Handwerk in Angermünde: Warum Bäcker Klaus Schreiber ausgezeichnet wurde

Ehrung für Bäckermeister Klaus Schreiber (l.) aus Angermünde: Siegfried Schön von der Handwerkskammer Ost-Brandenburg (2.v. r.) überreicht ihm die Goldene Ehrennadel des Handwerks mit Urkunde, eine besondere Auszeichnung für langjährige besondere Verdienste um das Handwerk. Sie wird sehr selten verliehen. In der Mitte: Konditormeister Dario Schäpe aus Schwedt.
Daniela Windolff- Bäckermeister Klaus Schreiber aus Angermünde erhielt die Goldene Ehrennadel des Handwerks.
- Die Auszeichnung würdigt seinen Einsatz für Nachwuchs, Öffentlichkeitsarbeit und Tradition.
- Schreiber betreibt „Schreibers Backstube“ und ist der letzte Handwerksbäcker in Angermünde.
- Mit Aktionen wie Projekttagen und Backevents begeistert er Kinder und stärkt das Handwerk.
- Trotz Herausforderungen engagiert er sich für die Altstadtbelebung und politische Lobbyarbeit.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Handwerk hat goldenen Boden, heißt es im Volksmund. Doch der ist in den vergangenen Jahren für viele Handwerker und Branchen sehr blass und dünn geworden. Gerade im Bäckerhandwerk haben viele, vor allem kleine Familienbetriebe aufgegeben. Doch auf einen Bäckermeister aus der Uckermark fällt nun zumindest ein kleiner goldener Schein: Klaus Schreiber aus Angermünde wurde jetzt mit der Goldenen Ehrennadel des Handwerks ausgezeichnet, eine hohe Ehrung, die die Handwerkskammer Ost-Brandenburg nicht oft verleiht.
Womit hat sich der Angermünder Bäcker das verdient? „Klaus Schreiber hat sich seit vielen Jahren um die Bewahrung, Wiederbelebung und Wertschätzung des Handwerks verdient gemacht. Vor allem in der Nachwuchsgewinnung und Öffentlichkeitsarbeit hat er in der Branche Zeichen gesetzt und Großes geleistet“, würdigt Siegfried Schön von der Handwerkskammer Ost-Brandenburg und selbst Handwerksmeister.
Goldene Ehrennadel für Klaus Schreiber aus Angermünde
Katrin Grothe, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Uckermark, kennt Klaus Schreiber seit vielen Jahren auch als engagierten Innungsmeister, der „die Interessen des Bäckerhandwerks leidenschaftlich vertritt. Klaus Schreiber lebt das Handwerk, hält trotz vieler Widrigkeiten und Probleme durch und bildet Nachwuchs aus. Und er begeistert wie kaum ein anderer seit vielen Jahren auch Kinder für traditionelle Backkunst und gesunde Ernährung“, sagt Katrin Grothe.
Der Vorschlag für diese Auszeichnung kommt aus der Kreishandwerkerschaft Uckermark und wurde dann im Auswahlverfahren im Vorstand der Handwerkskammer Ost-Brandenburg geprüft und bestätigt, erläutert Siegfried Schön das Prozedere.
Klaus Schreiber (71) ist eigentlich Lehrer und arbeitete bis kurz nach der Wende in Angermünde in seinem Beruf, unter anderem auch im ehemaligen Pionierhaus im Friedenspark.
Sein Großvater Otto Miers, einer der angeblichen legendären Retter der Stadt, und sein Vater Willi Schreiber waren bekannte Bäckermeister in Angermünde, bis zur Verstaatlichung des väterlichen Betriebes in der DDR. Anfang der 1990er Jahre wagte der Sohn Klaus Schreiber schließlich den Neuanfang in der alten Familientradition, lernte Bäcker, machte seinen Meister und eröffnete mit dem Segen und der Unterstützung seines Vaters 1998 den eigenen Betrieb „Schreibers Backstube“ im ehemaligen Geschäft mit Bäckerei seines Vaters in der Rosenstraße.
Immer mehr Bäcker geben auf
Doch Schreiber musste kleine Brötchen backen und sich immer wieder mit neuen Produkten, Ideen und Standbeinen gegen die immer mächtigere Konkurrenz der Backindustrie, die zahlreichen politischen und bürokratischen Hürden und den steigenden Kostendruck für das Handwerk zu behaupten.
Handwerkliche Qualität hat ihren Preis und den sind nicht mehr alle Kunden bereit oder in der Lage, mitzutragen, musste auch Klaus Schreiber wie viele seiner Berufskollegen oft schmerzlich erfahren. In Angermünde ist er der letzte verbliebene Handwerksbäcker, von einst einem Dutzend. Zuletzt schlossen vor wenigen Jahren die Traditionsbäckereien Schmidt und Barthel, Familienbetriebe, die es schon in DDR-Zeiten gab.
Bäcker Schreiber stand kurz vor der Insolvenz
Auch Schreiber stand das Wasser schon bis zum Hals und er kurz vor der Insolvenz. Doch er hat nicht aufgegeben und ist immer noch da, mit immer wieder neuen Ideen, mit denen er nicht nur das Handwerk, sondern auch die Belebung der Altstadt von Angermünde ankurbeln will.
Als langjähriger Innungsobermeister und jetzt Stellvertreter der Bäckerinnung Uckermark verschafft er dem Handwerk ein Sprachrohr und betreibt politische Lobbyarbeit.
Handwerk fordert mehr Wertschätzung
„Die Wertschätzung des Handwerks und seiner Leistung für Nachhaltigkeit, regionale Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Ausbildung ist in unserer Gesellschaft und in der Politik seit vielen Jahren immer mehr verloren gegangen. Wir erhalten wenig Anerkennung und kämpfen dagegen mit immer mehr Bürokratie, Gesetzen und Kostensteigerungen“, kritisiert Klaus Schreiber.
Was ihm trotz des ständigen Existenzkampfes und der alltäglichen Arbeit allerdings immer am Herzen lag und liegt, ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Projekttage und Führungen in der Angermünder Backstube
Klaus Schreiber bildet nicht nur selber aus. Er bietet Praktika und Projekttage an, lädt regelmäßig Kitagruppen und Schulklassen in seine Backstube ein, bäckt mit ihnen gemeinsam, zeigt, wo Rohstoffe und Lebensmittel herkommen und wie sie verarbeitet werden und vermittelt dabei praktisch und spielerisch Wissen über gesunde Ernährung, Lust am Backen und Wertschätzung handwerklicher Qualität und des Geschmack.
Damit erschöpfen sich Schreibers Aktivitäten noch lange nicht. Mit Veranstaltungen wie Tag der offenen Backstube, lange Nacht des Backens, mit dem mobilen Backofen, regelmäßige Teilnahmen an öffentlichen Qualitätsprüfungen der Bäckerinnung, Sponsoring und mehr, versucht Klaus Schreiber Handwerk stärker sichtbar zu machen und den Handel in der Angermünde Altstadt zu beleben.
So viel Engagement über das eigentliche Brotbacken hinaus ist der Handwerkskammer nun diese Auszeichnung mit der goldenen Ehrennadel wert, die nun die „Goldene Brezel“ in der Backstube ergänzt. Klaus Schreiber bleibt bescheiden und ist fast ein wenig verlegen: „Ich freue mich, aber ich mache all diese Dinge ja nicht für eine Auszeichnung.“ Ansporn sei es dennoch für ihn, noch ein wenig weiterzumachen, obwohl er sich schon längst zur Ruhe setzen wollte.





