Radwege in Königs Wusterhausen
: Wo Probleme liegen und was geplant ist

Um die Parkplatzsituation in der Innenstadt von Königs Wusterhausen zu entspannen, könnten mehr Menschen Rad fahren. Doch wie gut sind die Radwege? MOZ.de startet des Selbsttest.
Von
Marlene Wetzel,
Christian Heinig
Königs Wusterhausen
Jetzt in der App anhören
xx

Engstelle in Königs Wusterhausen: An der Kreuzung Eichenallee/Cottbusser Straße/Luckenwalder Straße und Schloßstraße in der Innenstadt von KW ist der Platz für Radfahrende begrenzt.

Marlene Wetzel
  • KW prüft Radwege: Parkplatzmangel am Bahnhof, mehr Radverkehr soll entlasten.
  • Mobilitätskonzept 2030: alle Ortsteile angebunden, Lücken bei Zeesen sowie Kablow–Senzig.
  • 73 Prozent „Gehweg Rad frei“ mit oft zu schmalen Wegen und wechselnder Führung.
  • SVV beschloss Maßnahmen, Stadt plant Ausbau und Abstellanlagen – abhängig von Mitteln.
  • Neues Fahrradparkhaus am Bahnhof vorgesehen, Planungen werden überarbeitet.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In der Innenstadt von Königs Wusterhausen sind kostenfreie Parkplätze ein rares Gut. Dort könnten Pendler ihr Auto abstellen, um zum Beispiel mit Zug nach Berlin zur Arbeit zu kommen. Gleiches gilt für Pendelnde, die in KW arbeiten und ihr Kfz dort parken wollen.

Und das Problem ist: Besserung ist nicht in Sicht. Nach Angaben der Stadt fehlen im Zentrum rund um den Bahnhof geeignete Flächen für weitere Parkplätze. Was also können Betroffene tun? Eine Option wäre, den Bus zu nehmen. Eine andere: aufs Fahrrad umzusteigen. Auf diese Weise ließe sich die angespannte Parkplatzsituation womöglich etwas entschärfen.

Doch dabei stellt sich zwangsläufig die Frage: Sind die Radwege in der Stadt Königs Wusterhausen denn ausreichend ausgebaut? Und wie sieht es in den einzelnen Ortsteilen von Niederlehme über Zeesen bis Deutsch Wusterhausen aus? Kann man sich dort guten Gewissens aufs Rad schwingen, um sicher auf zwei Rädern zum Bahnhof KW zu kommen?

Das wollen wir wissen. Deshalb steigen Reporterinnen und Reporter von MOZ.de in den kommenden Tagen selbst aufs Rad und testen die Radwege in der Stadt auf ihre Alltagstauglichkeit: vom Bahnhof Königs Wusterhausen über Neue Mühle und Niederlehme nach Wernsdorf, nach Deutsch-Wusterhausen und Diepensee, nach Zeesen, über Zernsdorf nach Kablow, nach Senzig und natürlich im Stadtkern.

Pendeln

Warum kommt die Bahn zu spät? Was bringt ein Tempolimit auf der Autobahn? Wir berichten über alles was Berufspendler in der Region wissen müssen.

Mobilitätskonzept 2030: Alle Ortsteile angebunden

Bevor wir losradeln, wollen wir uns aber zunächst etwas ausführlicher mit der grundsätzlichen  Radverkehrs-Situation in der Stadt beschäftigen. Fest steht zunächst: KW versteht sich selbst durchaus als Fahrrad-Stadt. Nicht umsonst nimmt Königs Wusterhausen auch in diesem Jahr wieder an der Aktion „Stadtradeln“ teil. Noch bis 18. September geht es dabei darum, gemeinsam möglichst viele Kilometer zurückzulegen. Dabei tritt auch Bürgermeisterin Michaela Wieczorek (parteilos) selbst in die Pedale.

Als wichtigste Voraussetzung für den Umstieg aufs Rad gilt eine gute Fahrradinfrastruktur. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI, die 2024 im Auftrag des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) verfasst wurde. Detaillierte Aussagen zum Zustand der Radwege in der Stadt Königs Wusterhausen lassen sich wiederum im Abschlussbericht „Mobilitätskonzept 2030“ finden, den das Planungsbüro PTV Transport Consult im Auftrag der Stadt erstellt hat. Dieser wurde im August 2025 veröffentlicht.

Dem Mobilitätskonzept 2030 zufolge sind alle Ortsteile an das Radwegenetz angeschlossen. Nur die Anbindung von Zeesen westlich der Karl-Liebknecht-Straße sei mangelhaft und es gebe keine Verbindung zwischen den Ortsteilen Kablow und Senzig. Die Erschließung von Wohngebieten, zum Beispiel an der Luckenwalder Straße und der Innenstadt, ist dem Konzept zufolge eher gering.

Gehwege mit dem Zusatz „Rad frei“ sind die häufigste Art von Radwegen in Königs Wusterhausen.

