A24 bei Kremmen und Fehrbellin: Test für drei Spuren Richtung Ostsee und Berlin startet

Nadelöhr: Auf der A24 kommt es bei hohem Verkehrsaufkommen immer wieder zum Stau.
Tilman TrebsMehrfach angekündigt, aber immer wieder verschoben. Doch jetzt ist es soweit. Am Montag, 29. Januar, gibt es eine Premiere in Brandenburg. Erstmals geht auf einer Autobahn im Land eine Verkehrsbeeinflussungsanlage in Betrieb. Sie reagiert auf das Verkehrsaufkommen und kann für jede Richtung den Standstreifen als Fahrspur zusätzlich freigeben. Das hat besonders an verkehrsstarken Tagen viele Vorteile.
Der Probebetrieb der elektronischen Schilderbrücken auf der A24 steht also unmittelbar bevor. Ab Montag, 29. Januar, sollen Verkehrsteilnehmer auf der A24 zwischen Kremmen und Fehrbellin achtsamer fahren, weil dann erstmals die Displays an der Strecke in Aktion sehen sein werden. Das rät die Autobahn GmbH des Bundes in einer Mitteilung von Freitag, 26. Januar.
Ohne Stau zur Ostsee?
Über Monitore wird angezeigt, ob der Standstreifen mitgenutzt werden kann, damit es bei einem hohen Verkehrsaufkommen trotzdem noch relativ gut weitergeht. „Unser Ziel ist es immer, eine sichere und zügige Fahrt auf unseren Autobahnen zu gewährleisten. Auch mit modernster Technik“, so Ronald Normann, Direktor der Niederlassung Nordost der Autobahn GmbH des Bundes in Stolpe. Diese ist zuständig für die Verkehrssteuerung auf dem Teilstück der A24, das von der privaten Projektgesellschaft Havellandautobahn gebaut und Ende 2022 endgültig fertiggestellt wurde.
80 Kameras am Straßenrand
Gebaut wurde die Überwachungs- und Steuerungstechnik aber von der Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH). Hierfür hat die Gesellschaft unter anderem 80 Videokameras, zahlreiche Erfassungssensoren in der Fahrbahn und eine Steuerungssoftware installiert. Die umfassende Technik an dem 16 Kilometer langen Teilstück ist notwendig, denn nur so kann die Autobahn GmbH sicher steuern, ob der Standstreifen zu den zwei normalen Fahrspuren bei Bedarf als dritte Fahrspur mitbenutzt werden kann. „Gerade in den Sommermonaten wird so für viele Verkehrsteilenehmer ein entspannteres Reisen möglich“, sagt Niederlassungsleiter Normann. Gut 6,8 Millionen Euro hat der Bund dafür investiert (Stand Sommer 2023).
Testphase mehrfach verschoben
Der von der Deges schon im vergangene Jahr in Aussicht gestellte Testbetrieb musste mehrfach verschoben werden, teilte Ralf Brodel, Sprecher der Autobahn GmbH in Stolpe, mit. Grund waren Softwareanpassungen und fehlende Integrationsstellen. Gerade diese seien aber der Schlüssel für den sicheren Betrieb der Anlage. Ronald Normann: „Nur auf der Grundlage der absolut sicheren Echtzeitübermittlung aller Daten, können die Standstreifen zu temporären Fahrstreifen freigegeben werden. Dies wird gesteuert über die Verkehrsrechnerzentrale Berlin/Brandenburg in Stolpe.“
Zunächst gibt es eine Testphase. Vom 29. Januar bis zum 25. Februar wird ein Testbetrieb laufen. „In dieser Zeit wird das System auf Herz und Nieren geprüft. Damit wird die Autobahn GmbH in die Lage versetzt, sämtliche Auswirkungen auf den Verkehrsfluss zu beobachten und zu analysieren“, erläutert Sprecher Ralf Brodel. Danach wird entschieden, ob die von der Deges betreute Anlage dauerhaft in Betrieb gehen kann.

Beim Aufbau der Video-Anlage an der A24 wurden die Geräte bereits ein erstes Mal getestet. Der Probebetrieb in Echtzeit beginnt jetzt.
DegesVor dem Ausbau der Autobahn war genau dieses 16 Kilometer lange Teilstück, auf dem es keine weitere Auf- und Zufahrt gibt, anfällig für Staus. Besonders an langen Wochenende mit Brückentagen, in den Ferien und im Sommer kam es selbst durch kleinere Unfälle zu erheblichen Beeinträchtigungen und langen Wartezeiten. Manchmal reichte schon ein hohes Verkehrsaufkommen für den Stillstand auf dem Weg zur Ostsee oder zurück. Das soll nun durch die Option, einen dritten Fahrstreifen per Mausklick zeitweise freigegeben zu können, verhindert werden.
Diese Entscheidung für diese Variante hat zum Beginn des Ausbaus der A24 der Landrat von Ostprignitz-Ruppin kritisiert. Ralf Reinhardt (SPD) forderte damals vom Bund, dass die Autobahn vom Dreieck Pankow und bis zur Abfahrt Neuruppin sechs Fahrspuren bekommt – so wie im ursprünglichen Planfeststellungsverfahren vorgesehen. Er befürchtete bei Fehrbellin einen „Flaschenhals“ auf der A24. Weil der Bund aber ein sinkendes Verkehrsaufkommen prognostizierte, ließ dieser nur vier Spuren zuzüglich Standstreifen ausbauen, der auf besagtem Teilstück bei Bedarf auch als Fahrspur genutzt werden kann. Eine Petition zum sechsspurigen Ausbau der A24 scheiterte ebenfalls.


