Eberhard Henne ist tot: Angermünde gedenkt Naturschützer – „Danke, Eberhard“

Feierliches Gedenken zum Tod von Eberhard Henne in Angermünde: Über 100 Gäste, Weggefährten, Familie und Freunde, darunter auch Prominente wie Matthias Platzeck, Michael Succow und Axel Vogel, nehmen in der Altstadthalle Abschied und erinnern an einen unvergesslichen Umwelt-Pionier und Gründer der Biosphärenreservate in Ostdeutschland.
Daniela Windolff- Eberhard Henne, DDR-Umweltschützer und Gründer des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin, ist tot.
- Angermünde gedenkt ihm mit über 200 Gästen, darunter Prominente wie Matthias Platzeck und Michael Succow.
- Henne war ein bescheidener Visionär, der Naturschutz und Landnutzung vereinte.
- Seine Verdienste um den Umweltschutz in Brandenburg und Deutschland bleiben unvergessen.
- Ein Findling soll in Stegelitz an ihn erinnern.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wie viele Worte braucht es, um einen Menschen, sein ausgefülltes Leben und vielfältiges Wirken zu beschreiben? Unendlich viele für Eberhard Henne. Oder auch nur wenige: Visionär mit Bodenhaftung, Realist mit Idealen, Netzwerker mit Akzeptanz, Praktiker mit Doktortitel, liebenswerter, bescheidener Mensch. So beschreiben ihn Freunde und langjährige Weggefährten.
Der bekannte Tierarzt aus Angermünde, DDR-Umweltschützer und Gründer des ersten Biosphärenreservates in Brandenburg und Ostdeutschland, Schorfheide-Chorin, ist am 21. März 2025 kurz vor seinem 82. Geburtstag gestorben, urplötzlich, mitten aus einem noch immer schaffensreichen Leben gerissen.
An seine Lebens- und Wirkungsgeschichte und seine großen Verdienste um den Umweltschutz in der Uckermark, in Brandenburg und deutschland- und europaweit, erinnerten sich Weggefährten, Kollegen, Freunde und Familie bei einer bewegenden Gedenk- und Trauerfeier in Angermünde. Über 200 Gäste waren in die Altstadthalle Angermünde gekommen, um Abschied von einem Mann zu nehmen, der als Mensch und dessen Lebenswerk unvergessen bleibt und weit in die Zukunft wirkt.
Prominente wie Matthias Platzeck und Axel Vogel in Angermünde
Darunter waren auch viele Prominente, wie Brandenburgs Ministerpräsident a. D. Matthias Platzeck (SPD), der ehemalige Umweltminister Axel Vogel (Grüne), der Biologe und Umwelt-Pionier Prof. Michael Succow, der Bundestagesabgeordnete Michael Kellner (Grüne) und ehemalige Leiter des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin.

Gedenkfeier in Angermünde: Prof. Michael Succow war schon in der Umweltszene der DDR, in der Wendezeit als Gründer der Großschutzgebiete im Osten und bis zu seinem Tod im März 2025 Wegbegleiter und enger Freund von Eberhard Henne. Er erinnert an gemeinsame Zeiten und Projekte.
Daniela WindolffDie neue Chefin Susanne Winter des Biosphärenreservates moderierte die Veranstaltung einfühlsam. Sie tritt nun neu in große Fußstapfen und führt das Erbe und Vermächtnis von Eberhard Henne gestaltend weiter, der das größte Schutzgebiet in Brandenburg zu einer bundesweit anerkannten Modellregion und Aushängeschild für ein Miteinander von Naturschutz und Landnutzung entwickelte, das vor allem bei den Menschen vor Ort, bei Land- und Forstwirten, Dorfbewohnern und Umweltschützern, zunehmend Akzeptanz fand. Wie gelang das?
Eberhard Henne beschreiben Kollegen und Weggefährten als lösungsorientierten Praktiker, der seine Naturschutz-Visionen nicht ideologisch missionierend umsetze, sondern es verstand, Menschen mitzunehmen, zuzuhören, zu motivieren, mit Geduld und Fachwissen zu überzeugen und Verantwortung zu übertragen. Wer war dieser Mensch?
