Bier in Hohen Neuendorf
: Streit um neuen Biergarten am Wasserturm

Diskussionen um eine gastronomische Nutzung des denkmalgeschützten Wasserturms sorgen für Aufregung in Hohen Neuendorf. Wovor die Gegner eines Biergartens warnen.
Von
Jürgen Liebezeit
Hohen Neuendorf
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Biergarten: ARCHIV - 07.06.2014, Bayern, München: Zwei Personen prosten sich in einem Biergarten mit zwei Maßkrügen zu. (zu dpa: «Guter August für das bayerische Gastgewerbe») Foto: Marc Müller/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Prost in Hohen Neuendorf: In der Stadt wird kontrovers diskutiert, ob am Wasserturm ein Biergarten (Symbolbild) öffnen soll.

Marc Müller/dpa
  • Diskussion über Biergarten am Wasserturm in Hohen Neuendorf entfacht.
  • Fraktion Linke/Stadtverein schlägt gastronomische Nutzung vor.
  • CDU und andere Parteien sehen mögliche Konkurrenz zur Stadtbar.
  • Mehrheitlich abgelehnt, keine Debatte im Fachausschuss.
  • Stadtbar am Rathaus soll im späten Frühjahr starten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In Hohen Neuendorf ist ein Streit um das nächste Gastronomie-Projekt in der Stadt entbrannt. Während die Bar-Pläne am Rathaus fast nur Befürworter finden, hat die Idee, am denkmalgeschützten Wasserturm im Sommer einen Biergarten zu etablieren, auch Gegner.

Es ist nicht der erste Versuch, dem Wahrzeichen der Stadt neues Leben einzuhauchen. Projekte wie ein Aussichtsturm, eine Bibliothek und ein Café waren schon im Gespräch, sind aber allesamt gescheitert. Jetzt gibt es einen neuen Anlauf.

Was ist Berlin funktioniert, kann doch auch in Hohen Neuendorf klappen. Das haben sich die Mitglieder der Fraktion Linke/Stadtverein wohl gedacht und folgenden Antrag zur jüngsten Stadtverordnetenversammlung eingebracht.

Markanter Turm ist Wahrzeichen von Hohen Neuendorf

Die Stadtverwaltung soll beauftragt werden, „Möglichkeiten zur Nutzung der Erdgeschosszone des Wasserturms mit einer gastronomischen Einrichtung“ zu untersuchen. „Ziel soll es sein, den Bereich der Rotunde in einer Holzbauweise wiederherzustellen und durch eine gastronomische Einrichtung wie zum Beispiel einen Biergarten insbesondere in den Sommermonaten zu nutzen“, erklärte Klaus-Dieter Hartung (Linke).

Das markante Bauwerk wurde in den 1990er-Jahren mit erheblichen Mitteln der Stadt Hohen Neuendorf gesichert. „Bisher kann es allerdings nur als Standort für den Mobilfunk genutzt werden“, heißt es in dem schriftlichen Antrag. Bei mehreren Veranstaltungen in den vergangenen Jahren seien aber die Attraktivität des Standortes und die Annahme durch die Einwohner unter Beweis gestellt worden, warb Hartung für die Idee.

Die Umgebung des Wasserturms ist nicht bebaut und wird gelegentlich für Veranstaltungen genutzt. Im direkten Umfeld soll das auch so bleiben. Ein Bebauungsplan würde aber das angrenzende Kirchenfeld umfassen.

Weihnachtsmarkt von oben
Hohen Neuendorf
Drohne Ingo Pahl
181203

verwendet 13.10. 21 für den Artikel zumEinheimischenmodell

Temporäre Nutzung für den Park am Wasserturm in Hohen Neuendorf haben in der Vergangenheit funktioniert. So fanden dort bereits Weihnachtsmärkte (Foto) und Konzerte des Kulturkreises statt. Nun ist ein Biergarten im Gespräch.

Ingo Pahl (Archiv)

Hohe Investitionskosten sind seiner Einschätzung nach nicht notwendig. Es gebe vor Ort Anschlüsse für Wasser, Abwasser und Strom. Und die Fläche für die Bierbänke und Tische rund um den Turm sei bereits befestigt.

