und der gilt“, so Jenoch. Diese Rechtsnormen dürften die Landesregierung und auch die Betreiber des BER nicht infrage stellen.

Flughafen BER: Ryanair drängt auf mehr Flexibilität

Bei Ryanair sieht die Lage naturgemäß völlig anders. In einer Pressemitteilung vom 24. April klagt die Fluggesellschaft über 59 Flüge, die im Jahr 2024 durch das Nachtflugverbot nicht abfliegen konnten oder umgeleitet wurden. So wären durch ein „übermäßig strenges Nachtflugverbot“ 10.000 Passagiere von „völlig unnötige Beeinträchtigung“ betroffen gewesen, schreibt Ryanair-Manager Marcel Pouchain Meyer.

Meist seien Verspätungen von nur wenigen Minuten dafür verantwortlich, dass Passagiere zu anderen Flughäfen wie etwa Hannover umgeleitet wurden. Der Billigflieger fordert von der Oberen Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg (LUBB) deshalb, ihren „starren Kurs zu überdenken“.

Wie von MOZ.de berichtet, hatte sich zuletzt sogar der frühere NVA-Flughafen Neuhardenberg ins Spiel gebracht und vorgeschlagen, dass verspätete Passagierflugzeuge dort landen könnten.

Erkner: Nachtflugverbot darf nicht aufgeweicht werden

Die Debatte um das Nachtflugverbot beschäftigt nicht nur die direkt angrenzenden BER-Gemeinden. Auch die Stadt Erkner, die in der Einflugschneise des BER liegt, beschäftigt das Thema. „Das Nachtflugverbot darf nicht aufgeweicht werden“, betont der stellvertretende Bürgermeister Clemens Wolter. Der Planfeststellungsbeschluss müsse die verlässliche Grundlage für die Lärmbelastungen bleiben. „Der Flughafen muss seiner Verantwortung nachkommen, möglichst viel Fluglärm zu vermeiden“, so Wolter.

Das betreffe nicht nur die Beibehaltung des strikten Nachflugverbotes. Gefordert wird auch, dass die Startbahnen in ihrer vollen Länge genutzt werden und Intersektion-Takeoffs am BER vermieden werden. Dafür macht sich Erkner auch in der Fluglärmkommission stark.