Radwege Königs Wusterhausen
: Vom Bahnhof nach Niederlehme und Wernsdorf - der Test

Mehr Radfahrer könnten die Parkplatzsituation in Königs Wusterhausen entspannen. Aber taugen die Radwege? MOZ.de macht den Test. Heute: Die Strecke vom Bahnhof nach Niederlehme und Wernsdorf.
Von
Marlene Wetzel
Königs Wusterhausen
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Neuralgischer Punkt auf dem Weg nach Niederlehme und Wernsdorf: Die Kreuzung Storkower Starße

Neuralgischer Punkt auf dem Weg nach Niederlehme und Wernsdorf: Die Kreuzung Storkower Straße/Tiergartenstraße/L40 (Chausseestraße). Anschließend müssen Radfahrer bei Tempolimit 60 km/h auf der schlecht einsehbaren Straße fahren.

Marlene Wetzel
  • Teststrecke Bahnhof KW nach Niederlehme und Wernsdorf: 12 km, App-Dauer 38 Minuten.
  • Viele Lücken und Unsicherheit: häufig Straße, teils Gehweg mit „Rad frei“ und Engstellen.
  • Kritische Punkte sind die Kreuzung Storkower/Tiergartenstraße/L40 und die Schleuse Neue Mühle.
  • Stadtauswärts fehlt oft ein Radweg, Konflikte mit Fußgängern und enge, schlecht einsehbare Straßen.
  • Stadteinwärts ist die Führung meist vorhanden und ausgeschildert, jedoch oft nur Gehweg mit „Rad frei“.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In Königs Wusterhausen sind die Parkplätze in der Innenstadt rar. Für Pendler, die in den eingemeindeten Ortsteilen der Stadt wohnen, das Auto am Bahnhof parken und mit der Bahn nach Berlin zur Arbeit fahren wollen, ist das ein Problem.

Flächen für weitere Parkplätze gibt es aktiell nicht. Würden mehr Menschen mit dem Fahrrad zum Bahnhof fahren, könnte sich die Situation entschärfen. Die wesentliche Voraussetzung dafür: gute Radwege. Aber gibt es die zwischen den Ortsteilen und dem Bahnhof KW?

Das wollen wir wissen und steigen dazu selbst aufs Rad. Heute testet MOZ.de die Strecke vom Bahnhof über Niederlehme nach Wernsdorf und zurück.

Qualitätsmerkmale einer guten Radinfrastruktur

Bevor es losgeht, wollen wir noch kurz unseren gedanklichen Ausgangspunkt markieren. Empfehlenswert ist dazu die Studie mit dem Titel „Potenziale des Radverkehrs für den Klimaschutz und für lebenswerte Städte und Regionen“, die das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI herausgegeben hat. Aufgezeigt werden darin unter anderem Eigenschaften einer guten Fahrradinfrastruktur. Demnach sollten Radwege „vom motorisierten Individualverkehr getrennt und geschützt“ sein. Auch die Trennung von Rad- und Fußverkehr gehört zu den Qualitätsmerkmalen.

Pendeln

Warum kommt die Bahn zu spät? Was bringt ein Tempolimit auf der Autobahn? Wir berichten über alles was Berufspendler in der Region wissen müssen.

Radwege sollten aber nicht nur sicher sein – Radfahrer sollten sich dort auch sicher fühlen. Wichtig ist laut der Studie außerdem, dass das Radwegenetz dicht und lückenlos ist und Radfahrende wichtige Ziele wie Bahnhöfe oder Bushaltestellen möglichst direkt erreichen können.

Radwege zwischen Bahnhof, Niederlehme und Wernsdorf

Wir starten den Radweg-Test am Bahnhof - so wie es auch Pendler tun, die ihr Auto in der Innenstadt parken und nach Hause fahren wollen. Über die Storkower Straße und die Tiergartenstraße geht es über Neue Mühle nach Niederlehme und schließlich Wernsdorf – so wie die App es als schnellsten Weg angibt. Bis nach Wernsdorf sind es ungefähr 12 Kilometer. Die angezeigte Dauer: 38 Minuten.

Screenshot

Screenshot: Vom Bahnhof Königs Wusterhausen geht es über die Storkower Straße und die Tiergartenstraße nach Neue Mühle. Dann über die Friedrich-Ebert-Straße, die Karl-Marx-Straße und die Wernsdorfer Straße nach Niederlehme. Und schließlich über die Niederlehmer Chaussee nach Wernsdorf.

