Bluespear ist ein internationales Sicherheitsberatungs- und Schulungsunternehmen (Trainingsakademie) mit Sitz in Genk der belgischen Provinz Limburg. Wie der Premnitzer Bürgermeister, Ralf Tebling (SPD), kürzlich in seinem Verwaltungsbericht vor den Stadtverordneten ausführte, arbeite Bluespear sogar für die Vereinten Nationen (UN) und bereite Menschen auf Einsätze in Kriegs- und Katastrophengebiete vor.

Ein Dienstleistungsangebot: Entführung und Überleben in Gefangenschaft

Laut Angaben auf der Internetseite www.bluespear.eu zählen zu den angebotenen Dienstleistungen: Schulung zum Bewusstsein für feindliche Umgebungen, Entführung und Überleben in Gefangenschaft sowie Vorbereitung auf aktive Schützen. Ab dem 1. Januar 2022 werde schrittweise auf dem etwa 27 Hektar großen ehemaligen Novoktan-Gelände im Ortsteil Döberitz mit Schulungen begonnen, so Tebling. Das im Besitz des Unternehmens Octel (bzw. Innospec) befindliche Grundstück werde gesichert sein. Schusswaffen würden aber nicht eingesetzt.

Produktion von Antiklopfmitteln für die deutsche Luftwaffe

Novoktan - dieser Name stammt aus jenen Jahren, als in Döberitz Antiklopfmittel (Tetraethylblei/TEL) hergestellt wurde. Die Geschichte des  Döberitzer TEL-Standorts begann 1936. Sogar im Zweiten Weltkrieg wurde mit Lizenz amerikanischer und britischer Firmen die Anlage betrieben. Die Lizenzgeber verdienten dabei gutes Geld. Denn die Antiklopfmittel wurden Flugzeugbenzinen beigemischt.
Wohl deshalb blieb diese Fabrik von Luftangriffen verschont. Eine zweite TEL-Fabrik befand sich in Frose bei Aschersleben, die ebenso nie bombardiert wurde. Wie Geschichtsfreund Jürgen Mai vor einigen Jahren in BRAWO schrieb, wäre bei Zerstörung dieser Produktionsstätten die deutsche Luftwaffe nicht mehr einsatzfähig gewesen.

Demontage 1946, Neubau in den 1950er Jahren

Bei Kriegsende übernahm die sowjetische Besatzungsmacht die TEL-Anlage in Döberitz, startete den Wiederbetrieb noch im Mai 1945, ehe die Anlage 1946 demontiert wurde. Auf den Fundamenten, so Mai heute, wurde in den 1950er Jahren ein neues TEL-Werk errichtet, das im Februar 1959 den Betrieb aufnahm.
Durch die Treuhand wurde die Fabrik 1990 an die schweizerische Alcor Chemie AG verkauft, die dort bis 1998 produzierte.

Alcor Chemie AG verkaufte an Octel

Alcor veräußerte die Immobilie sodann an die britische Octel Company, die sich 2006 in Innospec umbenannte und heute  als einziger nicht-chinesischer Hersteller von Tetraethylblei gilt. Schon 2002 endete die TEL-Produktion im westlichen Havelland. Verbleiter Kraftstoff ist EU-weit nicht mehr an Tankstellen verfügbar. Über dem Eingang zum Döberitzer Betriebsgelände prangt noch heute der Name des Tochterunternehmens Novoktan GmbH.
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