Flugrouten am Flughafen BER: Wurde die Hoffmannkurve nach Osten verschoben?

Blick aus einem startenden Flugzeug am Flughafen BER auf Schulzendorf, Eichwalde und Zeuthen. Die Gemeinden leiden besonders unter dem Lärm des Flugverkehrs.
Till Eichenauer- Streit um BER-Abflugroute: Kritiker sehen Verschiebung der Hoffmannkurve nach Osten.
- DFS zeigt erste PBN-Daten: Flugspuren wirken gebündelter, Analyse des ganzen Jahres folgt.
- Grafiken belegen dichtere Spuren ab Bahnmitte, teils mehr Abweichung nach Nordosten.
- Anwohner kritisieren Intersection-Starts, da Flugzeuge später abheben und lauter sind.
- Ursprüngliche Befürchtung einer deutlichen Ostverschiebung über Schulzendorf u.a. bestätigt sich nicht.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Über 7000 Starts gab es im vergangenen Jahr auf der sogenannten „Hoffmann-Kurve“. Also durchschnittlich 20 Mal am Tag wird die Flugroute (offiziell „D06R 1Q-West“ genannt) von Flugzeugen gewählt, die auf der Südbahn nach Westen abheben.
Auf der Hoffmannkurve drehen die Flugzeuge von Easyjet, Ryanair oder Lufthansa kurz nach dem Start scharf nach Süden ab und beschreiben im Idealfall noch vor der Autobahn A13 eine Kurve in Richtung Südwesten. Dadurch sollen die dichten Wohngebiete im Südosten des Flughafens in Eichwalde, Schulzendorf, Zeuthen und Wildau von Fluglärm verschont werden.
Um die Routen bei Starts und Landungen noch präziser fliegen zu können, wurde am Flughafen BER bereits ab November 2025 die sogenannte Performance Based Navigation (PBN) eingeführt – ein satellitengestütztes Navigationsverfahren, das die bisherige bodengestützte Navigation ablöst. Bereits bei der Ankündigung des neuen Verfahrens gab es große Sorgen bei Bürgern und Politikern der östlichen Flughafengemeinden, dass damit die Flugrouten ungünstig in ihre Richtung verschoben werden könnten.
Erste Ergebnisse des PBN-Verfahrens am Flughafen BER
Nun hat die Deutsche Flugsicherung in einer Präsentation vor der Fluglärmkommission die ersten Ergebnisse nach der Einführung des PBN-Verfahrens präsentiert. In einer Darstellung der aufgezeichneten Flugspuren von Starts auf der Hoffmankurve ab der Mitte der südlichen Startbahn sieht man, wie sich das Flugverhalten vom April 2025 zum April 2026 verändert hat.

In einer Präsentation der DFS vor der Fluglärmkommission am 3. Juni 2026 wurden die Flugrouten auf der Hoffmannkurve präsentiert. Zu sehen sind im Vergleich die aufgezeichneten Flugspuren bei Starts von der Mitte der Startbahn im April 2025, vor der Einführung des PBN‑Verfahrens (links), und danach im April 2026 (rechts).
Till Eichenauer (Screenshot einer Präsentation der DFS)Einer, der sich bereits früh Sorgen um negative Folgen des PBN-Verfahrens gemacht hatte, ist Marcel Hoffmann, Hobbyflieger, selbst betroffener Einwohner von Eichwalde und seinerzeit Erfinder der Hoffmannkurve. Für ihn zeigt sich, dass sich die Starts „zu einem Drittel nach Westen, mehrheitlich aber nach Osten verschoben haben. Hier wird rücksichtslos über die Kita und die neue Schule in Waltersdorf geflogen.“
Flugspuren am BER nach PBN-Einführung dichter zusammen
Hoffmann habe grundsätzlich nichts gegen das satellitengestützte PBN‑Flugverfahren einzuwenden. „Es ist ein sicheres Verfahren, mit dem man wunderbar präzise fliegen lässt.“ Jedoch bezweifelt er, dass es beim Start konsequent eingesetzt wird: „Mit PBN könnte jedes Flugzeug auf der gleichen präzisen Linie starten und nicht mit einem kilometerbreiten Teppich.“

