Landtagswahl: Selbstbewusster Wahlkampf

Will für die CDU in den Landtag: Nicole Walter-Mundt ist nach dem erfolgreichen Abschneiden bei der Kommunalwahl selbstbewusst.
Klaus D. GroteEigentlich braucht diese Beschreibung von Nicole Walter-Mundt kein Foto. Die Landtagskandidatin der CDU im Wahlkreis 9 (Oranienburg, Leegebruch, Liebenwalde) scheint allgegenwärtig und bestens bekannt, die vielen Wahlplakate der 42-Jährigen sind unübersehbar. „Ist sie das?“, tuscheln zwei ältere Damen, als sie die leibhaftige Kandidatin auf der Straße erkennen. Nicole Walter-Mundt mag das, geht aber demonstrativ gelassen damit um.
Der Wahlkampf der verheirateten Mutter zweier Söhne ist sehr professionell und wohl so aufwändig wie von keinem anderen Kandidaten. Sie hat unterschiedliche Plakate und Flyer drucken, Basecaps mit ihren Initialen und Poloshirts mit ihrem Namen besticken lassen. Sie geht auf Feuerwehrfeste im Wahlkreis, besucht Menschen zu Hause, die auf Hilfe bei Problemen hoffen, und sie steht mit ihren Mitstreitern früh morgens vorm Bahnhof und verteilt Präsente an eilige Pendler. "Ich kümmere mich“, will sie selbst denen sagen, die sie nicht gerufen haben.
Sie mache seit ihrer Nominierung vor einem Jahr Wahlkampf, sagt Nicole Walter-Mundt. „Natürlich will ich unbedingt in den Landtag.“ Zwischenzeitlich sah es so aus, als ob die Oranienburgerin sich dafür gar nicht viel anstrengen müsste. Die CDU-Umfrageergebnisse sind zwischenzeitlich aber schlechter geworden. Und CDU-Spitzenkandidat Ingo Senftleben wollte vor allem Frauen auf die vorderen Plätze derCDU-Landesliste setzen und dafür Oberhavels Kreischef Frank Bommert mit einem aussichtslosen Listenplatz abspeisen. Ein strategischer Fehler, räumt Walter-Mundt ein. Man könne den starken Landkreis so nicht übergehen. Bommert sorgte mit seinem Netzwerk dafür, dass die Liste über den Haufen geworfen wurde und nahm dafür in Kauf, dass der Spitzenkandidat blamiert dastand. Nicole Walter-Mundt war dennoch zufrieden. Sie sei als Neuling für den 16. Listenplatz sehr dankbar, sagt sie. Für die Platzierung hatte sie sich erst im dritten Wahlgang durchgesetzt. Ihr Ziel sei es ohnehin, das Direktmandat im Wahlkreis zu gewinnen. Das hatte vor fünf Jahren Björn Lüttmann für die SPD geholt. Walter-Mundt sieht sich nun eher in einem Zweikampf mit dem AfD-Kandidaten.
Stimmensiegerin der CDU
Selbstbewusst kann Nicole Walter-Mundt sein nach ihren beachtlichen Ergebnissen bei der Kommunalwahl. Sie wurde Stimmensiegerin für die CDU in der Stadtverordnetenversammlung und holte im Kreistag fast doppelt so viele Stimmen wie CDU-Chef Bommert, dessen Fraktionsvorsitz sie dann auch übernahm.
Nun will sie ein drittes Mandat. „Das haben wir im Familienrat besprochen“, sagt Nicole Walter-Mundt zur Frage nach Arbeitsbelastung und der zu erwartenden häufigen Abwesenheit. Sie können sich auf Unterstützung verlassen und das sei ihr als Familienmensch sehr wichtig. Seit sie sich kommunalpolitisch engagiere, habe sie gemerkt, wie die unterschiedlichen Zuständigkeitsbereiche miteinander verzahnt sind: Kommune, Kreis, Land – in allen will sie nun mitbestimmen. Dabei wolle sie auch weiterhin im Wahlkreis präsent sein, verspricht Nicole Walter-Mundt. Ihr Bürgerbüro solle dort sein, "wo die Menschen sind“ und sich nicht – wie die CDU-Geschäftsstelle – in der Büroetage des Südcenters verstecken. Für die Arbeit im Landtag könne sie ja dann auch auf professionelle Mitarbeiter zurückgreifen. Bislang werde sie rein ehrenamtlich von ihrem Team unterstützt.