Gehwege mit dem Zusatz „Rad frei“ sind die häufigste Art von Radwegen in Königs Wusterhausen.

Marlene Wetzel

Grundsätzlich gibt es laut Konzept verschiedene Arten von Radwegen in KW. Mit 73 Prozent machen Gehwege, die für Radfahrer freigegeben sind, den größten Anteil aus. Sie erlauben Radfahrern aber lediglich, Schrittgeschwindigkeit zu fahren.

Zudem seien die Gehwege an vielen Stellen sehr schmal, was zu Konflikten zwischen Fußgängern und Radfahrern führen könne. Angezeigt wird auch, dass es überall im Stadtgebiet auf den Radrouten zu häufigen Wechseln der Radverkehrsführung und -anlagen komme. Das zwinge Radfahrende zum Queren der Straße und stelle keine einheitliche, gut verständliche Infrastruktur dar.

Ohne ersichtlichen Grund werden Radfahrer wie hier auf der Chausseestraße in Deutsch Wusterhausen auf die andere Seite geleitet. Hundert Meter weiter geht es wieder zurück.

Ohne ersichtlichen Grund werden Radfahrer wie hier auf der Chausseestraße in Deutsch Wusterhausen auf die andere Seite geleitet. Hundert Meter weiter geht es wieder zurück.

Marlene Wetzel

Als weitere Knackpunkte werden die überlasteten Fahrrad-Abstellanlagen am Bahnhof beziehungsweise das fehlende Fahrradparkhaus betrachtet.

Handlungsempfehlungen des Planungsbüros PTV Transport Consult für die KWer Radwege

  • Bedarfsgerechte Trennung von Fuß- und Radverkehrsanlagen
  • Erweiterung des ausgewiesenen Radverkehrsnetzes
  • Umsetzung der Qualitätsstandards des Radverkehrskonzeptes des Landkreises Dahme-Spreewald
  • Ausbau der Abstellanlagen an den Bahnhöfen

Punktuell gibt es laut Konzept auch „hochwertige Radverkehrsinfrastruktur“ wie die DahmeRadweg-Brücke unweit des Wasserturms von Niederlehme. Auch die Oberflächenbeschaffenheit der Wege sei überwiegend gut. Eine weitere Stärke sei die gute Beschilderung von Wegen.

Mai 2025: SVV beschließt Umsetzungen von Verkehrmaßnahmen

Noch vor der Erscheinung des Abschlussberichts zum Mobilitätskonzept hatte die Stadtverordnetenversammlung im Mai 2025 Verkehrsmaßnahmen beschlossen, die umgesetzt werden sollen. Darunter sind auch mehrere zur Verbesserung der Fahrradwege, so wie die Instandsetzung bestehender Wege, neue Abstellanlagen, radfreundliche Ampelschaltungen und die Ausweitung des Radverkehrsnetzes.

Was hat sich seither getan bzw. was tut die Stadt, um die Radweg-Situation zu verbessern? Und wie sieht es mit Problemzonen aus, die im Mobilitätskonzept benannt werden, etwa an der Luckenwalder Straße oder der Anbindung von Zeesen? Auf Nachfrage gibt dazu die Stadtverwaltung Auskunft, wenn auch zum Teil nur vage. Eine Sprecherin betont, dass es ein „fortlaufendes Radwegeausbaukonzept“ für KW gebe. Dieses liefere ein Grundgerüst zu den Prioritäten für die Ausbaubedarfe. Details zu einzelnen Ausbau-Prioritäten nennt sie allerdings nicht.

„Mittel- und langfristige Projekte werden oder sind angearbeitet, ohne dass bereits sichtbare Ergebnisse vorliegen können“, heißt es. Hier gehe es vor allem um Planungen und in seltenen Fällen auch um Grunderwerb.

Fahrrad fahren in Königs Wusterhausen - geht's gut?

Dieser Beitrag bildet den Auftakt zu einem Radwege-Test in Königs Wusterhausen.

Sind Sie auch mit dem Fahrrad in KW oder den Ortsteilen unterwegs? Was erleben sie dort, wo geht es gut voran, wo liegen Probleme? Schreiben Sie uns: marlene.wetzel@moz.de

Mittelfristig soll laut SVV-Beschluss für die Stadt KW auch ein konkretes Fuß- und Radverkehrskonzept erstellt werden. Noch steckt das Projekt aber in den Kinderschuhen. Immerhin: „Die Ausschreibung zur Erarbeitung des Fuß- und Radwegekonzepts ist weiterhin vorgesehen“, teilt die Stadt dazu mit.

Es gibt auch kurzfristige Maßnahmen. Demnach werde der bauliche Zustand aller Wege laut Stadtverwaltung in regelmäßigen Abständen geprüft. Soweit nötig, nehme man auch entsprechende Instandsetzungen vor. Abhängig sei das allerdings von zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln. Gleiches gilt für den Ausbau von Wegen.

