Ende 2021 jährt sich der Tag, an dem die vor 150 Jahren neu erbaute Eisenbahnlinie von Berlin in das bei Hannover gelegene Lehrte den regulären Betrieb aufnahm. In den folgenden Jahren entwickelte sich der Rathenower Bahnhof zum regionalen Eisenbahnverkehrsknotenpunkt. Von nun an verband die Eisenbahn die Optikstadt auf komfortable Weise mit den übrigen Teilen des Deutschen Reiches.

Brücke auf dem Rathenower Hauptbahnhof 1904 in Betrieb genommen

Ein recht markantes und raumeinnehmendes Bauwerk auf dem Rathenower Hauptbahnhof war die 1904 in Betrieb genommene 250 Meter lange Fußgängerbrücke. Erforderlich wurde deren Bau durch die zeitgleiche Inbetriebnahme der Städtebahn, der Bahnverbindung von Treuenbrietzen nach Neustadt/Dosse über Rathenow.

Aus Stahl und seitlich verglast

Der stählerne, seitlich verglaste Brückenbau überspannte fortan die umfangreichen Gleisanlagen und sorgte für einen sicheren Zugang der Reisenden zu den einzelnen Bahnsteigen der Lehrter- und der Städtebahn. Zu dem Zeitpunkt brausten die Züge auf der Berlin-Lehrter Bahnstrecke bereits mit einer für die damaligen Zeit unglaublichen Geschwindigkeit von bis zu 120 km/h unter der Brücke hindurch.

Zugang zwischen Kaiserbahnhof und Wasserturm

Der Zugang zur Fußgängerbrücke von der Stadtseite befand sich zwischen dem Fürstenpavillon (Kaiserbahnhof) und dem Wasserturm und führte bis zum Empfangsgebäude der Städtebahn auf der gegenüberliegenden Bahnhofsseite. In den späten 1920er Jahren wurde die Überführung noch bis zur südlichen Begrenzung des Bahnhofs, zum Viertellandsweg, dann allerdings in offener Bauweise, verlängert.

Brücke zerlegt und Stück für Stück demontiert

Im Herbst 1987, inzwischen in die Jahre gekommen, kam schließlich das endgültige aus für das inzwischen arg ramponierte Bauwerk. Mit Hilfe eines leistungsfähigen Krans wurde die in Segmente von bis zu 20 Tonnen zerteilte Brücke Stück für Stück demontiert. Der Brücken-Oldie wurde nun durch eine Stahlbetonüberführung in offener Bauweise ersetzt. Die neue Fußgängerüberführung befand sich östlich der Bahnhofsgebäude. Doch bereits Anfang der 1990er Jahre musste sie der zukünftigen Schnellbahn Berlin-Hannover weichen.

Heute Personenunterführung statt Brücke

Heute verbindet die Bahnsteige der beiden sich hier kreuzenden Bahnlinien, wie auch die Innenstadt mit dem südlichen Stadtgebiet, eine 120 Meter lange und sieben Meter breite Personenunterführung. Zu den Bahnsteigen führen Personenaufzüge und gestatten, so sie denn funktionieren, jetzt nicht nur einen entspannten Gepäcktransport, sondern auch einen barrierefreien Zugang für die Reisenden.