Als Tierarzt betreute Henne riesige DDR-Betriebe
Dr. Eberhard Henne, der auf einem Bauernhof im Harz aufwuchs, in der DDR Veterinärmedizin studierte und über Wildtiere promovierte, kam 1969 als Tierarzt in den Altkreis Angermünde. Es zog ihn von der Wissenschaft in die Praxis. Doch was er in der intensivierten Landwirtschaft erlebte, erschütterte den leidenschaftlichen Naturschützer. Seit 1960 engagierte er sich im Naturschutz, in der DDR eine mehr oder weniger geduldete Nische.
In Golm im Randow-Welse-Bruch, sollte der junge Tierarzt zwei riesige Rinderanlagen mit je 2.000 Tieren betreuen. Hier traf er Professor Michael Succow, der seit dieser Zeit einer seiner engsten Weggefährten und Freunde wurde. Auf der Trauerfeier für Eberhard Henne erinnert sich der heute deutschlandweit bekannte Umwelt- und Moorschützer.
In der Uckermark verschwand die Großtrappe
Succow musste die Uni verlassen, weil er sich 1968 gegen den Einmarsch der Armee in die Tschechoslowakei positionierte. Er wurde in die Produktion geschickt, musste in der Randow-Welse-Niederung Flächen für großangelegte Meliorations-Projekte kartieren. So begegneten sich die beiden. Eine Freundschaft, die bis zum Tod hielt. „Moore sollten ausbluten,“ so hieß es in der DDR. Henne und Succow beobachteten erschüttert die Folgen für Natur und Umwelt.
Die Großtrappe, die Eberhard Henne leidenschaftlich erforschte und fotografierte, verschwand, die Landschaft trocknete aus. Auf seine Intervention antwortete ihm ein SED-Funktionär: „Bist Du für die Großtrappe oder den Frieden?"
Wie Henne und Succow SED-Funktionäre überzeugten
Dennoch schafften es die beiden Umweltpioniere, sogar SED-Funktionäre zu überzeugen, wenigstens kleinere Flächen zu retten: „Wenn wir den Kommunismus erhalten wollen, müssen wir auch was für die Natur machen“, erinnert sich Succow an das schlagende Argument, das die Funktionäre rührte.
Doch als Opposition in der DDR sahen sie sich nicht. „Wir wollten nie in den Westen gehen, sondern in unserer Heimat wirken. Wir waren Teil des Systems, sahen aber die Probleme und menschliches Versagen“, erzählte Michael Succow im Andenken an Eberhard Henne. Dabei ging es ihnen nicht um idyllische Utopien einer unberührten Natur, sondern um eine nachhaltigere Bewahrung der Kulturlandschaft, um Schützen durch Nutzen.

Bewegender Abschied in Angermünde: Beate Blahy (l.), Witwe und Gefährtin des verstorbenen Eberhard Henne, dankt nach der Trauerfeier auch Axel Vogel als langjährigen Weggefährten für seine Worte des Gedenkens.
Daniela WindolffIn der DDR engagierten sie sich in der Gesellschaft für Natur und Umwelt im Kulturbund, deren Vorsitzender Eberhard Henne in Angermünde war, stets argwöhnisch beobachtet von der Stasi.
Henne sprach die Sprache der Menschen vor Ort
Henne war Kreisnaturschutzbeauftragter, arbeitete schon in der DDR mit an einem Nationalparkprogramm und wurde1990/91 Wende Dezernent für Naturschutz, Umweltschutz, Tourismus und Jagd in der neugebildeten Kreisverwaltung Angermünde. Er hatte mit Landwirten und Naturschützern zu tun, mit Verwaltungen und mit Einwohnern.
Henne sprach ihre Sprache, ohne sich zu verbiegen. Das Angebot, Landrat zu werden, schlug er aus. Er wollte Praxis statt Macht, erinnert sich Weggefährte und Kollege Ulrich Meßner, Leiter des Nationalparks Müritz.

Trauerfeier in Angermünde für den Gründer des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin, Eberhard Henne (1943-2025): Gäste tragen sich in das Kondolenzbuch ein.
Daniela WindolffIn der Umbruchzeit der Wende schafften es Henne, Succow, Meßner und weitere Mitstreiter einer fast eingeschworenen Umweltschützer-Gemeinschaft, die Landschaften des Ostens mit den großen Staatsjagdgebieten und Truppenübungsplätzen vor dem Ausverkauf zu retten.