Flugspuren aus der DFS‑Präsentation. Starts auf der Hoffmannkurve über die volle Länge der Startbahn im April 2025, vor der Einführung des PBN‑Verfahrens (links), und danach im April 2026 (rechts).
Till Eichenauer (Screenshot einer Präsentation der DFS)Die DFS verteidigt die Ergebnisse: „Die vorgestellten Charts zeigen eine erste Momentaufnahme“, so Pressesprecher Marian Günther. Für ein repräsentativeres Bild würden aktuell die Flugspuren des gesamten vergangenen Jahres seit Einführung des PBN-Verfahrens analysiert. Das Ergebnis werde man auf der nächsten Sitzung der Fluglärmkommission vorstellen.
Grundsätzliche Kritik an Intersection Take-Offs am BER
Dennoch zeige sich im Vergleich vom April 2025 und April 2026, dass das PBN-Verfahren „zu einer Bündelung der Flugspuren, also einer größeren Spurtreue, geführt hat“, so DFS-Sprecher Günther. Tatsächlich sieht man auf der Karte mit den Flügen von der Mitte der Startbahn, dass die Flugspuren näher beieinander liegen. Bei den Starts auf der ganzen Länge der Startbahn bewegen sich einige Flieger aber deutlich weiter nach Nordosten.
Intersection Take-Offs am Flughafen BER
Die Mehrzahl der Flugzeuge am Flughafen nutzt nicht die gesamte Länge der Startbahnen für den Start, sondern geht erst ab der Mitte, der sogenannten „Intersection“, auf die Rollbahn.
Die Airlines argumentieren, dass man damit Zeit und auch Treibstoff sparen kann.
Anwohner kritisieren die Kurzstarts. Sie argumentieren, dass die Flugzeuge so später abheben, damit sie tiefer und lauter über ihre Gemeinden fliegen.
Anwohner Marcel Hoffmann erkennt aber auf den Grafiken ein weiteres Problem, das in den Gemeinden östlich des Flughafens BER immer wieder für Unmut sorgt: die sogenannten Intersection Take-Offs, also Starts, die nicht vom Ende, sondern erst ab der Mitte der Startbahn durchgeführt werden. Dadurch heben die Flieger erst später ab und fliegen weiter Richtung Osten, bevor sie nach Süden abdrehen können. „Trotz PBN wird die Gegend verlärmt, und zwar eindeutig mehr als vorher. Und die DFS liefert mit den Grafiken selbst den Beweis dafür“, so Hoffmann.
Er plädiert dafür, dass die DFS einen markanten Punkt am Boden als Markierung für die Flugzeuge am Boden wählt, um die Abflüge zu steuern: „Man sollte das Amazon-Lager in Kiekebusch als Vorgabe für den Abflug definieren. Dort sollte der Wegpunkt sein und dann biegen die Piloten weiter nach Westen oder Osten ab.“
Schlimmste Befürchtungen der Anwohner nicht eingetreten
Die DFS weist darauf hin, dass sich die Beschreibungen der Flugrouten durch das PBN-Verfahren nicht geändert hätten: „Nach beiden Verfahren sind alle Luftfahrzeuge angewiesen, nach dem Erreichen einer Höhe von 600 Fuß die Rechtskurve einzuleiten.“ Für die Flüge nach Westen sei nach wie vor der gleiche Wegpunkt hinterlegt, einen Kilometer südöstlich des Amazonlagers, der auch auf den Karten der DFS zu sehen ist.
Die ursprüngliche Befürchtung, dass durch die Einführung des PBN-Verfahrens die Hoffmankurve um bis zu zwei Kilometer Richtung Osten direkt über die Gemeinden Schulzendorf, Zeuthen und Miersdorf verschoben wird, scheint sich aber nicht zu bewahrheiten. Im Januar 2025 hatten die Bürgermeister der Region rund 7000 Unterschriften gegen das Vorhaben in den betroffenen Gebieten gesammelt.

