Flughafen BER in Schönefeld
: 7000 Protestbriefe zu Fluglärm – bleibt die Hoffmannkurve?

Aus Sorge vor mehr Fluglärm haben die BER-Gemeinden Zeuthen, Eichwalde & Co. der Deutschen Flugsicherung 7000 Protestbriefe übergeben. Wie es jetzt weitergeht.
Von
Jana Scholz
Schönefeld
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Marc Anders – stellvertretender Bürgermeister der Hochschulstadt Wildau, Stephan Bartz – Vertreter in der FLK für die Stadt Königs Wusterhausen, Jörg Jenoch – Bürgermeister der Gemeinde Eichwalde, Markus Mücke – Bürgermeister der Gemeinde Schulzendorf und  Philipp Martens – Bürgermeister der Gemeinde Zeuthen. Gemeinsam haben sie am 22. Januar in mehreren Aktenordnern die ca. 7.000 Unterschriften bei der Deutschen Flugsicherung GmbH in Schönefeld übergeben.

Gemeinsame Übergabe von 7.000 Unterschriften bei der Deutschen Flugsicherung GmbH am 22. Januar in Schönefeld: Marc Anders (stellvertretender Bürgermeister Wildau), Stephan Bartz (Vertreter in der Fluglärmkommission für Königs Wusterhausen), Jörg Jenoch (Bürgermeister Eichwalde), Markus Mücke (Bürgermeister Schulzendorf) und Philipp Martens (Bürgermeister Zeuthen).

Philipp Martens
  • 7000 Protestbriefe gegen Fluglärm am Flughafen BER wurden an Deutsche Flugsicherung übergeben.
  • Gemeinden wie Zeuthen und Eichwalde befürchten mehr Lärm durch Anpassung der Hoffmannkurve.
  • DFS betont, dass sich nur die Kartendarstellung ändert, nicht die tatsächliche Flugroute.
  • Einführung des neuen PBN-Systems für Oktober 2025 geplant.
  • Bürgermeister und Bürger werden die Situation weiter genau beobachten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es war ein Spiel auf Zeit, als Zeuthens Bürgermeister Philipp Martens (Die Linke) die Bewohner seiner Berliner Randgemeinde aufforderte, gegen eine Flugroutenverschiebung seitens der Deutschen Flugsicherung am BER in Schönefeld mit möglichst vielen unterschriebenen Protestbriefen anzugehen. Ganze zehn Tage waren es, um alles und jeden in den Anrainergemeinden Eichwalde, Schulzendorf sowie in den Städten Wildau und Königs Wusterhausen zu mobilisieren.

Am Ende kamen fast 7000 unterschriebene Protestbriefe von Bürgern der betroffenen Gebiete rund um den Flughafen zusammen. Diese sind nun an die Deutsche Flugsicherung übergeben worden.

Dazu trafen sich die Gemeinde-Chefs am Mittwoch (22. Januar) in Schönefeld. Weitere Adressaten waren laut einer Mitteilung das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung, die Flughafen Berlin-Brandenburg GmbH sowie der Ministerpräsident des Landes Brandenburg, Dietmar Woidke. Doch ist die Protestaktion damit jetzt abgeschlossen? Und wie geht es weiter?

Anpassung Hoffmannkurve – Sorge vor mehr Fluglärm

Zunächst zum Hintergrund: Der BER soll nach dem Willen der DFS bereits im Oktober ein neues, satellitengestütztes Navigationssystem bekommen. Es nennt sich System Performance Based Navigation (PBN). Im Zuge dieser technischen Umstellung befürchten die südöstlichen BER-Umlandgemeinden eine erhöhte Lärmbelästigung, weil die sogenannte Hoffmannkurve angepasst wird. Das könnte potenziell für mehr Überflüge über die Region sorgen.

Die Hoffmannkurve, die nach einem Privatflieger aus Eichwalde benannt ist, ist eine spezielle Route. Sie sieht vor, dass Piloten bei Start von der Südbahn des BER Richtung Osten im Normalfall gleich nach dem Abheben eine steile Rechtskurve fliegen. Auf diese Weise sollen Schulzendorf, Eichwalde und Zeuthen von größerem Lärm verschont bleiben.

Bereits in der letzten Sitzung der Fluglärmkommission Mitte Dezember hatten die südlichen BER-Umlandgemeinden einen Antrag an die DFS gestellt und Kompromissvorschläge zum neuen Navigationsverfahren unterbreitet. Es folgte die Aktion mit den Protestbriefen. Diese hatten für ordentlich Wirbel gesorgt. Innerhalb der Kommunen verbreiteten sich die Briefe innerhalb kürzester Zeit.