Staatsjagd in der Schorfheide wurde Naturschutzgebiet
Sie nutzten in fast abenteuerlicher Weise die kurze rechtlose Zeit, um Großschutzgebiete festzulegen, ein Traum, für den sie in der DDR jahrelang gegen Mauern stürmten. Sie formulierten Schutz-Kategorien, die man im Westen nicht kannte. Dass dies neben Ampelmännchen und Grüner Pfeil in den Einigungsvertrag übernommen wurde, ist das historische Verdienst von Henne und seinen damaligen Weggefährten.
1991 wurde Eberhard Henne Leiter des ein Jahr zuvor gegründeten Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin, mit 1.200 Hektar größer als Berlin, aber hundertmal dünner besiedelt. Dem neuen Chef gelang es durch Pragmatismus, Ehrlichkeit, große Menschenkenntnis und geniale Netzwerkarbeit, die anfänglich heftigen Widerstände von Landeigentümern und Nutzern zu glätten, die sich nicht mitgenommen fühlten.
Das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin ist inzwischen zur bedeutendsten Modellergion mit vielfältigster Biodiversität und dem größten Ökoanbaugebiet in ganz Deutschland geworden,m hob Professor Succow hervor.
Eberhard Henne wurde Leiter des 1. Biosphärenreservates
Es brauchte eine Führungspersönlichkeit wie Henne, um das Biosphärenreservat in dieser Dimension und Akzeptanz, die es heute hat, aufzubauen, würdigte es Axel Vogel, der als Chef der Landesanstalt für Großschutzgebiete (LAGS) und später Minister für Umwelt in Brandenburg, zwar viele Jahre Hennes Vorgesetzter war, doch viel von ihm lernte, sowohl fachlich als auch menschlich, gesteht Axel Vogel: „Eberhard Henne war selbst ein Chef, der alle mitzog, motivierte und seinen Mitarbeitern Freiräume ließ, in der Selbstverantwortung wuchs."
1998 war Henne übergangsweise für ein Jahr Umweltminister in Brandenburg. Er war SPD-Mitglied und ein politisch denkender Mensch, aber kein Politiker. Er wollte zurück an die Basis, in die Praxis.
Bis 2017 war Eberhard Henne Leiter der „Biosphäre“ mit Sitz in Angermünde. Hier lebte er mit seiner Frau, Weggefährtin und Seelenverwandte Beate Blahy im Ortsteil Steinhöfel.
Ehrenamtlich engagierte er sich weiter in zahlreichen Vereinen und Projekten, vom Landschaftspflegeverein Uckermark-Schorfheide, den er als ersten in Ostdeutschland gegründet hatte, über den internationalen Dachverband Nationale Naturlandschaften Europarc bis zu regionalen Vereinen wie der Unesco-Club Joachimsthal.
Dieser Projekte gründete Eberhard Henne
Unzählige weitere Projekte und Initiativen tragen die Handschrift von Eberhard Henne bzw. wurden von ihm gegründet: Besucherzentren in Schutzgebieten, die Naturwacht, das Prüfzeichen des Biosphärenreservates, die Einrichtung der ersten und größten gentechnikfreien Zone, in der konventionelle und ökologische Landwirte zusammenarbeiteten, entwickelte das Moorprojekt Sernitz, etablierte die Lehrschäferei Friedrichsfelde, begründete Kooperationen mit der Hochschule Eberswalde usw.
Es sei eine Lebensleistung, die seinesgleichen sucht, würdigte Axel Vogel. Dabei war Eberhard Henne persönliche Karriere nicht wichtig. Er blieb bescheiden, nahbar und vor allem humorvoll. Sein Erfolg sah er immer als Erfolg des gesamten Teams an, betonen seine ehemaligen Mitarbeiter. Das ist heute einer der größten Herausforderungen und zugleich Ansporn und Vorbild als neue Leiterin des Biosphärereservates, sagt Susanne Winter.
Findling als Gedenkstein für Eberhard Henne
An Eberhard Henne soll künftig nicht nur sein Lebenswerk, sondern auch ein Findling erinnnern, plant Michael Succow. Er soll an einem Wanderweg in der Natur stehen, die Henne zeitlebens liebte und schützte. Als möglicher Standort käme eine Anhöhe in Stegelitz in der Nähe seines Heimatdorfes in Frage. Von hier aus könnte er und können Wanderer in die Landschaft blicken, die Eberhard Henne über 50 Jahre lang bewahrte und prägte.





