Parken in Königs Wusterhausen: So wollen Fraktionen die angespannte Lage lösen

Laut Mobilitätskonzept 2030 der Stadt Königs Wusterhausen pendeln rund 6.400 Personen nach Berlin. Viele davon lassen ihr Auto am Bahnhof stehen, doch für sie gibt es hier nur 384 Parkplätze – und die sind in der Regel frühmorgens schon belegt.
Marlene Wetzel- Königs Wusterhausen hat zu wenig Parkplätze am Bahnhof und in der Innenstadt – 384 Plätze reichen nicht.
- SPD/FDP und CDU werben für ein Parkhaus am Bahnhof, doch eine Mehrheit fehlt bislang.
- Fraktionen setzen auf besseren ÖPNV: dichtere Busanbindung, abgestimmt auf Zugzeiten und Rufbusse.
- Radverkehr gilt als Schlüssel, doch das Radwegenetz ist „grottig“; ein Fahrradparkhaus scheitert derzeit.
- Geld, Flächenmangel und lange Verfahren bremsen Maßnahmen, kleine Schritte wie Schutzstreifen wären möglich.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In der Innenstadt von Königs Wusterhausen sind die Parkplätze knapp. Gerade für Pendler, die den Zug nach Berlin nehmen, erschwert das den Alltag. Aber auch für Angestellte, die in der Innenstadt arbeiten, ist die Parkplatzsituation schwierig.
Die Stadt hat auf Nachfrage angegeben, an der Situation nichts ändern zu können, weil sie keine Flächen mehr besitzt, auf denen es überhaupt möglich wäre, weitere Parkplätze zu bauen. Wie möchten die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung von Königs Wusterhausen das Problem angehen?
Alle Fraktionen haben diese vier Fragen von MOZ.de bekommen: Welche Ideen haben Sie, um die Situation zu verbessern? Kann der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), die angespannte Parksituation entzerren? Kann ein ausgebautes Fahrradwegenetz und ein Fahrradparkhaus helfen? Woran scheitert es in KW, die Situation zu verbessern?
Parkhaus als Lösungsidee für Parkplatzsituation
Nach Angaben von Ludwig Scheetz, Vorsitzender der SPD/FDP-Fraktion, und Christian Lazarus-Möbus, Vorsitzender der CDU-Fraktion, setzen sich beide Fraktionen schon seit vielen Jahren für den Bau eines Parkhauses am Bahnhof ein. Das Vorhaben habe aber in der Stadtverordnetenversammlung bislang keine politische Mehrheit gefunden, so Scheetz.
Katharina Ennullat, stellvertretende Vorsitzende der FWKW-Fraktion, sieht in einem intelligenten Verkehrsleitsystem und dem verstärkten Einsatz moderner Telematik großes Potenzial. Eine digitale Verkehrssteuerung könne Verkehrsströme besser lenken, Staus vermeiden und Autofahrer gezielt zu freien Parkplätzen führen. Das reduziere unnötigen Suchverkehr und entlaste insbesondere die Innenstadt.
Fraktionen überwiegend für Ausbau des ÖPNV
Um die Parkplatzsituation zu entlasten, würden alle Fraktionen, besonders die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, den Ausbau einer verlässlichen Busanbindung der Ortsteile an den Bahnhof begrüßen. Vor allem am frühen Morgen und am Abend und in Abstimmung auf die Abfahrtszeiten der Züge. „Die Leute sind teilweise aufs Auto angewiesen“, sagt Christiane Gleichmann von den Grünen, „doch statt mit mehr versiegelter Fläche in Form von Parkplätzen sollten wir mit einer besseren Busanbindung darauf antworten.“
So gebe es in KW etwa keinen Stadtbus bis in die Ortsteile. Im Oktober 2025 wurde die Bürgermeisterin allerdings von den Stadtverordneten beauftragt, ein entsprechendes Angebot zu prüfen und in die Nahverkehrsplanung des Landkreises Dahme-Spreewald ab 2026 einzubringen.
Neben dem klassischen Linienverkehr können sich die Fraktionen, allen voran wiederum die Grünen, auch flexible On-Demand-Angebote, sogenannte Rufbusse, vorstellen. Im Nachbar-Landkreis Oder-Spree wird dieses Modell mit dem Dalli-Bus bereits erprobt.
Königs Wusterhausen hat „grottiges“ Radwegekonzept
Auch dem Radverkehr schreiben die meisten Fraktionen erhebliches Lösungspotenzial der Parkplatzsituation zu. Dennoch – auch in diesem Punkt sind sich die meisten politischen Lager einig – hat KW, wie Gleichmann es nennt, ein „grottiges“ Radwegekonzept: zu schmal, zu kurz und zu wenige. „Wenn man bedenkt, dass Elfjährige hier in den meisten Fällen auf der Straße fahren müssen, dann läuft es einem mitunter kalt den Rücken runter“, so Markus Frye, Beisitzender des Grünen Ortsverbandes Königs Wusterhausen.
Und das, obwohl das Fahrrad, zumindest nach Meinung der Grünen und der UFL-BVB/Freie Wähler-Fraktion, in vielen Fällen das Auto zum Bahnhof sogar ersetzen könne. Demgegenüber glaubt etwa Markus Wenzel, Fraktionsvorsitzender der AfD, das Auto bliebe in einer Flächengemeinde wie Königs Wusterhausen für viele Bürger unverzichtbar.
Dass es keine sichere Fahrradinfrastruktur in KW gibt, bestätigt auch das Mobilitätskonzept 2030. Darin stehe, so Gleichmann, dass man ein Fußwege- und Radwegekonzept erarbeiten müsse, um daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten. Dafür sei – im Gegensatz zur Änderung der Stellplatzsatzung, um Parkplätze am Krankenhaus zu bauen – aber kein Geld da. Sie führt das auf ein Festhalten an alten Strukturen und Denkweisen zurück. Die Perspektive des Autofahrers habe in der Regel Vorrang.
Fahrradparkhaus nach dem Vorbild von Eichwalde
Alle Fraktionen würden den Bau eines Fahrradparkhauses begrüßen. Corinna Röder von der UFL-BVB/Freie Wähler-Fraktion zufolge sind gute Abstellmöglichkeiten eine Voraussetzung dafür, dass die Nutzung von Fahrrädern die Parkplatzsituation entzerrt.

