Grenze bei Schwedt: Legal – illegal, was in Polen erlaubt und was verboten ist

Rechtliche und kulturelle Unterschiede diesseits und jenseits der Oder. Was gibt es zu beachten?
Stefan Sauer/dpaLegal, illegal, ganz egal? Was ist erlaubt und was ist verboten, wenn Tagesausflügler oder Pendler bei Schwedt über die Grenze fahren? Worauf müssen die Deutschen achten, damit sie in Polen nicht ins Fettnäpfchen treten oder gar auf rechtliche Abwege geraten – ganz ungewollt selbstverständlich. MOZ.de hat sich einmal auf die Suche begeben, was Deutsche und Polen und Deutschland von Polen unterscheidet.
Das deutsche Recht und das polnische Recht sind in einigen Punkten sehr unterschiedlich. Es gibt auch ungeschriebene Regeln, die sich aus den örtlichen Gewohnheiten ergeben und ebenfalls unterschiedlich sind. Es ist daher wichtig zu wissen, was auf der anderen Seite der Oder erlaubt ist und was man besser vermeiden sollte. Andernfalls riskiert man nicht nur Unannehmlichkeiten, sondern muss ganz unvermeidlich auch mit hohen Strafen rechnen. Es ist also wichtig zu wissen, was man auf beiden Seiten der Oder besser nicht tut.
Was man auf beiden Seiten der Oder besser vermeiden sollte
Die meisten Verstöße können auf Nervosität, mangelnde Sprachkenntnisse oder mangelndes kulturelles Verständnis zurückgeführt werden. Denn trotz der engen Nachbarschaft gibt es doch immer wieder deutliche Unterschiede. Wer hier nicht aufpasst, kann auch mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten – und zwar beidseits der Grenze.
Als Gesetzeshüter sind in Deutschland und Polen gleichermaßen Polizisten unterwegs. Schlimmstenfalls können Verstöße vor einem Gericht enden. Ein Beispiel aus dem Alltag ist die Beleidigung anderer Verkehrsteilnehmer. Auf den ersten Blick mag dies eine kulturelle Frage sein. Es ist einfach nicht angemessen, andere Menschen zu beleidigen. In Deutschland kann ein solches Verhalten jedoch vor Gericht geahndet werden, da Beleidigungen bereits strafbar sind und es auf die Schwere der Beleidigung ankommt.
Das Verhalten im Straßenverkehr auf beiden Seiten der Oder
In Polen ist das Verhalten im Straßenverkehr oft rücksichtsloser und gibt viele Autofahrer, denen Beleidigungen nicht nur leichter über die Lippen gehen, sondern gestenreich unterstrichen werden. Polnische Autofahrer können dabei schnell ein Temperament entwickeln, bei dem sie stereotypen Italiener in nichts nachstehen. In Polen gibt es – anders als diesseits der Grenze – keine Strafen für ein solches Verhalten. Das Zeigen des Mittelfingers kann in Deutschland schon einmal kostspielig werden. In Polen folgt auf solche Gesten allenfalls eine ähnliche gestenreiche Reaktion. Vor dem Kadi landet dort deswegen niemand.
„Es sollte auch daran erinnert werden, dass das Fahren unter Alkoholeinfluss in Polen strafbar ist“, sagt Pressesprecher des Polizeipräsidenten des Bezirks Gryfino Jakub Kuzmowicz. „Die Promillegrenze für den Straßenverkehr liegt in Polen bei 0,2 Promille“, erklärt er weiter. Der Wert ist damit deutlich strenger als in Deutschland. Wer hierzulande mit unter 0,5 Promille Alkohol im Blut unterwegs ist, muss nur mit Ahndung rechnen, wenn sie oder er sich in diesem Zustand im Straßenverkehr bereits etwas hat zu schulden kommen lassen. Andernfalls wünschen Polizisten auch nach einer Kontrolle freundlich: „Gute Weiterfahrt.“ Damit es schwieriger wird, den humanen Alkoholpegel in Polen über die 0,2 Promille-Grenze zu haben, ist der Verkauf von Alkohol zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens verboten.
