Geheul in Königs Wusterhausen: Das Rätsel um die „Wölfe hinterm Norma“

Sieht aus wie ein Wolf, klingt wie ein Wolf – und ist auch fast einer. Warum sich einige in Königs Wusterhausen gerade davor fürchten, in den Wald zu gehen.
Till Eichenauer- Nachtliches Heulen in Königs Wusterhausen verunsichert Anwohnerin nahe der Luckenwalder Straße.
- Spur führt zum Waldrand: Zwei amerikanische Wolfshunde, Bonnie und Lenny, heulen statt zu bellen.
- Halter erklärt hohen Jagdtrieb und hält die Hunde an der Leine – Sirenen lösen Heulen aus.
- Forstamt betont: Echte Wölfe in der Stadt sind äußerst unwahrscheinlich, teils in Wäldern südlich.
- Seltene Sichtung: Halter sah im Winter 2020 einen Wolf hinter seinem Haus und scheuchte ihn fort.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wolfsgeheul mitten in der Nacht. Eine Frau aus dem Südwesten von Königs Wusterhausen sucht auf Facebook nach Rat. Sie will Pilze suchen gehen, traut sich aber wegen des finsteren Gejauels an der Luckenwalder Straße „aus der Richtung hinter dem Norma“ kaum mehr in den Wald, schreibt sie. „Hab ja schon gehört, dass es hier Wölfe geben soll, aber es selbst zu hören, war sehr gruselig“, so die Anwohnerin.
Auf dem sozialen Netzwerk beteiligen sich viele Menschen an der Diskussion – und an Spekulationen – um den Ursprung der nächtlichen Rufe: Wölfe gebe es ohnehin in der Gegend, heißt es da. Von Spuren im Wald ist die Rede und von Wölfen, die „seit Jahren“ in der Gegend leben. Aber es gibt auch andere Hinweise: Es soll zwei besondere Tiere am Waldrand geben, die für das Geheul verantwortlich sind.
Wer sich im Neubaugebiet am Ortsausgang Richtung Schenkendorf umhört, bekommt schnell die ersten Hinweise: „In Richtung des alten Forsthauses musst du gehen, da gibt es jemanden“, sagt ein freundlicher Anwohner der Siedlung. Und tatsächlich steht man unweit der Kreuzung der B179 und der Luckenwalder Straße schnell im Wald vor einem Gartentor, durch dessen Löcher zwei haarige Schnauzen aufgeregt schnüffeln.
Zwei Wolfshunde am Rand von Königs Wusterhausen
Vom Haus durch den gepflegten Garten kommt ein Mann: „Besser nicht die Finger durch die Löcher stecken!“, sagt er zur Begrüßung. Es ist Elmar Wolter. Auf die Frage, ob er sich erklären kann, woher das nächtliche Geheule kommt, sagt er sofort: „Das waren ganz sicher meine beiden Hunde. Die können nicht bellen, die können nur heulen.“ Das kann er auch sofort demonstrieren: Als Elmar Wolter – der Chef des kleinen Rudels – anfängt, ein wenig zu jaulen, stimmen seine beiden Hunde mit ein. Gerade bei Feuerwehrsirenen würden die Hunde gerne mit ihrem besonderen Gesang anfangen.
Die beiden Tiere sind Bonnie, sechs Jahre, eine grau-schwarze Hündin, und Lenny, ein heller Hund, zehn Jahre alt. Es sind amerikanische Wolfshunde, erklärt Wolter, eine Mischung, die ursprünglich aus sibirischem Husky und einem echten Wolf gezüchtet wurde. „Lenny ist etwa fünfte Generation hinter dem Wolf – also noch ziemlich nah dran“, so der Rentner.
Tatsächlich darf Elmar Wolter das Wölfische in seinen Hunden nie vergessen. „Die haben einen extrem hohen Jagdtrieb. Bei einem Reh oder Kaninchen würden die sofort hinterher“, sagt er. Deshalb lässt er sie außerhalb seines Grundstücks praktisch nie von der Leine.

Bonnie und Lenny, die amerikanischen Wolfshunde von Elmar Wolter am Forsthaus in Königs Wusterhausen, sind genetisch nah am echten Wolf.
Till EichenauerGanz im Gegensatz zu den anderen Hundehaltern, die um sein Haus im Wald spazieren gehen und ihre Hunde frei laufen lassen: „Das ist sehr unvernünftig. Wenn die auf meine Hunde zurennen und spielen wollen, ist das für die eine Kriegserklärung.“ Vor allem die dunkle Bonnie sei sehr schreckhaft. Der ältere Lenny werde mit zunehmendem Alter aber immer mehr zum „Sofahund“.
Laut Elmar Wolter ist die Sorge vor echten Wölfen im Wald bei Königs Wusterhausen aber nicht ganz unbegründet. Er selbst habe direkt hinter seinem Haus eines der Tiere gesehen, im Winter 2020, wie er sich erinnert: „Der hat einfach hinter einem Baum gesessen und mich nicht gesehen.“ Wolter habe den Anblick sehr genossen und dann einmal in die Hände geklatscht, worauf das Tier sofort „wie eine Rakete“ im Wald verschwunden sei. „Ich bin nach Hause gekommen und habe mir gesagt: Jetzt kann ich sterben. Ich habe alles gesehen“, so der Tierliebhaber.
Die Sichtung eines Wolfes in der Nähe von Königs Wusterhausen sollte aber eine absolute Seltenheit sein, sagt Beate Dalitz, stellvertretende Leiterin des Forstamtes in Dahme-Spreewald: „Wölfe sind von Natur aus sehr scheue Tiere und halten sich nur in Notzeiten in der Nähe von menschlichen Siedlungen auf. Hin und wieder streichen Jungwölfe aus Neugier in der Nähe von Siedlungen umher.“
Echte Wölfe in Königs Wusterhausen „äußerst unwahrscheinlich“
Die nähere Umgebung von Königs Wusterhausen sei so dicht besiedelt und von Menschen frequentiert, dass es laut Dalitz „äußerst unwahrscheinlich“ sei, dass sich dort Wölfe aufhalten. „In den Waldgebieten südlich von Königs Wusterhausen – mindestens 15 Kilometer entfernt – kommen vereinzelnd Wölfe vor“, so Daltz. Es sei aber in seltenen Ausnahmen möglich, dass sich ein einzelner Wolf von seinem Rudel entfernt hat.
Wer selbst einmal einen Wolf in Brandenburg sieht, seine Losung findet oder sein Geheul hört, kann dies auch beim Landesamt für Umwelt melden. Dann fließt die Sichtung in die wissenschaftliche Beurteilung der Wolf-Situation mit ein.
Dass Bonnie und Lenny am Forsthaus in Königs Wusterhausen so gerne zum Mond singen, hängt vielleicht auch mit ihren Namen zusammen. Die beiden sind nämlich nach der jüngst verstorbenen Popstar Bonnie Tyler und dem Sänger Lenny Kravitz benannt.