Screenshot/Marlene Wetzel

Die Probleme auf dieser Strecke in die nordöstlichen Ortsteile von KW gehen gleich hinter dem Bahnhof an der Kreuzung Storkower Straße/Am Güterbahnhof los: Zwar gibt es hier einen Gehweg mit „Rad frei“-Kennzeichnung in beide Fahrtrichtungen, aber stadtauswärts ist dieser erst ab dem Fliederweg ausgeschildert. Bis zum Fliederweg fährt man mit dem Rad stadtauswärts erst mal auf der Straße und muss sie dann queren.

„Schwierig, sich hier zurechtzufinden“, sagt ein Ehepaar aus Potsdam, das gerade am Bahnhof angekommen ist, nach Neue Mühle radeln möchte und direkt an dieser Stelle stecken bleibt.

Der Gehweg mit "Rad frei" in beide Richtungen ist hinter dem Bahnhof stadtauswärts schwer zu finden.

Der Gehweg mit "Rad frei" in beide Richtungen ist hinter dem Bahnhof stadtauswärts ist nicht leicht zu finden.

Marlene Wetzel

Zudem ist der Weg für alle Parteien – Radfahrer in beide Richtungen und Fußgänger – nur circa anderthalb Meter breit. Radfahrer müssen auf Gehwegen mit „Rad frei“ außerdem Schrittgeschwindigkeit fahren, denn sie sind hier nur „Gast“. Bedeutet: unter 10 km/h. Immerhin: Stadteinwärts ist er gut ausgeschildert.

Neuralgischer Punkt: Kreuzung Tiergartenstraße

An der Kreuzung Storkower Straße/Tiergartenstraße/L40 (Chausseestraße) geht es abenteuerlich weiter. Nämlich zusammen mit den Autos, die hier 60 km/h schnell sein dürfen, auf der Straße. Am Ortseingang von Neue Mühle dasselbe Spiel wie vorher: Fahrradfahrer teilen sich in beide Fahrrichtungen mit den Fußgängern einen Weg. Dieser ist immerhin zwei Meter breit.

An der Schleuse in Neue Mühle selbst wird’s wieder heikler. Hier endet der Fahrradweg abrupt. Richtung Niederlehme wird man wieder auf die Straße geleitet, sodass klar ist, dass man sich in die Autos auf der Straße einreihen muss. Unangenehmer ist es stadteinwärts fahrend an der Schleuse: Der Radweg führt hier bis an die Kreuzung und endet dort. Zu spät stellt man also fest, dass man vorher schon auf die Straße hätte fahren sollen, um sich in die Autos einzureihen.

Neuralgischer Punkt zwei: die Schleuse in Neu Mühle. Hier gibt es keine Radverkehrsführung.

Neuralgischer Punkt zwei: die Schleuse in Neu Mühle. Hier gibt es keine gesonderte Radverkehrsführung. Bedeutet: Man kann nur die Straße nutzen.

Marlene Wetzel

Der weitere Weg durch Niederlehme Richtung Wernsdorf ist davon geprägt, dass es stadtauswärts gar keinen Fahrradweg gibt. Entweder man fährt auf der Straße oder aber man nutzt verbotenerweise den Gehweg.

In Niederlehme gibt es keinen Radweg. Radfahrer haben die Wahl, auf der Straße oder verbotenerweise auf dem einen Meter breiten Gehweg zu fahren.

In Niederlehme gibt es keinen Radweg. Radfahrer haben die Wahl, auf der Straße oder verbotenerweise auf dem einen Meter breiten Gehweg zu fahren.

Marlene Wetzel

Besser sieht es stadteinwärts aus, also Richtung Bahnhof KW. Hier müssen sich Radfahrer den Weg zwar auch mit den Fußgängern teilen, aber immerhin ist er weitestgehend breit genug und asphaltiert oder gepflastert. Das führt dazu, dass viele Radfahrer zumindest zum Testzeitpunkt auf der „falschen Seite“ fahren.

Zoff zwischen Radfahrern und Fußgängern

Genau aus diesem Grund kommt es an der HEM-Tankstelle an der Kreuzung Karl-Marx-Straße/Am Möllenberg zu einem Streit zwischen einem Radfahrer und einem Rentner-Paar, das seinen Hund Gassi führt. Weil dieser der Mann auf dem Drahtesel das Paar wegklingelt, ruft der Rentner: „Hier ist kein Radweg, Idiot.“

Ungefähr ab dem Lotto-Lädchen auf der Karl-Marx-Straße gibt es dann bis zur Kreuzung Karl-Marx-Straße/Dorfanger/Triftstraße/Storkower Weg weder stadtauswärts noch -einwärts einen Radweg. Dann wieder: stadtauswärts nur Fußweg, stadteinwärts Gehweg mit „Rad frei“.

Am neu gemachten Kreisverkehr (Wernsdorfer Straße/Segelfliegerdamm) wiederum gibt es auch ein kurzes Stück Radweg stadtauswärts, in Ziegenhals wieder: gleiche Situation wie vorher.

