Rathenow im westlichen Havelland war seit Ende des 17. Jahrhunderts ein militärischer Hotspot. Die Errichtung der Neustadt ist dem geschuldet. Das Jahr 1733 markiert den Anfang dieser Episode. Rathenow wuchs nun in östliche Richtung über die Mauern der Altstadtinsel hinaus, was 2033 durchaus Grund zum Feiern in der heutigen City geben könnte.

Rathenow ist entmilitarisierte Zone

Auf preußische Soldaten in Rathenow folgten die des Deutschen Kaiserreichs, der Weimarer Republik, des Dritten Reichs und der sowjetischen Armee. Seit 27 Jahren ist die Stadt eine entmilitarisierte Zone. Die Kasernen wurden 1994 durch die GUS-Truppen (vormals sowjetische Armee) leergezogen. Die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR betrieb im damaligen Kreis Rathenow keine Standorte.

Nächstgelegene Kaserne in Havelberg

Daher gab es  hier zum 3. Oktober 1990 keine Liegenschaften, die die Bundeswehr hätte übernehmen können. Neue Standorte wurden nicht geschaffen. Deshalb dürften Soldaten mit Wohnsitz im Westhavelland teils weite Arbeitswege in Kauf nehmen müssen. Zumal im Jahr 2007 der Standort im Norden der Stadt Brandenburg an der Havel dicht gemacht wurde. Die nächstgelegene Kaserne befindet sich nun mit der Elb-Havel-Kaserne in Havelberg (Landkreis Stendal / Sachsen-Anhalt). Sie liegt etwa 30 Kilometer (Luftlinie) von Rathenow entfernt.

Panzerpionierbataillon 803 mit etwa 850 Soldaten

In Havelberg beheimatet ist das Panzerpionierbataillon 803 mit etwa 850 Soldaten in fünf Kompanien. Es stellt Pionieraufgaben für die Neubrandenburger Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“ sicher. Dieser Kampfverband steht unter Führung der 1. Panzerdivision in Oldenburg, deren Chef Generalmajor Jürgen-Joachim von Sandrart ist.  Ende September besuchte er mit Soldaten der Elb-Havel-Kaserne die Sankt-Marien-Andreas-Kirche in Rathenow. Wieviele Westhavelländer ihren Dienst im oder für das Panzerpionierbataillon 803 leisten, verrät die Bundeswehr auf Anfrage nicht. Sie liefert aber allgemeine Beschäftigtenzahlen.

65 Soldaten und 16 Zivilangestellte aus Rathenow

Die Bundeswehr beschäftigt längst nicht nur Soldaten. Auch Zivilangestellte stehen in ihrem Sold. Aus dem Westhavelland sind das 22 Frauen und Männer, 16 allein aus Rathenow. Laut  weiteren Angaben gibt es zudem 65 Bundeswehrangehörige  mit Wohnsitz in der havelländischen Kreisstadt und 29 in Premnitz. Insgesamt 132 Soldaten und Offiziere sind in den Gemeinden des westlichen Havellands gemeldet.

Logistikbataillon 171 „Sachsen-Anhalt“ in der Clausewitz-Kaserne

Burg ist die Kreisstadt des Jerichower Landes (Sachsen-Anhalt). Dort befindet sich mit der Clausewitz-Kaserne ein weiterer relativ naher Standort, der etwa 50 Kilometer (Luftlinie) von Rathenow entfernt ist. In dieser ist das Logistikbataillon 171 „Sachsen-Anhalt“ mit rund 1.200 Soldaten in sechs Kompanien stationiert. Deren Auftrag erstreckt sich von der Beschaffung, Disposition, Lagerung, Transport und Instandsetzung diverser Versorgungsartikel bis hin zu deren Umschlag, wie es auf www.bundeswehr.de heißt.

Truppenübungsplatz zwischen Stendal und Rathenow

Obgleich die Elb-Havel-Kaserne und die Clausewitz-Kaserne 30 bzw. 50 Kilometer von Rathenow entfernt sind, liegt die nächstgelegene Militärliegenschaft der Bundeswehr doch sehr viel näher. Das ist der rund 15 Kilometer (Luftlinie) entfernte Truppenübungsplatz Klietz. Dieser befindet sich unmittelbar hinter der Kreisgrenze zu Stendal. Wenn dort Panzerbesatzungen das scharfe Schießen üben, ist das sogar bis weit ins westliche Havelland zu hören.

Truppenübungsplatzkommandantur Ost in Klietz ansässig

Zuletzt war Klietz Bestandteil der multinationalen Übung Green Griffin 2021, an der auch Truppen aus den USA, aus den Niederlanden und aus Rumänien beteiligt waren. Integriert waren zudem die Truppenübungsplätze in Altengrabow (Jerichower Land) und Lehnin (Potsdam-Mittelmark). Diese Standorte unterstehen der Truppenübungsplatzkommandantur Ost, die in Klietz ansässig ist. Diese ist noch für zwei weitere Truppenübungsplätze im Osten Deutschlands zuständig.

16 Auszubildende unter 260 Zivilangestellten

In Klietz sind insgesamt 260 Zivilangestellte tätig, darunter 16 Azubis in den Ausbildungsberufen Elektrotechniker für Energie- und Gebäudetechnik und Konstruktionsmechaniker. Ferner leisten dort 60 Soldaten ihren Dienst. Einer von ihnen ist Hauptmann Patrick Becker. Er ist in Klietz der Presseoffizier  und wohnt in Bützer (Milower Land). Der Wohnort liegt rund  20 Kilometer (Luftlinie) vom Arbeitsplatz entfernt.