Rathenow war einst Bahnknotenpunkt. In besten Zeiten ging es von dort in fünf Richtungen. Die Lehrter Stammbahn zwischen Lehrte (Hannover) und Berlin war bald nach 1871 in Betrieb genommen worden. Ab 1901 gab es eine Schmalspur-Verbindung über Ferchesar und Kotzen gen Nauen. Zudem war 1904 die Brandenburgische Städtebahn eröffnet worden. Ein Rest davon besteht in der Verbindung der Hauptbahnhöfe in Rathenow und Brandenburg an der Havel.

Verbindungen nach Treuenbrietzen und Neustadt/Dosse wurden gekappt

Ursprünglich weit darüber hinaus bestehende Städtebahn-Verbindungen nach Bad Belzig und Treuenbrietzen im Süden sowie Rhinow und Neustadt/Dosse im Norden wurden Anfang der 2000er Jahre gekappt. Im Westhavelland ist eine Reaktivierung nicht möglich, da die Gleisanlagen nicht mehr existieren. Nur in Rathenow liegt noch ein Gleisstück. Dieses hat nun attestiertes Reaktivierungspotential.

Vom Hauptbahnhof zum Nordbahnhof

Das Land Brandenburg wolle die Angebote im Öffentlichen Personennahverkehr deutlich erweitern. Dazu könne auch die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken einen Beitrag leisten, wie es am Mittwoch aus dem Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung (MIL) hieß. Es verkündete die Ergebnisse einer Potentialanalyse, wobei die Verbindung vom Haupt- zum Nordbahnhof in Rathenow gut abschneidet.

Beste Bewertung aller in Frage kommenden Strecken

„Dass die Rathenower Strecke sogar die beste Bewertung aller in Frage kommenden Strecken erhalten hat, zeigt, dass das Land die Notwendigkeit des Ausbaus des Schienenpersonennahverkehrs im Westhavelland erkannt hat. Dennoch bleibt der 30-Minuten-Takt von und nach Berlin ein weiteres vorrangiges Ziel“, so Corrado Gursch, CDU-Bürgermeisterkandidat in Rathenow, Ortsvorsteher in Steckelsdorf und Stadtverordnetenvorsitzender und Fraktionschef von CDU/Bauern/LWN im havelländischen Kreistag.
Er meint, dass sich mit der Umsetzung der Empfehlungen des Gutachters insbesondere für den nördlichen Teil Rathenows, aber auch für Schülerinnen und Schüler sowie für alle Anlieger das Zugangebot deutlich verbessern und der Entwicklung dieses Stadtteils einen zusätzlichen Schub geben würde.

In Nutzwertanalyse 60,6 Punkte für Rathenow

Jene beste Bewertung, auf die Gursch sich bezieht, ergibt sich aus einer ebenso vom Infrastrukturministerium veröffentlichten Nutzwertanalyse, bei der sieben Kriterien (darunter CO2-Einsparung, Tourismuspotential und Betriebskosten) betrachtet wurden. Die Kriterien wurden unterschiedlich gewichtet. Im Ergebnis hat die Verbindung von Haupt- und Nordbahnhof eine gewichtete Punktzahl von 60,6 und liegt damit auf Platz 1. Die nachfolgenden beiden Strecken haben 47,5 Punkte. Der geringste Wert ist eine Punktzahl von 7,4 (Platz 25).

62,3 Punkte für möglichen Halt in Heidefeld

In der Analyse ist auch von der Reaktivierung potentieller neuer Halte die Rede. Hier ist Heidefeld in Rathenow im Gespräch. Dieser mögliche Halt hat 62,3 gewichtete Punkte erhalten. Dieser Nutzwert resultiert aus nur sechs Kriterien, wobei das tägliche Einsteigerpotential mit 50 Prozent die höchste Gewichtung hat. Der zweitplatzierte Halt (Kiekebusch in Cottbus) kam auf 35,9 Punkte.

Landrat verspricht zielführende Begleitung

Im weiteren Verfahren des von Guido Beermann (CDU) geleiteten Infrastrukturministeriums sei nun eine Machbarkeitsstudie mit einer differenzierten Betrachtung von Nutzen und Kosten vorgesehen. „Wir werden nun im nächsten Schritt alles dafür tun, um die Erstellung der Machbarkeitsstudien zielführend zu begleiten“, so Landrat Roger Lewandowski (CDU).