Straße oder Trampelpfad? Stadtauswärts haben es Radfahrer in Niederlehme schwer.

Straße oder Trampelpfad? Stadtauswärts haben es Radfahrer in Niederlehme schwer.

Marlene Wetzel

Stadteinwärts haben Baumwurzeln auf dem Rad- und Fußweg des darauffolgenden Stücks zwischen der Gaststätte „Wasserfreund“ an der Kreuzung Wernsdorfer Straße/Friedrich-Engels-Straße und „Nicos Hafen“ an der Kreuzung Wernsdorfer Straße/Schulstraße immer wieder Schäden im Beton verursacht. Radfahrer müssen hier aufpassen.

Noch mehr aufpassen müssen sie jedoch stadtauswärts ab Nicos Hafen Richtung Wernsdorf: Hier gibt es nicht mal mehr einen Gehweg, auf dem man verbotenerweise fahren kann. Es bleibt nur die relativ enge und an manchen Stellen schwer einzusehende Straße. Und plötzlich, kurz hinter dem Fußballplatz des SV Frankonia Wernsdorf 1919, am „Ortseingang“ von Wernsdorf, ist wieder ein Radweg eingezeichnet.

Ein Bus überholt auf der engen Straße auf dem Weg nach Wernsdorf.

Ein Bus überholt auf der engen Straße auf dem Weg nach Wernsdorf.

Marlene Wetzel

Rückweg zum Bahnhof Königs Wusterhausen über Kirchsteig

Auf dem Rückweg Richtung Bahnhof von Königs Wusterhausen werden Radfahrer in Neue Mühle über den Kirchsteig geleitet. Es geht los, ohne dass es einen Radweg gibt, aber auf der Straße gilt hier Tempo 30. Es folgt ein Gehweg mit „Rad frei“, als die Straße zur Einbahnstraße wird. Der Radweg endet dann jedoch nach einigen Metern wieder: Man fährt erneut auf der Straße. Schließlich mündet die Straße wieder in einer Einbahnstraße, die für Radfahrer aber explizit freigegeben ist. Auf dem letzten Stück kurz vor dem Bahnhof ist wieder ein Radweg ausgewiesen.

Am Ende von Neue Mühle werden Radfahrer über den Kirchsteig zum Bahnhof geleitet. Es folgt eine chaotische Radverkehrführung.

Am Ende von Neue Mühle werden Radfahrer über den Kirchsteig zum Bahnhof geleitet. Es folgt eine chaotische Radverkehrführung.

Marlene Wetzel

Was noch auffällt: Stadteinwärts ist der Radweg Teil des DahmeRadwegs, also eines touristischen Radweges, der Fahrradtouris von Berlin aus bis zur Dahmequelle bei Kolpien leitet.

Fazit: Stadtauswärts ist es ziemlich unangenehm, über Niederlehme nach Wernsdorf zu fahren. Größtenteils gibt es keinen Radweg oder keinen erkennbaren Radweg. Radfahrer haben die Wahl, verbotenerweise mal auf Gehwege auszuweichen oder aber die Straße zu nehmen. Viele Radfahrer fahren verbotenerweise auf dem Gehweg mit „Rad frei“ auf der falschen Seite. Das führt zu Problemen mit den Fußgängern, wie in Niederlehme beobachtet.

Stadteinwärts ist der Radweg bis auf kleinere Lücken durchgängig. Zudem ist er gut ausgeschildert. Allerdings ist er fast durchgängig Gehweg mit „Rad frei“, sodass Radfahrer nur langsam fahren können. In Niederlehme gibt es zudem Schäden am Radweg durch Baumwurzeln. Gerade rund um den Bahnhof erscheint die Radführung chaotisch.

Ausblick: Wir fragen bei Stadt und beim Landkreis Dahme-Spreewald an, was für die Strecke geplant ist und auf welchen Abschnitten es Verbesserungen geben könnte.

MOZ.de testet die Radwege zum Bahnhof KW - alle Serien-Teile im Überblick

1. Die allgemeine Radwege-Situation in der Stadt

2. Vom Bahnhof über Niederlehme nach Wernsdorf

3. Vom Bahnhof nach Zernsdorf und Kablow

4. Vom Bahnhof nach Deutsch Wusterhausen und Diepensee

5. Vom Bahnhof nach Zeesen

6. Vom Bahnhof nach Senzig

7. Die Radstrecken in der Innenstadt

8. Ausblick: An welchen Stellen es Verbesserungen geben könnte

Sind Sie auch mit dem Fahrrad in KW oder den Ortsteilen unterwegs? Was erleben sie dort, wo geht es gut voran, wo liegen Probleme? Schreiben Sie uns an: Marlene.Wetzel@moz.de