Nottekanal Königs Wusterhausen
: „Eimerweise tote Fische“ und Gestank

Im Spätsommer haben Angler in Königs Wusterhausen tote Fische aus dem Nottekanal geholt. Auch jetzt noch stinkt das Gewässer.
Von
Marlene Wetzel
Königs Wusterhausen
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Anne Kotula mit einem Aquatest, der den Sauerstoffgehalt in der Notte sichtbar macht.

Anne Kotula mit einem Aquatest, der den Sauerstoffgehalt in der Notte sichtbar macht.

Marlene Wetzel
  • Im Spätsommer starben im Nottekanal in Königs Wusterhausen viele Fische – starker Gestank.
  • Angler holten eimerweise Tiere aus dem Wasser; Schätzung: bis zu 300–400 Kilogramm.
  • Ursache laut Grünen: zu wenig Sauerstoff durch Wasserlinsen und geringe Fließbewegung.
  • Geschlossene Schleuse verhindert Flucht der Fische, Test zeigte zuletzt orange und damit besser.
  • Geplant ist ein Runder Tisch am 20. November: diskutiert werden Belüftung, Fontäne und Schleusensanierung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eimerweise tote Fische haben Angler Anfang September aus dem Nottekanal in Königs Wusterhausen geholt. Sven Zehran von den KWer Angelfreunden 47 meint sogar, dass es vier große Mülltonnen voll und 300 bis 400 Kilogramm Fisch waren.

Edelfische, Brassen und sogar einen Raubfisch hätten die rund 15 Helfer, die der Kreisanglerverband Dahme-Spreewald zusammengetrommelt habe, rausgefischt. „Als Angler, blutet einem da das Herz“, sagt Zehran. Bei der Rettungsaktion sei er mit einem Schlauchboot unterwegs gewesen, habe aber alle sechs Meter anhalten müssen, um seinen Elektromotor vom Kraut zu befreien – von braunem Kraut, was sonst lebendig grün ist.

Niemand von den Anglern wisse, was unter Wasser los sei, wie groß die Schäden wirklich seien. Er vermutet, durch die Decke von Wasserlinsen, die er auf drei bis vier Zentimeter schätzt, hätten die Fische zu wenig Sauerstoff. Angeln sei deshalb erst mal unmöglich.

Fischsterben und Gestank: ein Sommerphänomen

Um auf die Situation aufmerksam zu machen, hat der Ortsverband der Grünen Königs Wusterhausen am Mittwoch (15.10.) den Sauerstoffgehalt der Notte sichtbar gemacht. Mithilfe eines, wie Sprecherin Anne Kotula betont, nicht wissenschaftlichen Aquatests. Je nach Sauerstoffmenge färbt sich der Test von dunkelrot (gut) bis gelb (schlecht).

Speckgürtel

Alles Wichtige aus dem Berliner Speckgürtel.

Denn auch die Grünen gehen davon aus, dass die Fische wegen des geringen Sauerstoffgehalts im Wasser erstickt sind. Und die Fische hätten keine Möglichkeit zu entfliehen, erklärt Peter Schillinger, Kreisvorsitzender der Grünen. Weil sie nicht durch die geschlossene Schleuse schwimmen können, seien sie im Kanal gefangen. Eine „Fischtreppe“ zur Überwindung der Schleuse gebe es nicht.

An diesem Morgen färbt sich der Test orange. Im Vergleich zu vor zwei Wochen, als sie den Test schon mal durchgeführt hätten, sei eine deutliche Verbesserung festzustellen, gibt Kotula an. Aufgrund der sinkenden Temperaturen sei das aber normal.

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Eimerweise tote Fische, übervoll mit sogenannter Entengrütze.

Marlene Wetzel

Fischsterben und übler Geruch seien Phänomene, die jedes Jahr im Sommer an der Notte aufträten, sagt Kotula. Die Notte habe zu wenig Fließbewegung, erklärt ihr Parteikollege Peter Schillinger – wegen der geschlossenen Schleuse, aber auch grundsätzlich. Über Entwässerungskanäle aus der umliegenden Landwirtschaft gelangten zusätzliche Nährstoffe in den ohnehin schon nährstoffreichen Kanal.

Das begünstige das Wachstum von Wasserlinsen, umgangssprachlich als Entengrütze bekannt. Nach und nach bedeckten sie die Wasseroberfläche. Dadurch gelange weniger Licht ins Wasser, sodass Unterwasserpflanzen absterben könnten. Bei ihrer Zersetzung werde Sauerstoff verbraucht, wodurch der Sauerstoffgehalt im Wasser weiter sinke. Für Fische könne das lebensbedrohlich werden. Hohe Temperaturen verschärften das Problem zusätzlich. „Ein Teufelskreis“, sagt Schillinger.

„Runder Tisch Notte“ soll Lösungen bringen

Jetzt sei der Zeitpunkt, um Vorkehrungen für den Sommer 2027 zu treffen und die Fische zu retten, meint Anne Kotula. Auch, um den Nottekanal für die Menschen wieder lebenswerter zu machen. Am 20. November soll es dazu einen Runden Tisch mit der Bundestagsabgeordneten Andrea Lübcke geben. Dabei sollen Vorschläge diskutiert und nächste Schritte beraten werden. Das könnte etwa eine Wasserfontäne sein, um Bewegung ins Wasser zu bringen, sagt Kotula.

In Berlin gibt es zum Beispiel auch ein Belüftungsschiff, um akutem Sauerstoffmangel in Kanälen entgegenzusteuern, das „Rudolf Kloos“. Ob eine vergleichbare Technik an der Notte sinnvoll wäre, müsste allerdings geprüft werden.

Auch die Stadt Königs Wusterhausen und das „Bündnis Naturraum Notte“ haben Pläne für die Zukunft der Notte. Sie setzen sich dafür ein, dass die Schleuse saniert wird und hier wieder Boote fahren können. Und zwar bis zum Mellensee. Die Kommunen Mittenwalde und Gallun haben dazu schon Anlegemöglichkeiten geschaffen.

Dass die Schleuse saniert wird, wünscht sich auch Angler Sven Zehran. Damit die Notte wieder mehr Strömung bekommt, und sich „die Wasserlinse beruhigt“.