Gesundheit
: Asklepios Klinik Birkenwerder räumt Station für Corona-Patienten frei

Der Geschäftsführer kritisiert den Entwurf des Entlastungsgesetzes für Krankenhäuser. Er befürchtet zahlreiche Konkurse in der Branche.
Von
Jürgen Liebezeit
Birkenwerder
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  • Jeder Besucher wird in der Eingangshalle der Asklepios Klinik auf Symptome getestet. Unser Bild zeigt Schwester Pamela Krieger, die bei der Mitarbeiterin Janita Schablin Fieber misst.

    Jeder Besucher wird in der Eingangshalle der Asklepios Klinik auf Symptome getestet. Unser Bild zeigt Schwester Pamela Krieger, die bei der Mitarbeiterin Janita Schablin Fieber misst.

    Asklepios Klinik
  • Die Asklepios Klinik Birkenwerder aus der Vogelperspektive

    Die Asklepios Klinik Birkenwerder aus der Vogelperspektive

    Archiv-Foto: Klinik
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Entsprechend enttäuscht reagierte Lenz auf den ersten Entwurf des Gesetzes zur Unterstützung der Krankenhäuser, das diese Woche im Eilverfahren den Bundestag und den Bundesrat passieren soll. Trotz erster Nachbesserungen am Wochenende durch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist Guido Lenz unzufrieden mit den Vorschlägen, die seiner Meinung nach die Existenz zahlreicher Häuser extrem gefährden.

Defizit bei Intensivbetten

„Die Nachbesserungen sind besser als der erste Vorschlag, machen mich aber nicht glücklich“, so Lenz, der das an einem Beispiel deutlich macht. So sollte ein freies Intensivbett zunächst mit 30 000 Euro gefördert werden. Im zweiten Entwurf wurden dann 50 000 Euro in Aussicht gestellt. „Tatsächlich kostet uns ein Intensivbett aber 86 000 Euro“, sagt Lenz. Er fordert die Politik auf, den Krankenhäusern das zur Verfügung zu stellen, was gebraucht wird. „Covid-Patienten lassen sich nicht zwischen zwei Bürokratieblätter pressen“, so Lenz, der moniert, dass auf die „vollmundigen Versprechen in Talkshows keine Taten folgen“. „Wir stehen voll vermummt an der Front und werden alleine gelassen.“ Er vermisst das Vertrauen in seine Branche. „Es gibt keine goldenen Löffel zu verdienen, weil Corona ausgebrochen ist.“ Auch die Rehabilitations-Kliniken werden nach Ansicht von Lenz in Stich gelassen. „Weil wir nicht mehr operieren, fehlen dort die Patienten.“ Dafür gebe es keine Kompensation. „Diese Häuser werden schließen müssen“, prophezeit der Geschäftsführer, der sich mehr Rückendeckung in der Krise wünscht.

Zugang eingeschränkt

Die Klinik in Birkenwerder hat inzwischen den Zugang zum Gebäude eingeschränkt. Zurzeit ist nur der Haupteingang geöffnet. Dort werden Besucher ausführlich nach ihrem Gesundheitszustand befragt. Zudem wird Fieber gemessen. Das übernimmt eine mit Maske geschützte Pflegekraft. „Wir wollen damit unsere Patienten und unser Personal schützen“, erklärt der Geschäftsführer. Offenbar mit Erfolg. Seinen Angaben zufolge gibt es in seinem Haus keinen erhöhten Krankenstand beim Personal. Er räumt aber ein, angesichts der unterschiedlichen Inkubationszeit keinen 100-prozentigen Schutz gewährleisten zu können.

Hoher Materialverbrauch

Bei der Besorgung von Schutzmaterial beginnt für die Verwaltung der Asklepios Klinik das nächste Problem. „Wir müssen zu völlig überteuerten Preisen Schutzausrüstung kaufen“, berichtet Lenz von den Beschaffungsproblemen, vor denen zurzeit wohl jedes Krankenhaus und jeder Hausarzt stehen. Während vor der Corona-Krise eine Gesichtsmaske für 3,50 Euro gekauft werden konnte, werden heute nach Angaben von Lenz bis zu 25 Euro pro Stück verlangt. „Nach zwei Stunden sind die Masken feucht und müssen ausgetauscht werden.“ Im überarbeiteten Gesetzentwurf von Spahn soll zunächst ein Zuschlag je Patient in Höhe von 50 Euro gezahlt werden, mit der die höheren Aufwendungen bei der Materialbeschaffung abgegolten werden. „Das reicht vorne und hinten nicht“, kritisiert Lenz. Bei den aktuellen Preisen sei die Material-Pauschale nach wenigen Stunden aufgebraucht.

Das Gesundheitsamt in Oranienburg schickt auch Patienten nach Birkenwerder, die auf das Virus getestet werden sollen. „Der Abstrich wird vor dem Gebäude genommen“, schildert Lenz das Vorgehen. Die Tests könnten aber nicht auf eigenen Wunsch vorgenommen werden, bittet Lenz, das vorgeschriebene Prozedere einzuhalten. „Sie stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung“, sagt er zur Begründung.

Anstrengende Vollschutz-Arbeit

Hausintern wird derzeit überlegt, wie das Personal eingesetzt werden kann. „Wir haben zunächst überlegt, 12-Stunden-Schichten einzuführen“, so Lenz. Das sei den Pflegekräften angesichts des erhöhten körperlichen Aufwands kaum zuzumuten. „Das Arbeiten unter Vollschutz ist sehr anstrengend“, erklärt Lenz. Deshalb werde die Klinik mit einem anderen Stundenmodell arbeiten. Details dazu seien aber noch nicht festgelegt.

Dem ersten Corona-Patienten geht es gut

Der erste Corona-Patient in Brandenburg – ein 51-jähriger Mann aus Hohen Neuendorf – ist am 2. März aus personellen Gründen von der Asklepios Klinik abgewiesen und ins Hennigsdorfer Krankenhaus gebracht worden.

In der Klinik war zu der Zeit nur ein Intensivmediziner im Krankenhaus, der acht Beatmungspatienten betreute.

Um die Patienten und das Personal in der Klinik vor einer möglichen Ansteckung zu schützen, sei der Hohen Neuendorfer an die Rettungsstelle in Hennigsdorf verwiesen worden, erklärte Asklepios-Geschäftsführer Guido Lenz.

Der Mann, der zuvor in Südtirol in Skiurlaub war, wurde positiv auf den neuartigen Erreger getestet.

Er und seine Frau mussten für 14 Tage in häusliche Isolation. Dem Mann geht es nach Angaben des Oranienburger Landratsamtes gut. Weitere Details wurden nicht genannt.⇥zeit