Langfristig will die Stadt außerdem Qualitätsstandards für Radwege in KW umsetzen. Das beinhaltet auch die empfohlene, bedarfsgerechte Trennung von Fuß- und Radverkehrsanlagen. Das Problem hier: Es fehlt der Platz. Die Stadt verweist auf die geringen Gehwegbreiten, die vor allem innerorts in Teilabschnitten der Kernstadt sowie in einzelnen Ortsteilen bestehen.

Die empfohlene Breite für Gehwege mit dem Zusatzschild „Rad frei“ von mindestens 2,50 m innerorts werde größtenteils unterschritten. Die Folge sind Nutzungskonflikte zwischen Fuß- und Radverkehr, so wie auch im Mobilitätskonzept benannt. „Den unterschiedlichen Verkehrsbedürfnissen des Rad- und Fußverkehrs kann bei innerörtlichen Gehwegbreiten von unter 2,50 m oft nicht ausreichend Rechnung getragen werden“, räumt die Stadt selbst ein.

Zwischen Wernsdorf und Niederlehme haben Baumwurzeln teilweise den Belag des Weges aufgebrochen.

Zwischen Wernsdorf und Niederlehme haben Baumwurzeln teilweise den Belag des Weges aufgebrochen.

Marlene Wetzel

Exemplarisch zu nennen sei hier die Rad- und Fußverkehrssituation entlang der L30 im Ortsteil Niederlehme sowie entlang der L40 im Ortsteil Senzig. An diesen Stellen könnten Radfahrende  theoretisch zwar auch auf die Straße ausweichen. Das Befahren der Fahrbahn stelle hier aber wegen der hohen Verkehrsdichte entlang der Landes- bzw. Kreisstraße ebenfalls keine verkehrssichere Lösung dar.

Und sonst? Soll sich laut Stadtverwaltung kurzfristig in jedem Fall an den Fahrradabstellplätzen etwas ändern. Vorgesehen ist unter anderem eine „ergänzende Radbügelinfrastruktur“ am Bahnhof in Königs Wusterhausen sowie zeitnah an den vier Bahnhaltepunkten. Eine Prioritätenliste zu den Radbügelstandorten im Stadtgebiet (Verknüpfungspunkte Rad/ÖPNV) ist laut Rathaus von der Stadtverwaltung erstellt worden. Sie werde zukünftig entsprechend vom SG Tiefbau federführend umgesetzt. Mit dem Zusatz: „je nach Haushaltslage“. Bedeutet: Wenn das nötige Geld vorhanden ist.

Verbessern soll sich auch die Zahl der Abstellanlagen im Umfeld des Bahnhofs. Rund 400 Stellplätze gebe es derzeit westlich und östlich des Bahnhofs. „Der Stellplatzbedarf ist aber größer, was das Abstellen von Rädern an Geländern, Masten und weiteren Stellen zeigt“, heißt es. Für Abhilfe soll weiterhin ein neues Fahrradparkhaus sorgen. Offen ist allerdings, bis wann es realisiert werden kann. Die Idee gibt es schon länger, doch die letzten Ausschreibungen blieben erfolglos.

„Derzeit werden die Planungen überarbeitet“, teilt die Stadt mit. Anschließend soll eine neue Ausschreibung vorbereitet werden. Man prüfe derzeit ebenfalls die Optionen der Förderung. Entstehen soll das geplante Fahrradparkhaus auf der Bahnhofswestseite hinter dem Wasserturm, direkt neben dem Zugang zum Bahnsteigtunnel.

Fahrräder am Bahnhof Königs Wusterhausen

Überdacht aber zum Teil überfüllt: Die Fahrrad-Abstellanlagen am Bahnhof Königs Wusterhausen

Till Eichenauer

Radwege in Königs Wusterhausen: Der Kreis gibt Hilfestellung

Wenn es um die Entwicklung der Radinfrastruktur in Königs Wusterhausen geht, fällt der Blick zwangsläufig auch auf den Landkreis. Der hat sich mit dem „Radverkehrskonzept 2030“ bereits einen Plan zurechtgelegt. Das Ziel: ein zusammenhängendes Radverkehrskonzept im gesamten Landkreis Dahme-Spreewald zu entwickeln, Radfahren attraktiv zu machen und den Radverkehrsanteil im Landkreis zu erhöhen.

Darin wurden auch die im KWer Mobilitätskonzept 2030 benannten Qualitätsstandards für Radwege  und „Maßnahmeableitungen“ für die Kommunen formuliert. Diese sollen die Kommunen befähigen, ihre Radverkehrsinfrastruktur selbstständig zu prüfen, Lösungsansätze zu erarbeiten und Mängel zu beseitigen.

In Königs Wusterhausen wurden die Ideen des Kreises laut Sprecherin Ursula Schlecht bereits genutzt. Ergebnis: der Radweg nach Wildau und die temporäre Waldbefestigung zwischen Senzig und Bindow. Mit dem Kreisstrukturfonds haben Kommunen ferner die Möglichkeit, Gelder zur Umsetzung von Radwegen zu beantragen.