Katze Trixi und Kater Mogli kannten sich wahrscheinlich. Sie lebten wenige Häuser voneinander entfernt in der Clara-Zetkin-Straße in Rathenow-West, bis sie im Dezember 2021 verschwanden. Mogli wurde letztmals am 21. Dezember gesehen, Trixi am 22. Dezember. Es sind nur zwei von 14 verschwundenen Rathenower Katzen, von denen der Tierschutzverein erfahren hat. Vereinschefin Jutta Schütze spricht von einer auffälligen Häufung, wobei sich der Hotspot im Westen der Stadt befinden soll.

Eine Häufung schon 2020 in Rathenow-West?

Womöglich gab es schon früher Häufungen. Lutz Jeschke vermisst seinen Kater bereits seit Mitte September 2020. Wie er erklärt, hätte er sofort Plakate gedruckt und in Rathenow-West verteilt, unter anderen bei Bäcker Möhring. Laut Jeschke hätten dort nach einiger Zeit drei, wenn nicht sogar vier weitere Suchmeldungen mit vermissten Katzen ausgehangen. „Ich gehe davon aus, dass schon seit dem Jahr 2020 mehrere Katzen verschwanden und nicht erst ab 2021“, erklärt der Mann aus Rathenow-West.

Roter Kater erst nach Brandenburg an der Havel gebracht, dann nach Rathenow

Tierschützerin Jutta Schütze schildert einen Fall aus dem November 2021, als ein roter Kater in dem vom Verein betriebenen Tierheim in der Bammer Landstraße 33c Aufnahme fand. Eine Berufspendlerin aus Vieritz soll den Kater auf dem Arbeitsweg gen Brandenburg an der Havel gefunden und ins dortige Tierheim gebracht haben. Da er im westlichen Havelland gefunden wurde, kam der Kater, laut Schütze ein „richtig netter Kerl“, ins Rathenower Tierheim. Da weder Chip unter der Haut noch Tätowierung an den Ohren vorhanden sind, ließe sich kein Halter zuordnen. Bislang hat sich noch niemand gemeldet.

Wenn unkastrierte Kater mal eben weg sind

Jutta Schütze weiß, dass sich gerade geschlechtsreife Kater auf lange Wanderungen begeben, wenn sie sich paaren wollen. Wer Freiläufer nicht kastriert, muss mit der Gefahr leben, dass die Katzen mal eben weg sind. Chips und Tätowierungen können helfen, die Halterinnen und Halter verirrter Tiere zu ermitteln. In dieser Hinsicht ergibt sich aus der Kastrations- und Kennzeichnungsverordnung der Stadt Premnitz ein klarer Vorteil. Schütze lobt die Kommune für ihren Vorstoß nach dem sogenannten Paderborner Modell.

Premnitzer Vorstoß nach Paderborner Modell

Die Stadt Paderborn in Nordrhein-Westfalen hatte 2008 eine Verordnung erlassen, laut der Katzen mit Zugang ins Freie zuvor von einem Tierarzt kastriert sowie mittels Tätowierung oder Mikrochip gekennzeichnet werden müssen. Das machte Schule und wurde zum Modell.
Die Premnitzer Katzenkastrations- und Kennzeichnungsverordnung gilt seit 1. Januar 2021. Als Freiläufer gelten hier bereits Tiere, die sich auf einem umzäunten Grundstück bewegen. Zuwiderhandlungen können Geldbußen bis zu 300 Euro nach sich ziehen. Allerdings beteiligt sich die Stadt an den Kosten: „Bis Mitte November 2021 wurden insgesamt 46 Anträge auf Bezuschussung für die Kastration und/oder Kennzeichnung von Katzen gestellt. 19 Katzen wurden mit Hilfe des Zuschusses nur gekennzeichnet“, so Bürgermeister Ralf Tebling (SPD) im Dezember vor den Stadtverordneten.

Tierschützerin rät, Katzen sowohl chippen als auch tätowieren zu lassen

Premnitz steht bislang im Havelland noch allein da, was eine solche Verordnung nach Paderborner Modell betrifft. Jutta Schütze rät allen anderen Kommunen, dem Beispiel zu folgen. Halterinnen und Haltern empfiehlt sie das Chippen und gleichzeitige Tätowieren der Katzen. Denn Geräte zum Auslesen der Kennzeichnungsnummer aus dem Chip haben normale Leute nicht. Auch nicht die Bauhöfe, die Katzenkadaver von der Straße holen, um diese zu beseitigen. Sie könnten aber bei entsprechender Sensibilität für das Thema in die Ohren sehen und bei Vorhandensein von Tätowierungen dem Tierschutzverein die Kennzeichnungsnummer mitteilen.