Befürworter und Kritiker beim Bier-Projekt in Hohen Neuendorf

Doch die bayerische Vision für Hohen Neuendorf stieß bei mehreren Stadtpolitikern nicht auf Wohlwollen. So will die CDU keine Konkurrenz für die geplante Stadtbar am Rathaus schaffen. „Das ist kontraproduktiv“, erläuterte Stefan Reichel (CDU) die Position seiner Fraktion. Er drehte den Zapfhahn aber nicht für immer zu. „In zwei Jahren könnte man noch mal darüber nachdenken.“

Einzelkandidat Michael Gerlach (Fraktion Gerlach/FDP/Tierschutzpartei/BSW/Zimmermann) kann sich dagegen durchaus vorstellen, im Schatten des Wasserturms ein Hefeweizen zu genießen und sprach sich für eine Prüfung aus. „Vielleicht findet sich ja jemand, der eine gute Idee hat und die Stadtbar ergänzt“, sagte er. „Das macht unsere Stadt vielfältiger.“ Fraktionskollege Marco Zimmermann ergänzte: „Wenn wir die Möglichkeit für einen Biergarten am Wasserturm schaffen oder zumindest einen Kostenrahmen nennen, findet sich auch jemand, der sich das zutraut“, zeigte er sich überzeugt von der Idee.

Das Wahrzeichen Wasserturm

Der denkmalgeschützte Stahlbetonbau ist das Wahrzeichen der Stadt.

Seit 1914 steht der Wasserturm in Hohen Neuendorf.

Architekt war Albert Gottheiner. Er entwarf auch das Wasserwerk, in dem heute der Jugendclub untergebracht ist. Nach ihm ist auch eine Straße in der Stadt benannt.

Heute hat der Wasserturm keine Funktion. Unter dem Dach sind allerdings Antennen für den Mobilfunk angebracht.  Außerdem brüten im Sommer Turmfalken in Nistkästen am Wasserturm.

Ein kühles Blondes im Schatten des Wasserturms genießen - das können sich viele Hohen Neuendorfer vorstellen. Doch diese sympathische Idee findet nicht nur Befürworter.

Ein kühles Blondes im Schatten des Wasserturms genießen? Das können sich viele Hohen Neuendorfer vorstellen. Doch diese Idee findet nicht nur Sympathie und Befürworter, sondern auch Gegner.

Jürgen Liebezeit

Dr. Raimund Weiland (CDU) sieht aktuell für das Thema keinen Handlungsbedarf im Rathaus. „Wenn es jemanden gibt, der sich dort solch ein Projekt vorstellen kann und am Wasserturm investieren will, kann das geprüft werden. Vorher aber nicht“, lehnte er dagegen den Vorschlag ab. Er sieht für den Standort auch wenig Chancen. „Die Lage ist einfach schlecht.“

Stadt will zuerst potenziellen Betreiber für Biergarten sehen

Auch Thomas von Gizycki (B90/Grüne) schloss sich dieser Position an. „Wir sollten nicht erst planen und dann keinen finden“, warnte er. Diesen Ansatz favorisiert auch die Stadtverwaltung. „Wenn Sie einen Betreiber haben, dann können wir es gerne weiterverfolgen“, schlug Roland Luchterhand vom Bauamt vor.

Diesen Spielball nahm Antragsteller Klaus-Dieter Hartung auf: „Ich werde einen finden, der Interesse hat, dort einen Biergarten oder ein Café aufzumachen“, kündigte er an. Das muss er auch. Denn der Antrag seiner Fraktion wurde von den Stadtverordneten mehrheitlich abgelehnt (5 Ja-, 10 Nein-Stimmen, 5 Enthaltungen). Vorerst findet deshalb dazu auch keine Debatte im Fachausschuss statt.

Die Vorbereitungen für die Stadtbar am Rathaus, für die immer noch ein Name gesucht wird, laufen dagegen weiter. Start ist für das späte Frühjahr geplant. Vorgesehen ist, dass freitags und samstags am Abend Gastronomen und Weinhändler aus der Stadt sich wochenweise als Betreiber abwechseln.

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