Parteien
: Zehn Dinge, die einem Juso wahnsinnig auf die Nerven gehen

Oberhavels stellvertretender Juso-Vize-Chef Felix Kretzschmar macht sich Gedanken über seine Partei und die Auswirkungen von Kommunal- und Europawahl.
Von
Klaus Grote
Oranienburg
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Trat für die SPD in Oranienburg an: Felix Kretschmar

privat

Der 21-jährige Jura-Student, der Ende 2013 in die SPD eintrat, hat sichtlich Probleme mit der Entwicklung der Sozialdemokratie und damit, wie seine Genossen mit ihrer SPD umgehen. Deshalb sei er dagegen, den Juso-Bundesvorsitzenden Kevin Kühnert zum Parteichef zu machen und dabei zu verheizen. Denn genau das würde mit der nächsten Parteispitze passieren, so Kretzschmars Befürchtung.

Die SPD habe die Fähigkeit verloren, Ungerechtigkeiten zu erkennen und ihnen auf den Grund zu gehen, schreibt Kretzschmar in seinem Papier. Ihn störe, dass es weniger um die Rettung der Werte als um die Rettung der Partei gehe, auch wenn dies bislang misslingt. Er ärgert sich über Ich-Menschen, die im Weg stehen, weil sie nicht auf ihre Umgebung achten, die nicht Danke sagen oder bei Amazon bestellen und sich um den miesen Lohn der Paketlieferanten nicht scheren. Er ärgert sich über selbstgefällige Menschen, deren Selbst- und Fremdwahrnehmung weit auseinander lägen, die selbst „die SPD zu Schrott gefahren haben“ und die nicht merkten, dass ihr eigener Zenit längst überschritten sei. Konkret meint er damit den früheren Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel.

Dass Menschen in der Politik sich zu lange für unentbehrlich halten, das gebe es natürlich auch auf kommunaler Ebene. Dass der langjährige Kreistagsfraktionschef Andreas Noack aus Velten für den Landtag kandidiere, obwohl mit Patrick Krüger aus Hennigsdorf auch ein junger und fleißiger Sozialdemokrat bereit stand, stört Kretzschmar ebenso. Er hätte sich auch gewünscht, dass Benjamin Grimm die Kreistagsfraktion führt. Der Hohen Neuendorfer hatte dreimal so viele Stimmen erhalten wie Noack, der abermals der Fraktion vorstehen wird. Stellvertreterinnen wurden die Parteivorsitzende Andrea Suhr und Annemarie Reichenberger, die es beide nur als Nachrückerinnen in den Kreistag schafften.

Allerdings setzen auch die anderen Parteien lieber auf Erfahrung als auf Neuanfang. In der Oranienburger Stadtverordnetenversammlung führt Werner Mundt erneut die CDU-Fraktion, obwohl seine Tochter Nicole Walter-Mundt die meisten Stimmen einheimste. Bei der Fraktion Die Linke bleibt Ralph Bujok Fraktionsvorsitzender. Stimmensieger war aber der Neuling Jean Willemsen. Und auch wenn die jüngste Kreistagsabgeordnete Julia Schmidt (Grüne) die mit Abstand meisten Stimmen aller Kreistagsmitglieder erreichte, bleibt für Kretzschmar die Enttäuschung darüber, dass vor allem ältere Kandidaten die Listen der Parteien bestimmen.

Was Felix Kretzschmar, der selber für die Oranienburger SVV antrat, aber am meisten Sorgen macht, ist das gute Abschneiden der AfD bei der Europa- und Kommunalwahl. Darauf müssten die SPD und die anderen Parteien Antworten finden.

Bei Europawahlnur Dritte

Felix Kretschmar war 17 und Schüler des Louise-Henriette-Gymnasiums, als er 2015 den Oranienburger Jugendbeirat mitbegründete. Der 21-Jährige studiert Jura an der Uni Potsdam.

Im Kreistag kommt die SPD auf zehn statt bisher 15 Sitze. Die CDU wurde stärkste Kraft. Fraktionschef Andreas Noack erhielt 2 074 Stimmen. Benjamin Grimm kam auf 6 142 Stimmen.

In der Oranienburger SVV schaffte die SPD sieben Sitze  – drei weniger als 2014. Bei der Europawahl landete die SPD hinter CDU und AfD auf dem dritten Platz. ⇥kd