Deutsche, die in Polen in eine Polizei-Kontrolle geraten, sollten wissen, dass es bei unseren Nachbarn eine Beleidigung darstellt, die Beamten mit „du“ anzusprechen. Polizisten zu „Siezen“ gehört in Deutschland zwar ebenfalls zur guten Kinderstube, aber nicht jeder Verkehrsteilnehmer zeigt gegenüber den Uniformierten, dass sie oder er diese tatsächlich genossen haben.
Der Unterschied besteht indes darin, dass das „Duzen“ auf der anderen Seite der Oder mit einem Bußgeld bestraft werden kann, sagt Jakub Kuzmowicz.
„In Polen gibt es zudem eine gesetzliche Vorschrift, die besagt, dass Autofahrer immer das Licht einschalten müssen, unabhängig von den Lichtverhältnissen“, erklärt der Pressesprecher des Gryfinoer Polizeipräsidenten weiter. In Deutschland sei dies nur bei schlechter Sicht oder Dunkelheit erforderlich.
Rechtliche und kulturelle Unterschiede
Einheitlich für ganz Polen gilt: Wer sein Auto vor dem Haus wäscht, riskiert ein Bußgeld. In Deutschland ist das Waschen des Autos auf einem Privatgrundstück nicht generell verboten, kann aber ebenfalls zu einer hohen Geldstrafe führen. Es kann gegen das Wasserhaushaltsgesetz verstoßen und bereits Strafen für die Verschmutzung von Grundwassers geben. Laut Bußgeldkatalog können in Brandenburg dafür zwischen 25 und 50.000 Euro fällig werden. In Berlin gibt es laut Stadtverwaltung Bereiche, in denen das Waschen des eigenen Fahrzeugs erlaubt ist.
Die einzelnen Bundesländer haben überall ihre eigenen lokalen Vorschriften, die das Waschen von Autos auf Privatgrundstücken verbieten können. Es ist daher ratsam, sich über die örtlichen Vorschriften beim Autowaschen zu informieren.
Die Störung der Ruhe am Sonntag
Die Achtung der Ruhe und des Friedens eines anderen ist nicht nur eine Frage der Kultur und der Rücksichtnahme. In Deutschland ist das Recht auf Sonntagsruhe hierzulande sogar im Grundgesetz verankert, und zwar in Artikel 140, anders als in Polen. Die Sonntagsruhe gilt daher als heilig und wird im Zweifel streng durchgesetzt. Selbst eine zu laute Waschmaschine oder ein Staubsauger können Probleme mit lärmempfindlichen Nachbarn verursachen.
Bei polnischen Nachbarn ist der Sonntag ein Tag, an dem viele Arbeiten erledigt werden, und niemand wundert sich über den Lärm einer Bohrmaschine oder laute Musik und Geschrei. Die Störung der Mittagspause, einer beliebten Ruhezeit, die einer Siesta gleichkommt, wird in Deutschland sehr kritisch gesehen. Auf der anderen Seite der Oder gibt es kaum eine Mittagspause.
Pilze sammeln am Straßenrand
Obacht gilt in Polen auch gerade zu dieser Jahreszeit, in der das Sammeln von Pilzen hoch im Kurs steht: In Polen sieht man im Herbst oft Autos am Straßenrand, deren Insassen zum Pilzesammeln gefahren sind. In Deutschland kann das Sammeln von Pilzen auch schon einmal teuer werden. Denn, wenn man gegen die Naturschutzbestimmungen verstößt, kann ein Bußgeld verhängt werden. Außerdem ist die Menge an Pilzen, die gesammelt werden dürfen, begrenzt. Hier tappen zuweilen polnische Staatsbürger in die Falle.
Denn mehr als zwei Kilo pro Person und Tag dürfen in Deutschland nicht gesammelt werden. Wer doch auf mehr aus ist, benötigt eine Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde. Es ist ratsam, die Vorschriften, des betreffenden Landes hüben wie drüben sowie die kulturellen Unterschiede zu beachten, um rechtliche und finanzielle Probleme zu vermeiden.


