CSD in Oranienburg 2025: Demo am Schloss – was Merz und Klöckner damit zu tun haben

Der CSD Oberhavel findet erneut in Oranienburg statt. Der Veranstalter spricht über die Notwendigkeit der politischen Demonstration – und warum die Party zweitrangig ist.
Karsten Schirmer- CSD Oranienburg am 27. September 2025 als politische Demo unter dem Motto „Sicher leben – sichtbar lieben“.
- Veranstalter betont gestiegene Gewalt gegen Queers und kritisiert CDU-Äußerungen von Merz und Klöckner.
- Rund 1800 queerfeindliche Straftaten 2024, laut Bundeskriminalamt – deutlicher Anstieg seit 2020.
- CSD-Initiative erhält „Band für Mut und Verständigung“ für ihr Engagement, Verleihung im November.
- Kundgebung, Demonstration und Festival am Schloss und Oranienwerk – keine Bürgermeisterreden erlaubt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Candy Boldt-Händel hofft auf mehr als 1000 Menschen, die sich am dritten Christopher Street Day (CSD) in Oranienburg beteiligen. Für den Initiator steht die politische Ausrichtung im Vordergrund. Besonders nach Aussagen von Bundeskanzler Merz und Bundestagspräsidentin Klöckner (beide CDU) sowie einem verzeichneten Anstieg der Gewalt gegen queere Menschen sei das notwendig.
„Sicher leben – sichtbar lieben“ ist das Motto des diesjährigen CSD. Candy Boldt-Händel, Kopf der CSD-Initiative, erinnert sich an Zeiten, in denen so ein Motto vielleicht nicht notwendig gewesen war. Als er sich keine Gedanken machen musste, wie sicher die Fahrt zu einem CSD und der Rückweg nach Hause sind. „Ja, man wurde in der Bahn mal angepöbelt“, sagt er. „Aber das war es meist auch.“
Queeres Leben als Angriffsziel von rechten Gruppen
Er will damalige Übergriffe und Gewalt nicht verharmlosen. Beides gab es natürlich. Doch die Schlagzahl und Bedrohungslage haben neue Dimensionen erreicht. Queeres Leben, Diversität und der Begriff „woke“ sind zum Angriffsziel – und politischen Ablenkungsmanöver – rechter und konservativer Gruppen geworden.
„Heute müssen wir auf einem CSD Durchsagen machen, dass niemand alleine nach Hause gehen soll“, so Boldt-Händel. Queere Menschen müssten sich fragen, wie sie unbeschadet und ohne verbale sowie körperliche Angriffe nach Hause kommen. „Das gab es früher in der Form nicht. Aber die Gefahr ist leider wieder real geworden.“
2025 feierte Deutschland so viele CSDs wie nie zuvor. Fast jeder dritte wurde jedoch gestört, hat die gemeinnützige Amadeu Antonio Stiftung, die den Oranienburger CSD fördert, nachgerechnet. Es gab Bedrohungen, Störaktionen, rechtsextreme Proteste, Angriffe und Gewalt. Wie in Bad Freienwalde, als Vermummte die Demonstrationen stürmten, oder in Bernau mit einer Neonazi-Gegendemo.
In Oranienburg hatte 2024 ebenfalls eine (kleine) rechte Gegendemonstration für Unruhe gesorgt. Noch sei keine Gegenveranstaltung angekündigt, so Boldt-Händel. „Doch das ist sicher nur eine Frage der Zeit.“ Ihm sei wichtig, sichtbar zu bleiben, nicht zurückzuschrecken. „Wir wollen zeigen, dass der CSD gegen niemanden ist, sondern für etwas eintritt.“
Für ein Leben ohne Angst und in Sicherheit, egal, wer wen liebt. Die große Party sei nicht der Fokus. Ihm ist das Gedenken an den Stonewall-Aufstand 1969 wichtig, einem Wendepunkt im Kampf für die Rechte marginalisierter Gruppen.

Candy Boldt-Händel ist der Organsiator vom CSD in Oranienburg und Kopf hinter der Initiative CSD Oberhavel. Für ihn ist der CSD weniger eine Party als eine politische Demonstration.