Laut DFS wird Hoffmannkurve nur auf der Karte verschoben

Zum Bürgerprotest erklärt Stefan Jaekel, Sprecher der Deutschen Flugsicherung, gegenüber MOZ.de: „Generell ist es zu begrüßen, dass Bürger gegen Entscheidungen protestieren können, mit denen sie nicht einverstanden sind.“

Im konkreten Fall beziehe sich der Protest aber auf Inhalte, die in der Öffentlichkeit falsch wiedergegeben werden, betont der DFS-Sprecher. Protestiert werde gegen eine Verschiebung der Hoffmann-Kurve. „Eine solche Verschiebung findet nicht statt“, sagt er. Einzig die Kartendarstellung müsse aufgrund der neuen Verfahren verändert werden.

Nach den Plänen der Deutschen Flugsicherung würde sich für das satellitengestützte Flugverfahren die Hoffmannkurve um mehr als zwei Kilometer Richtung Osten verschieben. Für Zeuthens Anwohner bedeutet das, dass es zukünftig noch mehr Fluglärm gebe.

Anhand der skizzierten Karte, welche das Ende Oktober 2025 in Kraft tretende PBN-Verfahren zeigt, würde sich die Hoffmann-Kurve für das satellitengestützte Flugverfahren um mehr als zwei Kilometer Richtung Osten verschieben. Während die Kommunen noch mehr Fluglärm befürchten, sagt die DFS, dass es sich lediglich um eine Kartendarstellung handle.

Screenshot/Präsentation der Fluglärmkommission/Jana Scholz

Der Grund: „Die dargestellte Nominallinie verschiebt sich nach Osten, weil die Planungskriterien die Darstellung des Flugverlaufs des am schlechtesten steigenden Flugzeugs verlangen und den initialen Abdrehpunkt nach Süden weiter östlich errechnen.“

Zu den Befürchtungen der Bürgermeister von mehr Fluglärm teilt Stefan Jaekel mit: „Das Verfahren und die Verfahrensvorschrift zum ersten Abdrehen nach rechts bei 600 Fuß Höhe (circa 183 Meter) bleiben unverändert.“ Dies gelte ebenso für die Flugverläufe, insbesondere im lärmsensiblen Nahbereich des Flughafens. Heißt übersetzt: Alles sollte beim Alten bleiben. Aber wird es das auch in der Realität? Oder erhalten die Fluglinien durch das neue Verfahren nicht mehr Spielraum?

Laut DFS habe man in der Fluglärmkommission immer wieder auf die heutige und auch künftig bestehende Streuung in den Flugverläufen verwiesen. „Das gemeinsame Ziel ist hier die Erhaltung der Hoffmannkurve entsprechend der gegebenen Verfahrensweise“, so Jaekel. Aktuell gebe es lediglich einzelne Airlines, bei denen Optimierungspotential in der Spurtreue bestehe. Dies wolle man mit den neuen Möglichkeiten von PBN verbessern helfen, sagt der DFS-Sprecher.

DFS hat PBN-Verfahren beantragt

Doch auch wenn die Vertreter der Kommunen sich etwas anderes gewünscht hätten, nämlich Zeit, um erneut mit der DFS und anderen Entscheidungsträgern in Sachen PBN-Verfahren und der Reduzierung von Fluglärm ins Gespräch zu gehen, wurde das neue Verfahren wie angekündigt am Donnerstag (23. Januar) beantragt. Stefan Jaekel  von der DFS: „Der Austausch mit dem BAF zum formalen Abwägungsprozess der Flugverfahren hat planmäßig begonnen.“

So geht es seitens der DFS weiter

Über das weitere Vorgehen sagte der DFS-Sprecher: „Wie üblich bei der Flugverfahrensplanung und -festlegung werden das Bundesministerium der Justiz und das Umweltbundesamt vom BAF in den Abwägungsprozess einbezogen.“ Und wie steht es nun um einen Fristaufschub in Sachen Einführung des PBN-Verfahrens? „Die Einführung der PBN-Verfahren ist für den 30. Oktober 2025 geplant“, sagt Jaekel. Also ebenfalls wie geplant.

Ob die Bürgermeister der BER-Umlandgemeinden nun Ruhe geben, darf bezweifelt werden. Und sollte es beim Einführungstermin im Oktober bleiben, werden die Anwohner von Schulzendorf, Zeuthen und Eichwalde wohl sehr genau hinschauen (und hinhören), was sich bei Starts nach Osten über die Hoffmannkurve tut.

Der Fluglärm am BER ist seit Jahren ein Dauerthema rund um Schönefeld. Auch andere dicht besiedelte Gebiete wie Blankenfelde-Mahlow sowie die Region um Erkner und Schöneiche sind täglich von startenden und landenden Flugzeugen betroffen.