Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine vor rund zwei Wochen sind nach Angaben der Bundespolizei mindestens 110.000 Menschen von dort nach Deutschland gekommen. Auch in Oberhavel registrieren sich immer mehr Geflüchtete. Der Landkreis prüft gegenwärtig zahlreiche Standorte in der Region, die kurz- und mittelfristig ertüchtigt werden können. Erste Objekte werden schon genutzt.
Mit Stand von Freitag, 11. März, haben sich 508 geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer in Oberhavel registriert. Das teilte die Kreisverwaltung mit. Am Donnerstag hatte die Zahl noch bei 413 gelegen.
„Wir gehen davon aus, dass sich wesentlich mehr geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer in Oberhavel aufhalten, als uns bekannt ist“, wird der amtierende Landrat Egmont Hamelow zitiert. „Wir appellieren an die geflüchteten Menschen, sich registrieren zu lassen, denn nur so können sie Unterstützungsleistungen bekommen.“ Zudem könne nur so die Unterbringung mit Hilfe der Städte und Gemeinden und der privaten Hilfsinitiativen koordiniert vorangetrieben werden.

Informationen zur vorläufigen Registrierung

Geflüchtete, die vorerst im Landkreis Oberhavel bleiben, werden gebeten, sich im Servicepunkt Migration in der Mittelstraße 16 in Oranienburg vorläufig registrieren zu lassen. „Es besteht keine Pflicht zur Registrierung, dennoch bitten wir alle geflüchteten Ukrainer, sich dort zu melden, einfach um die Hilfen besser koordinieren zu können.“
Noch immer wartet die Kreisbehörde auf weitere Verfahrensregelungen des Landes. „Auch hier hilft die vorläufige Registrierung durch den Landkreis, um die Geflüchteten kontaktieren zu können“, so Hamelow. Sobald die notwendigen Verfahrensregelungen vorliegen, werden registrierte Personen zu den weiteren Schritten zum Aufenthaltsrecht, Arbeitsrecht und zu Sozialleistungen beraten. „Menschen, die in andere Regionen weiterreisen wollen, müssen sich nicht anmelden“, sagt der zuständige Sozialdezernent Matthias Kahl.

Ministerpräsident will mehr zentrale Anlaufstellen

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) wollte sich mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) am Freitag in Frankfurt (Oder) die Registrierung der Geflüchteten durch die Bundespolizei ansehen. Brandenburg ist neben Berlin die erste Anlaufstelle für zahlreiche Flüchtlinge aus der Ukraine. Woidke dringt auf mehr zentrale Aufnahmestellen für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine. „Angesichts der Lage halte ich es für unverzichtbar, zusätzliche zentrale Anlauf- und Registrierungsstellen unter Leitung des Bundes im Bundesgebiet einzurichten“, sagte der Politiker am Freitag am Rande einer Sitzung des Bundesrates. „Auch mit Blick auf die anhaltende Corona-Pandemie ist ein geordneter Aufnahmeprozess wichtig.“
Vertriebene aus der Ukraine erhalten Sozialleistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylblG). Die Leistungen werden bei Bedarf als Lebensunterhaltssicherung in bar geleistet, heißt es in einer Mitteilung der Kreisverwaltung. Darüber hinaus werden Leistungen für Kosten der Unterkunft (KdU) gewährt. Zudem werden ukrainische Geflüchtete mit einer vorläufigen Registrierung durch den Landkreis bei der AOK Nord für eine Krankenversicherung angemeldet. Sie erhalten nach der erforderlichen Bearbeitungszeit eine elektronische Gesundheitskarte.
84 Menschen sind bisher in den Unterkünften des Landkreises in der Oranienburger Dr. Heinrich-Byk-Straße, im Wohnheim des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums in Zehdenick und im Wohnheim des Eduard-Maurer-Oberstufenzentrums in Hennigsdorf untergebracht worden – eine Vielzahl aber auch bei privaten Anbietern, Familienangehörigen oder Bekannten. Hamelow: „Der Landkreis bedankt sich herzlich für die vielen privaten Hilfsangebote.“ Gleichwohl wisse niemand, wie lange der Krieg in der Ukraine noch dauern wird. „Deshalb kann ich meinen Appell an die privaten Hilfeleistenden nur wiederholen: Wir schaffen diese enorme Kraftanstrengung nicht ohne Sie!“ Die Krise werde alle wohl noch einige Zeit begleiten, „wir sind dabei auf Ihre Unterstützung angewiesen“.

Möglichkeiten der Unterbringung

Da private Hilfe nur temporär stattfinden könne, bereitet der Landkreis kurzfristig weitere Unterbringungsmöglichkeiten vor. So können bis zu 14 Familien im landkreiseigenen Kinder- und Jugendzentrum Neuglobsow untergebracht werden. Die Anlage wird dafür gerade vorbereitet. Die dort geplanten Ferienfreizeiten in den Oster- und Sommerferien sollen ersatzweise im Waldhof Zootzen stattfinden. „Eltern, die bereits Ferienfreizeiten gebucht haben, werden vom Landkreis Oberhavel dazu direkt informiert.“
Ebenso wird kurzfristig die Erweiterung und Neuschaffung von Wohnunterkünften in der Dr. Heinrich-Byk-Straße in Oranienburg und in Oberkrämer, Ortsteil Marwitz, eruiert, um weitere Kapazitäten zu schaffen.
Gegenwärtig werden zahlreiche weitere Standorte im gesamten Landkreis geprüft. „Leider müssen wir nun auch die Nutzung von Turnhallenzur Ad-hoc-Unterbringung der Menschen mitdenken“, betont Hamelow. Für das anstehende Wochenende wurde bereits die Turnhalle der Oberschule in Lehnitz mit 130 Betten und die dazugehörigen Sanitäranlagen vorbereitet.“ Die Unterbringung in Turnhallen sei die letzte Wahl, „wir können sie jedoch gegenwärtig nicht mehr ausschließen“.
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Servicepunkt Migration

Der Servicepunkt Migration hat seine Öffnungszeiten erweitert. Er ist montags bis freitags zwischen 9 und 18 Uhr geöffnet. Samstags und sonntags öffnet er zwischen 10 und 18 Uhr.
Eine Telefonhotline unter 03301 6014800 ist zu den gleichen Öffnungszeiten erreichbar.
Ein zentrales E-Mail-Postfach ukrainehilfe@oberhavel.de dient vor allem der Annahme von privaten Wohnungsangeboten, vorläufigen Registrierungen und Beratungsanfragen.
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