Baukrimi in Königs Wusterhausen: Werden die Bagger in Niederlehme noch gestoppt?

Im beschaulichen Ortskern von Niederlehme, einem Ortsteil von Königs Wusterhausen, sind Bauzäune und Bagger aufgebaut. Die Baugenehmigung wurde am 20. August 2026 erteilt. Doch wird sie auch wie geplant vollzogen?
Marlene Wetzel- Streit um Baugenehmigung im Ortskern Niederlehme, Baubeginn ab 1. Oktober unklar.
- Stadt will neuen B-Plan: kleinteilige, ortsübliche Bebauung und Erhalt von Grünflächen.
- SVV beschloss 2021 Planänderung und Veränderungssperre, später erneut verlängert.
- Landkreis erteilte am 20. August 2026 Genehmigung für ein Doppelhaus – Bauzäune stehen.
- Stadt beantragte Aussetzung der Vollziehung, Hauptausschuss lehnte Bauantrag im Juni 2026 ab.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Auf den ersten Blick wirkt Niederlehme industriell. Wer den Ortsteil der Stadt Königs Wusterhausen nur vom Durchfahren kennt, ahnt vermutlich nicht, welch charmantes Fleckchen sich jenseits der Karl-Marx-Straße befindet. Doch einmal in die Kirchstraße abgebogen, liegt der alte Ortskern von Niederlehme.
Hinter großen, alten Bäumen stehen rund um den „Dorfanger“, die typische Freifläche in der alten Dorfmitte, kleine Häuser mit ein bis zwei Geschossen. Einige sind aus Backstein, mindestens eins davon aus weißem Kalksandstein. Es zeugt davon, dass der KWer Ortsteil einer der ältesten Produktionsstandorte von Kalksandstein in Deutschland ist.
Doch dieser beschauliche Anblick könnte sich bald ändern: Denn mitten im alten Dorfkern, an der Ecke Kirchstraße/Dorfanger, stehen bereits Bagger bereit. Sie könnten schon am Donnerstag, 1. Oktober, mit den Arbeiten loslegen – vielleicht aber auch nicht. Denn aktuell gibt es ein Gerangel um die Baugenehmigung.
SVV beschließt neuen Bebauungsplan für Ortskern Niederlehme
Die Geschichte dahinter ist einigermaßen kompliziert. Abgekürzt beginnt sie am 13. Dezember 2021. An dem Tag beschließt die Stadtverordnetenversammlung (SVV) von Königs Wusterhausen die Änderung des Bebauungsplans (B‑Plan) von der „Ortskernerweiterung Niederlehme“. Ziel davon ist es, das städtebauliche Konzept anzupassen. Es geht darum, die Art der Nutzung von Grundstücken – Wohnen, Läden, Gastronomie oder Gewerbe – neu zu bestimmen, wie viel und wie hoch gebaut werden darf und wie die Gebäude angeordnet sein müssen.
Entgegen dem bisher gültigen B-Plan, der noch von 2001 stammt, soll etwa der Bau von dreigeschossigen Gebäuden im Ortskern, wo vor allem ein- und zweigeschossige Häuser stehen, verhindert werden. Gleichzeitig erlässt die SVV auch eine Veränderungssperre. Danach darf der Ortskern von Niederlehme nicht wesentlich verändert oder bebaut werden, solange der neue B-Plan noch nicht angefertigt und rechtskräftig ist.
Zur selben Zeit liegt der unteren Bauaufsichtsbehörde des Landkreises ein Bauantrag auf der Grundlage des alten B-Plans von 2001 vor, der ganz andere Ziele verfolgt. So erzählt es eine Anwohnerin, die lieber anonym bleiben will. Niederlehmes Ortsvorsteherin Katharina Ennullat trägt dazu am 24. Januar 2022 auf ihrer Website ein: „Hier erwarten uns vier dreigeschossige Gebäude mit insgesamt 29 Mietwohnungen, Gewerbeeinheiten und Tiefgarage.“
2024: SVV beschließt neue Veränderungssperre
Doch die Veränderungssperre gilt erst mal zwei Jahre. Während der neue B-Plan erstellt wird, wird nichts gebaut. Ende 2024 beschließen die KWer Stadtverordneten dann eine neue Veränderungssperre. Vorher werden der Geltungsbereich des B-Plans angepasst und die Ziele für den neuen Bebauungsplan konkretisiert.
Nämlich: eine kleinteilige, ortstypische Bebauung, Bauhöhen, die der historischen Bausubstanz entsprechen, und eine ortsübliche Gestaltung. Mit dem neuen B-Plan soll zudem die Bausubstanz des Dorfangers bewahrt werden. Nicht zuletzt sollen die Grünflächen erhalten und der dichte Grün- und Gehölzkorridor erweitert werden.

Der aktuelle Vorentwurf für den B-Plan des Ortskern Niederlehme. Aktuell plant man mit einem Grünzug, die dicke grüne Linie.
Marene WetzelSchon mit Beschluss der neuen Veränderungssperre weist die Verwaltung die Stadtverordneten allerdings darauf hin, dass diese nicht zulässig sei. Und offenbar sieht das die Bauaufsichtsbehörde des Landkreises Dahme-Spreewald ähnlich. Jedenfalls stehen auf dem Grundstück an der Ecke Kirchstraße/Dorfanger jetzt mehrere Bagger.
Dem Bauschild ist zu entnehmen, dass hier ein Doppelhaus entstehen soll und die Baugenehmigung am 20. August 2026 erteilt wurde. Im jüngsten Bauausschuss der Stadt Mitte September hieß es zudem, Baubeginn sei am Donnerstag, 1. Oktober. Und weil der neue B-Plan immer noch erstellt wird, würde hier dann nach dem Bebauungsplan von 2001 gebaut werden.
Baubeginn im Ortskern Niederlehme könnte sich verzögern
Ob die Arbeiten tatsächlich noch in dieser Woche starten, ist aktuell allerdings unklar. Denn nach Angaben von Stadtsprecherin Ursula Schlecht hat die Verwaltung beim Landkreis Dahme-Spreewald einen Antrag auf Aussetzung der Vollziehung der Baugenehmigung gestellt.
Mit welcher Begründung ließ die Stadt auf Nachfrage offen. Bekannt ist nur, dass der Hauptausschuss seine Zustimmung zu dem Bauantrag im Juni 2026 verweigert hatte. Grund: Das Bauvorhaben sei nicht ortsüblich. Das konnte die Bauaufsichtsbehörde aber offensichtlich nicht dazu bewegen, die Baugenehmigung für das Doppelhaus nicht zu erteilen.
Laut der Niederlehmer Anwohnerin gehe es bei dem Bau des Doppelhauses nicht nur um optische Fragen. Das geplante Gebäude setze die Erschließung für die gesamte Fläche fest, glaubt sie. Das heißt etwa, wie die Zufahrten beziehungsweise Straßen verlaufen – und auch, wie Anschlüsse für Wasser, Abwasser und Strom verlegt werden. So wie die Erschließung momentan geplant sei, würden die Planungsziele des neuen B-Plans der Stadt ihr zufolge jedoch konterkariert.
Ist dem tatsächlich so? Und was sagen Landkreis und die Bauherrin? Beide haben sich auf eine entsprechende Anfrage zum Bauvorhaben bislang nicht geäußert.