Das Fahrradparkhaus von Eichwalde mit insgesamt 673 Stellplätzen auf beiden Bahnhofseiten, davon 185 gesichert. Ein Vorbild für Königs Wusterhausen?
Till EichenauerDie Fraktionen bedauern mehrheitlich, dass das Fahrradparkhaus vorerst nicht umgesetzt werden kann. Nach Angaben der Stadt hat sich für den Bau keine Firma gefunden und jetzt fehlen die finanziellen Mittel. Dafür hat Lazarus-Möbus eine Idee: „Die modularen Fahrradparkhäuser, von denen es schon eins in Eichwalde gibt, wäre auch in KW eine Alternative zu dem Bau, für den sich keine Baufirma findet.“
Dennoch glaubt er, der Bedarf an zusätzlichen Pkw-Stellplätzen würde ein Fahrradparkhaus nicht lösen. Beide Angebote seien notwendig, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Pendler gerecht zu werden.
Einzelne Maßnahmen nicht ausreichend, um Problem zu lösen
Die meisten Fraktionen sind sich insofern einig, dass eine einzelne Maßnahme das Parkplatzproblem nicht lösen kann. Sie stimmen auch darin überein, dass die aktuelle Haushaltssituation sowohl den Bau eines Parkhauses als auch größere Investitionen in den ÖPNV und weitere Verkehrsinfrastruktur erschwert.
„Wir können uns den öffentlichen Nahverkehr nicht backen und die finanziellen Mittel sind begrenzt“, bringt es Michael Wippold von der DIE Linke/BSW/Wir für KW-Fraktion auf den Punkt. Weil seine Fraktion die Finanzsituation kenne, bringe sie auch keine „populistischen Anträge“ ein, von denen sie wüsste, dass sie nicht finanzierbar sind. Corinna Röder betont zudem, dass die Stadt den ÖPNV nicht allein steuern könne, weil die Zuständigkeit hierfür beim Landkreis liege. Umso wichtiger sei es, dass Stadt, Kreis und Verkehrsunternehmen gemeinsam an tragfähigen Lösungen arbeiten.

Eine einzelne Maßnahme kann das Parkplatzproblem in der KWer Innenstadt alleine nicht lösen. Darin sind sich die Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung einig.
Marlene WetzelNeben dem begrenzten Platz und finanziellen Einschränkungen der Kommunen sieht Markus Wenzel langwierige Planungs- und Genehmigungsverfahren als die größten Herausforderungen für die Lösung des Problems. Wie auch Ennullat ist er der Meinung, dass die Infrastruktur mit der zunehmenden Anzahl der Pendler in Königs Wusterhausen mitwachsen muss. Ennullat zufolge erschwere auch der Fachkräftemangel bei der RVS derzeit den Ausbau des Busnetzes.
Verbesserung der Radinfrastruktur nicht teuer?
„Erste Schritte zur Verbesserung der Radinfrastruktur würden nicht einmal viel Geld kosten“, unterstreicht jedoch Markus Frye. Er denke da an „Radfahrer frei“-Schilder oder die offizielle Beschilderung von Fahrradwegen, die das Bewusstsein der Menschen verändern und für ein sicheres Gefühl auf dem Fahrrad sorgen würden. Oder auch die Einrichtung von Fahrradschutzstreifen und Tempo 30.
Aus Sicht der UFL-BVB/Freie Wähler-Fraktion ist es zudem wichtig, kleine, bürgernahe Lösungen zu schaffen. Ein gutes Beispiel dafür seien die Mitfahrbänke in Senzig, die von der AG Kommunales des Netzwerkes Senzig initiiert, gemeinsam mit der Verwaltung umgesetzt und durch Spenden von Senzigerinnen und Senzigern ermöglicht wurden. Solche Angebote würden zwar keinen leistungsfähigen ÖPNV ersetzen, aber zeigen, dass auch vor Ort pragmatische Beiträge zur Verbesserung der Mobilität möglich sind.
Die UFL-BVB/Freie Wähler-Fraktion könnte sich zudem sogar autofreie Zonen oder eine vollständig autofreie Innenstadt vorstellen.