Sie verspricht: „Auch als Landtagsabgeordnete mache ich Bürgerarbeit.“ Die „großen Pakete“ überlasse sie lieber anderen, sagt Nicole Walter-Mundt und meint damit die vom SPD-Wahlkampf geprägte, groß gestartete Modellregion Oranienburg, in der mit mehr Geld, Technik und Personal die Bombensuche schneller und effizienter werden soll.
Gleichwohl wirft ihr die Oranienburger SPD-Fraktionsvorsitzende Jennifer Collin in diesem Zusammenhang nun vor, mit Falschaussagen die Wähler zu täuschen, indem sie auf ihrer Homepage behaupte, die Modellregion sei auf einen Antrag der CDU im Stadtparlament zurückzuführen und das Land stelle weniger Geld zur Verfügung. „Das ist schlichtweg falsch“, sagt Jennifer Collin.
Auch beim Bus zum Tierpark Germendorf, der in diesem Sommer als Tourismuslinie bis nach Kremmen fährt, hat sich Nicole Walter-Mundt aus Sicht der SPD in ein Licht gerückt, das ihr nicht zustehe. Jahrelang habe die CDU im Kreistag die Busverbindung blockiert. Die CDU-Kandidatin kontert gelassen: „Ich habe die Bürgermeister an einen Tisch gebracht.“ So saß sie bei der Premierenfahrt auch in der ersten Reihe im Bus, ihr Team dahinter.
Nicole Walter-Mundt nennt weitere Beispiele, bei denen sie an Lösungen beteiligt gewesen sei. Bei Bürgern, die sie um Hilfe bitten, handle sie immer nach demselben Prinzip: „Ich höre mir das Problem an, versuche eine Lösung zu finden, aber verspreche nichts.“ Mit kritischen Fragen mache sie bei der Lösungssuche auch nicht vor Parteikollegen halt. Mindestens CDU-Kreisdezernent Egmont Hamelow trat sie wiederholt auf die Füße, zum Beispiel bei der von Hamelows Abteilung angezettelten Behördenposse um den fast nicht eröffneten Imbiss „Cook rein“ in der Schulstraße. „Da habe ich Akteneinsicht verlangt und nach einer Lösung gesucht“, sagt Walter-Mundt. Sie verstehe sich in solchen Fällen als Vermittlerin.
Keine Zweifel
Die Themen, um die sie sich noch kümmern will, spult Nicole Walter-Mundt professionell ab: kürzere Schulwege ("90 Minuten Anfahrt sind nicht zumutbar"), Zehn-Minuten-Takt für die S1 ("Warum gibt es immer noch keine Machbarkeitsstudie?"), Heidekrautbahn bis Liebenwalde (und Anschluss nach Gesundbrunnen). Sie wolle den gemeinsamen Landesentwicklungsplan mit Berlin aufgeben, nur so könnte sich beispielsweise Liebenwalde entwickeln, sagt die Kandidatin.
Dabei lässt Nicole Walter-Mundt selten Zweifel daran aufkommen, ihre Ziele nicht erreichen zu können. Sie habe einst dafür gekämpft, dass die neue Comeniusschule in Oranienburg-Süd gebaut wird – dort, wo viele Familien wohnen. „Damals habe ich gemerkt, dass man durch persönlichen Einsatz Stimmungen verändern kann.“ Damit begann ihre politische Karriere, die immer auch von ihrem Vater Werner Mundt unterstützt wurde und der sie zur CDU brachte. Die Themen Bildung und Verkehr seien ihr stets wichtig gewesen. „Um etwas zu bewegen, muss man selber aktiv werden“, sagt Nicole Walter-Mundt.
ZurPerson
Nicole Walter-Mundt (42) wuchs in Oranienburg auf, lebt in Süd mit ihrem Mann (44), mit dem sie seit 17 Jahren verheiratet ist, und den beiden Söhnen (10 und 12). Ihre Eltern wohnen nebenan. Werner Mundt, Inhaber von Radio Mundt, ist CDU-Fraktionsvorsitzender in der Stadtverordnetenversammlung und ebenfalls Mitglied des Kreistags. Vor fünf Jahren bewarb er sich vergebens um ein Landtagsmandat im Wahlkreis 9.⇥kd