Konzert in Königs Wusterhausen
: Warum in einer Kirche Technopartys gefeiert werden

In einem Ortsteil von Königs Wusterhausen wird die Kirche zur Eventlocation umfunktioniert. Wer davon profitiert.
Von
Marlene Wetzel
Königs Wusterhausen
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Maximilian Schirrmacher ist Vorsitzender des Fördervereins Evangelische Kirche Niederlehme, dem Wahrzeichen des nördlichen Ortsteils von Königs Wusterhausen.

Marlene Wetzel
  • In Niederlehme wird die Dorfkirche als Eventlocation genutzt – Konzerte, Lesungen, Technoparty.
  • Ziel ist die Restaurierung: Interieur, Beleuchtung und freizulegende Wandgemälde stehen an.
  • Veranstaltungen laufen meist auf Spendenbasis, Künstler werden privat finanziert.
  • Benefizkonzert am Samstag, 10. Oktober 2026, 19 Uhr: Eintritt frei, Spenden erbeten.
  • Förderverein sucht neue Mitstreitende, da viele Aktive zu alt sind und Anfragen zunehmen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ob man gläubig ist oder nicht, eines muss man der gelben Dorfkirche im Königs Wusterhausener Ortsteil Niederlehme lassen: Sie prägt das Ortsbild. Maximilian Schirrmacher und Knut Dommisch vom Förderverein Evangelische Kirche Niederlehme glauben sogar, dass sie für die Niederlehmer identitätsstiftend ist.

Weil die Kirche die Sanierung nicht finanziert, hat der Förderverein die Instandsetzung selbst in die Hand genommen. Fassade und Dachstuhl sind bereits erneuert. Jetzt möchten sie das Interieur der Kirche restaurieren lassen.

Aber mit welchen Mitteln? Und wozu, wenn zum monatlich stattfindenden Gottesdienst nur noch etwa sechs Personen erscheinen, wie Dommisch schildert?

Dorfkirchen könnten zu Kultursälen und Bürgertreffs werden

Die Zukunft der Dorfkirchen beschäftigte im Mai 2026 schon die Arbeitsgemeinschaft der Bürgermeister großer und mittlerer Städte und Gemeinden des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg. Sie waren im Rathaus von Königs Wusterhausen zusammengekommen. Bürgermeisterin Michaela Wiezorek berichtete anschließend, man habe mit Generalsuperintendent (Regionalbischof) für den Sprengel Potsdam, Kristóf Bálint, beraten, wie sich Dorfkirchen künftig als Kultursäle und Bürgertreffpunkte umnutzen ließen.

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In Niederlehme ist das keine Frage der Zukunft mehr, sondern schon Realität. So scheint es zumindest, wenn man Schirrmacher und Dommisch zuhört. Längst fänden hier Konzerte, Lesungen und Veranstaltungen statt. Sogar von einer Technoparty berichten sie. Und das gehe einfach so? Immerhin handelt es sich ja um ein Gotteshaus. „Ja“, antworten die beiden.

Die Events würden hauptsächlich dazu dienen, Geld für die Restaurierung zu sammeln, erzählen sie weiter. Neben den Wandgemälden, die freigelegt werden sollen, soll zum Beispiel auch die Beleuchtung erneuert werden. Gerade für Veranstaltungen wäre die jetzige ungeeignet.

Von diesen floralen Mustern gibt es noch mehr an der Decke in Niederlehmer Dorfkirche - versteckt unter grüner Farbe.

Von diesen floralen Mustern gibt es noch mehr an der Decke in Niederlehmer Dorfkirche - versteckt unter grüner Farbe.

Marlene Wetzel

Und dazu greift etwa Dommisch selbst in die Tasche. Das Blues-Konzert, das am kommenden Samstagabend, 10. Oktober, in den heiligen Hallen zu besuchen ist, finanziert er aus eigenen Ressourcen – gemeinsam mit einigen anderen Privatleuten.

Benefizkonzert in der Kirche Niederlehme

Wann: Samstag, 10. Oktober 2026, 19 Uhr
Wo: Kirche Niederlehme
Musik: Peter Schmidt & Axel Merseburg (Hauptband), Tom & Freunde (Vorband)
Eintritt: frei
Spenden: erbeten
Kontakt: 0172 32 21 680

Motto: „Gute Musik für den guten Zweck“

Denn er und Schirrmacher haben ein interessantes Phänomen beobachtet: Wenn eine Veranstaltung auf Spendenbasis laufe, würden die Leute gerne mehr Geld als für eine Eintrittskarte geben. Deshalb zahlen die Besucher in der Dorfkriche von Niederlehme meistens nur Spenden, während die Künstler privat bezahlt werden.

Corona habe Vereinskultur verändert

Manchmal sei es jedoch schwierig, Veranstaltungen überhaupt zu stemmen, erklärt Schirrmacher. Viele aktive Mitglieder seien schlichtweg zu alt geworden, um noch mit anzupacken. Jetzt fehle die Man- und Womanpower.

In der Aufarbeitung der Corona-Zeit komme zu kurz, was die Pandemie auch langfristig mit der Vereinskultur gemacht habe, findet Schirrmacher. Er sagt, dass Projekte beispielsweise lange brach gelegen hätten. Dadurch könne der Förderverein nicht sein ganzes Potenzial ausschöpfen. „Wir haben mehr Anfragen, als wir leisten können“, sagt er. Und deshalb wünscht er sich neue Mitstreitende für den Verein. Aktuell bestehe der auch aus Mitgliedern ohne Konfession.

Ob die Kirche auch Treffpunkt werden könne? Wünschenswert sei es, sagt Schirrmacher. Die Niederlehmer hätten sich über verschiedene Bauprojekte und Corona entzweit.

Er hofft, die Kirche könne für sie ein positives Beispiel dafür sein, was sich hier gemeinsam erreichen ließe.