Hund in Neuruppin
: Nach Drama um Windhund Mercy – Happy End in der Kälte

Hündin Mercy ist in Neuruppin Silvester 2023 verschwunden. Jetzt gibt es endlich gute Nachrichten. Die Rettungsaktion war voller Herausforderungen und emotionaler Momente.
Von
Jens Karraß
Neuruppin
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Mercy ist drei Jahre alt und ein „Angsthund“ aus der Tierrettung. Die Hündin ist in Neuruppin Silvester 2023 verschwunden – nach der Begegnung mit einer Kuh. Jetzt gibt es endlich ein Happy End.

Tilo Kretzschmar

Die ganze Region um Neuruppin war von der verzweifelten Suche nach dem Windhund Mercy in einer Mischung aus Sorge und Mitgefühl ergriffen. Die Menschen verfolgten die Fortschritte und Rückschläge, die diese Suchaktion begleiteten. Die Windhündin verschwand an Silvester 2023 in Neuruppin – nach einer Begegnung mit einer Kuh. Jetzt gibt es endlich gute Nachrichten.

Die groß angelegte Suchaktion, die von Besitzer Tilo Kretzschmar und vielen engagierten Helfern initiiert wurde, brachte die Gemeinde dazu, sich in einem solidarischen Einsatz für das Wohl des vermissten Hundes einzusetzen. Doch nicht immer gelang diese Hilfe.

Bemühungen in Neuruppin erschwert durch gut gemeinte Hilfe

Die Hündin wurde nach ihrem Verschwinden einige Male gesichtet. Sie nahm auch das angebotene Futter an – doch eine Zurückführung nach Hause blieb lange erfolglos. Tilo Kretzschmar musste einen emotionalen Appell an die Bevölkerung richten, Sichtungen nicht öffentlich in sozialen Netzwerken zu teilen. Der Grund: Die verängstigte Mercy wurde offenbar immer wieder von hilfsbereiten Menschen in die Flucht geschlagen.

Die Situation verschärfte sich durch Fremdfütterung, Verfolgung und eine bevorstehende Treibjagd. Sicherungen mussten immer wieder neu vorbereitet und an den jeweiligen Standort von Mercy sowie an die dortigen Bedingungen angepasst werden. „Es gab zuletzt eine günstige Lage. Sie war abgelegen und es befanden sich dort Strohballen, die Mercy als Rückzugsort dienten“, sagt Tilo Kretzschmar.

Sommer 2023: Tilo Kretzschmar und seine Mercy. Die Windhündin verschwand an Silvester 2023 in Neuruppin - nach einer Begegnung mit einer Kuh.

Tilo Kretzschmar

Dort begann das Team mit der Vorbereitung des nächsten Sicherungsversuchs und arbeitete tagelang intensiv daran, während die Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde. Das Team erhielt Unterstützung vom Eigentümer der Fläche. Mercy wurde ständig über Kameras und eine Wärmebilddrohne überwacht.

Obwohl das Team ursprünglich plante, die Hündin in Ruhe auf die Sicherung vorzubereiten, entschieden sie sich aufgrund der Witterung, des erneuten Kälteeinbruchs und des Schnees, nicht länger zu warten. Mercy war bereits seit über zwei Wochen allein in der Kälte unterwegs, als die Lebendfalle für ihren Einsatz vorbereitet wurde.

Dann war es so weit: Am 16. Tag ihres Verschwindens akzeptierte Mercy die Lebendfalle und konnte nachts um 23.30 Uhr gerettet werden. „Bei der Sicherung war Mercy ganz ruhig und empfänglich für die Hilfe. Sie suchte Kontakt zu mir und wirkte dankbar und erleichtert“, sagt Tilo Kretzschmar. „Die Emotionen, Freude, Euphorie, Erschöpfung, überwältigten uns.“

Mercy ist nach 16 Tagen wieder zu Hause. Ihr geht es gut. Was würde sie erzählen, wenn sie könnte? Ein Märchen wurde wahr.

Tilo Kretzschmar

Erholung von Hündin Mercy hat oberste Priorität

Die tierärztliche Versorgung von Mercy hat nun oberste Priorität. Der Besitzer ist sich noch unsicher über die entstehenden Kosten. Die erste Untersuchung ergab jedoch keine Auffälligkeiten, weder innerlich noch äußerlich. Es wird empfohlen, dass Mercy sich bis zum Folgetermin ausruht und erholt.

Allerdings benötigen nicht nur die dreijährige Windhündin, sondern auch ihr Besitzer Kretzschmar und sein großes Helferteam Ruhe und Zeit zur Verarbeitung. Zunächst steht jedoch die Nachbereitung der 16 Tage an. Hierbei müssen Technik und Equipment gereinigt und übergeben werden. Außerdem sollen Danksagungen an alle Unterstützer verteilt werden.

Dank an vielfältige Unterstützung

Man kann erahnen, wie groß die Unterstützung während der langen Suche nach Mercy war, wenn man nur einige der Helfer aufzählt: Steffi und Thomas Zickerick aus Werder haben Erfahrung in der Rehkitzrettung und unterstützten mit einer Wärmebilddrohne. Die Wildtierrettung Wandlitz stellte eine Lebendfalle bereit. Robert Goldbach sorgte vor Ort für professionelle Betreuung und Hilfe bei der Tierrettung und -sicherung. Tina Kowalow aus Neuruppin übernahm die Organisation, Koordination und Kommunikation. Das Tierheim Herzsprung, der Tierschutz OPR und Tina Schoeppe vom Helfernetzwerk unterstützen mit Flyern und Online-Aufrufen.

Kretzschmar berichtet von großer Anteilnahme. Menschen aus ganz Deutschland hätten mitgefiebert und durch einen Spendenaufruf die Helferinnen und Helfer sowie ihn selbst mit Geldspenden und mental unterstützt. Tilo Kretzschmar ist einfach überglücklich und sagt: „Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis ich das alles verarbeitet habe und begreife, was in den letzten Tagen passiert ist.“