Sachsen-Anhalt-Tag 2022
: Teil der Geschichte: Nördliche Grenze zu Brandenburg verlief einst an der Unteren Havel

Die Gemeinde Milower Land im Havelland grenzt im Westen an die Landkreise Stendal und Jerichower Land. Somit befindet sich dort auch die brandenburgische Grenze zu Sachsen-Anhalt. Bis vor rund 70 Jahren verlief diese noch an der Unteren Havel.
Von
René Wernitz
Rathenow
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Dieses barocke Denkmal in Rathenow erinnert an Friedrich Wilhelm (1620-1688). Der Kurfürst von Brandenburg-Preußen hatte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts das Herzogtum Magdeburg in sein Reich einverleibt. Es wurde später zur preußischen Provinz Sachsen. Durch Teilung entstanden 1944 die Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg, die 1945 mit Anhalt zusammengelegt wurden. Dadurch entstand Sachsen-Anhalt.

Rene Wernitz

Vom 1. bis 3. Juli 2022 ist Sachsen-Anhalt-Tag in der Stadt Stendal. Es kommt zur 23. Auflage dieses Ereignisses. Das Bundesland ist wie Brandenburg zum 3. Oktober 1990 entstanden. Zum ersten Mal war 1945 von Sachsen-Anhalt die Rede gewesen. Zuvor war Anhalt ein Freistaat, bis 1918 ein Herzogtum. Indessen gab es bis 1944 die preußische Provinz Sachsen. Durch deren Teilung waren die Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg entstanden, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit Anhalt vereinigt wurden.

Westliche Ortsteile von Rathenow gehörten zu Sachsen-Anhalt

Das nördliche Nachkriegs-Sachsen-Anhalt reichte bis zur Unteren Havel. Ein Teil des Ganzen war der Kreis Jerichow II, zu dem auch die heutigen, westlich der Havel gelegenen Rathenower Ortsteile Steckelsdorf, Böhne, Neue Schleuse, Grütz und Göttlin gehörten. Daneben waren auch Dörfer wie Milow, Möthlitz, Nitzahn und Vieritz (heute Ortsteile der Gemeinde Milower  Land) Bestandteile von Sachsen-Anhalt. Praktisch alle bis um 1950 geborenen und seither dort lebenden Einwohner dieser Orte sind im Ursprung keine Brandenburger. Oder doch in gewisser Weise?

Elb-Havel-Winkel: Madeburger Keil zwischen Alt- und Mittelmark

Im Mittelalter hatte sich der Erzbischof von Magdeburg zum Territorialfürsten entwickelt. Sein weltlicher Besitz wurde als Erzstift bezeichnet. Der lange Arm des Oberhirten reichte weit nach Osten. In den Besitz des Elb-Havel-Winkels war er bereits Mitte des 12. Jahrhunderts gelangt. Daher gehörten auch Milow und Böhne dem Erzbischof. Kurz vor der Wende zum 15. Jahrhundert hatte der Erzbischof zwischenzeitig die Stadt Rathenow erobert. Nach der Reformation wurde das Erzstift in ein Herzogtum umgewandelt. Der magdeburgische Elb-Havel-Winkel schob sich wie ein Keil zwischen Alt- und Mittelmark.

Altmark war Ausangsbasis für den sächsischen Markgrafen

Die Altmark westlich der Elbe (heute die Landkreise Salzwedel und Stendal) war im Grunde schon brandenburgisch, ehe es die Mark Brandenburg überhaupt gab. Denn die Region war Ausgangsbasis für den sächsischen Markgrafen der Nordmark, Albrecht der Bär aus dem Geschlecht der Askanier, der erst ab 1150 durch Erbschaft die seinerzeit noch slawischen Ländereien östlich der Unteren Havel unter seine Kontrolle bringen und schließlich 1157 die Markgrafschaft Brandenburg vor Ort begründen konnte. Daher hatte Brandenburg im Jahr 2007 am Dom in Brandenburg an der Havel den 850. Landesgeburtstag gefeiert.

Magdeburg wurde Teil von Brandeburg-Preußen

So wie Stendal zum Teil der Altmark wurde, gehörten Rathenow und das gesamte Havelland zur Mittelmark. Jenseits der Oder war einst von der Neumark die Rede. Indem Kurfürst Friedrich Wilhelm in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts das Herzogtum Magdeburg in sein Reich einverleibte, wurde es Teil von Brandenburg-Preußen und blieb preußisch bis zu den Neustrukturierungen nach dem Zweiten Weltkrieg. In Rathenow erinnert ein barockes Denkmal an den Kurfürsten. Der hatte 1675 die Stadt Rathenow von den Schweden zurückerobert. Seine von ihm angeführten Truppen waren von den Feinden unentdeckt aus Richtung Magdeburg angerückt.