Karsten SchirmerGerade aktuelle Äußerungen von Spitzenpolitikern stimmen ihn dabei nachdenklich oder machen ihn sogar wütend. So hat sich Bundeskanzler Friedrich Merz mit dem Spruch „Der Bundestag ist kein Zirkuszelt“ hinter Bundestagspräsidentin Julia Klöckner gestellt, die sich gegen die Hissung der Regenbogenflagge am Reichstagsgebäude zum Berliner CSD ausgesprochen hatte. Beide Aussagen riefen bundesweit Empörung hervor.
Rückschritt für queere Menschen befürchtet
Für Candy Boldt-Händel – den CSD organisiert er privat, politisch ist er Co-Vorsitzender der Linken in Oberhavel – kommen sie und die anschließende Debatte einem weiteren Rückschritt im Kampf um Vielfalt und Akzeptanz gleich. Durch solche Aussage werde legitimiert, wieder offen über queere Menschen als Clowns in einem Zirkuszelt zu lachen – manchmal, wie im Bundestag, unter dem Deckmantel vermeintlicher Neutralitätspflichten. „Und Worte führen zu Taten, wie wir wissen.“
Die Kriminalstatistik bestätigt das. Queerfeindliche Straftaten nehmen seit Jahren zu. Zahlen des Bundeskriminalamtes belegen das. So gab es im Jahr 2020 rund 580 erfasste Fälle, 2022 waren es über 1000, und im Jahr 2024 knapp 1800 polizeilich erfasste Straf- und Gewalttagen gegen die sexuelle Orientierung.
Der CSD beginnt am 27. September um 13 Uhr direkt vor dem Bahnhof Oranienburg. Eine halbe Stunde später werden erste kurze Reden gehalten, bevor sich zu 14 Uhr der Demonstrationszug über die Bernauer Straße Richtung Schloss bewegt. Die Kundgebung startet um 14.30 Uhr auf dem Schlossplatz. „Bis dahin sind auch die Hochzeiten vor dem Schloss durch“, so Boldt-Händel. Die Absprachen mit der Stadt beschreibt er als „herrliches Miteinander“.
Parallel veranstaltet die TKO an diesem Tag den Regionalmarkt im Schlosspark, auf dem Schlossplatz präsentiert die Elektromobilitätsmesse Emotion E-Autos und Innovationen. „Mit der Emotion haben wir einen Konsens gefunden“, so Boldt-Händel. „Wir als CSD nutzen die Seite an der Havel, wir dürfen sogar die Dabag-Bühne nutzen“, freut er sich über die Bereitschaft der Messebetreiber von Dabag, ihnen die Bühne kostenlos zur Verfügung zu stellen. „Die Gespräche mit Dabag waren sehr wohlwollend. Hier drängt wirklich niemand jemanden weg.“
Eine Stunde soll die Kundgebung dauern. Untersagt wurden Reden der Kandidierenden für die Bürgermeisterwahl in Oranienburg. Die Stadt wählt einen Tag später (28. September). Um sich unangreifbar zu machen, hat der CSD in diesem Jahr auf Förderung von der Stadt Oranienburg verzichtet, so Boldt-Händel. Amtsinhaber Alexander Laesicke (parteilos) tritt erneut an. „Wir wollen nicht Teil der politischen Debatte sein.“ Deshalb gibt es auch kein Sponsoring.
Hohe Auszeichnung für CSD-Initiative in Oranienburg
Mit beim CSD dabei sind unter anderem die QuerChorallen aus Berlin, ein schwul-lesbisch-queerer Chor. Die Schirmherrschaft hat die Berliner Pop-Punk-Elektro-Band „The Toten Crackhuren im Kofferraum“ übernommen. Nach der Kundgebung zieht die Demo weiter zum Oranienwerk, wo ein Team engagierter Menschen als „Oberhavel ist bunt“ ein kleines Festival auf die Beine stellt.
Die CSD-Initiative ist ein Zweimannbetrieb, bestehend aus Candy Boldt-Händel und seinem Mann. Großer Unterstützer ist der Kreisjugendring. Das Engagement zahlt sich jetzt aus, wenn auch nicht finanziell. Wie Boldt-Händel verrät, wird die Initiative in diesem Jahr mit dem „Band für Mut und Verständigung“ ausgezeichnet, eine der höchsten Auszeichnungen für ehrenamtliche Arbeit in Berlin und Brandenburg. Im November findet die Verleihung statt. „Eine schöne Wertschätzung unserer Arbeit“, so Boldt-Händel.


