Krankenhaus Angermünde
: Demo gegen Sparpläne – Landrätin erntet Buhrufe und Pfiffe

Angermünde erlebte die bisher größte Demo seit der Wende. Gegen die Sparpläne der GLG formiert sich eine breite Bürgerbewegung. Hier sind Stimmen, Meinungen, Argumente von Teilnehmern.
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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Angermünde demonstriert gegen die beabsichtigte Schließung der Klinik für Innere Medizin. Mehr als 1.200 Teilnehmer versammelten sich auf dem Marktplatz.

Angermünde demonstriert gegen die beabsichtigte Schließung der Klinik für Innere Medizin. Mehr als 1.200 Teilnehmer versammelten sich auf dem Marktplatz.

Daniela Windolff
  • Über 1.300 Menschen protestierten in Angermünde gegen die Schließung der Klinik für Innere Medizin.
  • Olaf Theiß (SPD) kritisiert die GLG für fehlende Transparenz und wirtschaftliche Misswirtschaft.
  • Demonstranten warnten vor negativen Folgen für Patienten und die Gesundheitsversorgung.
  • Junge Ärzte äußerten Bedenken über den Fachkräftemangel in der Region.
  • Landrätin Karina Dörk versprach, sich für den Erhalt des Krankenhauses einzusetzen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Wut ist groß. Mehr als 1.300 Menschen aus Angermünde und der Region protestierten bei der bisher größten Demo der Stadt gegen die Pläne der GLG-Führung, die Klinik für Innere Medizin zu schließen. Mit Plakaten, Sprechchören und Ansprachen verschafften sich die Menschen Gehör. Was treibt sie an? Was fordern sie? Das sind Stimmen von der Protestkundgebung am 19. Dezember 2024:

Der Stadtverordnete und Kreistagsabgeordnete Olaf Theiß (SPD) findet harte Worte: „Dass weder wir als Kreistag noch der Aufsichtsrat im Vorfeld über die Wirtschaftspläne und Strukturveränderungen von der GLG-Geschäftsführung informiert wurden, ist eine arglistige Täuschung!“, empört sich Theiß und führt aus: „Das Krankenhaus Angermünde schreibt schwarze Zahlen. Die größten roten Zahlen von über 10 Millionen Euro Defizit schreibt das Krankenhaus Eberswalde und dafür soll Angermünde nun das Bauernopfer sein. Nicht mit uns!“, sagt Olaf Theiß unter dem Beifall der Demonstranten.

Abgeordneter aus Angermünde wirft GLG Täuschung vor

Die zeigen Schilder mit Aufschriften wie: „Krankenhausabbau gefährdet Leben“, „Gesundheit ist keine Ware“, „Wir retten Leben, wer rettet uns? “, „Nur zusammen sind wir stark für die große Uckermark“, „Alarmstufe Rot, Krankenhäuser in Not“ oder „Psychiatrie ohne Innere Medizin macht keinen Sinn“.

Angermünde demonstriert gegen die beabsichtigte Schließung der Klinik für Innere Medizin. Mehr als 1.200 Teilnehmer versammelten sich auf dem Marktplatz. Bürger haben Plakate mitgebracht.

Angermünde demonstriert gegen die beabsichtigte Schließung der Klinik für Innere Medizin. Mehr als 1.200 Teilnehmer versammelten sich auf dem Marktplatz. Bürger haben Plakate mitgebracht.

Daniela Windolff

Dazu erhebt auch der Chefarzt Dr. Lorenz Gold der Klinik für Psychiatrie am Krankenhaus Angermünde die Stimme. Die Strukturanpassungen der GLG sehen nämlich vor, am Standort Angermünde nur die Psychiatrie als Fachkrankenhaus zu belassen. „Das gefährdet eine der größten Errungenschaften im Gesundheitswesen der Bundesrepublik, die Psychiatriereform. Die wird in Angermünde seit Jahren vorbildlich umgesetzt“, so Gold.

Durch Angliederung psychiatrischer Abteilungen an Allgemeinkrankenhäuser werde nicht nur eine ganzheitliche, interdisziplinäre Versorgung mit internistischen Behandlungen, auch in Notfällen gesichert, einschließlich umfassender Diagnostik, ITS und Notfallmedizin gesichert, sondern vor allem auch die Gleichstellung psychiatrischer Patienten mit Allgemeinpatienten, erklärt Dr. Gold. Die GLG-Pläne bedeuten einen Rückfall in die menschenunwürdige Anstaltspsychiatrie.

Krankenhaus Angermünde gilt als Leuchtturmprojekt

Das befürchtet auch Ulrike Schmoldt, Sozialarbeiterin im Krankenhaus Angermünde: „Angermünde ist mit der Kombination von Psychiatrie und Innerer Medizin ein Leuchtturmprojekt und Vorbild für ein zukunftsfähiges Konzept ganzheitlicher Versorgung.“

Angermünde demonstriert gegen die beabsichtigte Schließung der Klinik für Innere Medizin. Bei der Kundgebung spricht auch der Chefarzt der Psychiatrie, Dr. Lorenz Gold.

Angermünde demonstriert gegen die beabsichtigte Schließung der Klinik für Innere Medizin. Bei der Kundgebung spricht auch der Chefarzt der Psychiatrie, Dr. Lorenz Gold.

Daniela Windolff

Vor den mehr als 1.200 Demonstranten sprachen auch junge Ärzte der Klinik für Innere Medizin und klagen die GLG-Geschäftsführung an, dass die Angermünder Pflegekräfte im Gegensatz zu den Kollegen in Eberswalde seit Jahren keine Gehaltserhöhungen bekommen haben, was zu Personalmangel und Mindereinnahmen führe.

Die jungen Ärzte fragen empört:  „Wo ist das Sanierungskonzept für Eberswalde? Warum sollen wir in Angermünde die Leidtragenden dieser wirtschaftlichen Misswirtschaft sein? Was wird aus der Lungenheilkunde in Angermünde? Im Forßmann-Krankenhaus Eberswalde gibt es keine Lungenfachärzte. Schon jetzt müssen viele Patienten aus dem Umland weite Wege zu uns zurücklegen. Ohne Angermünde sind das dann über 70 Kilometer, und das mit Luftnot!“, klagen die Mediziner an.

Junge Ärzte fürchten noch Verschärfung des Fachkräftemangels

Zudem verweisen sie darauf, dass diese Pläne zu weiterem Ärztemangel in der Uckermark führen werde. Das Krankenhaus Angermünde bildet seit Jahren erfolgreich junge Mediziner aus, von denen auch viele in der Region bleiben. Das würde wegfallen und auch niemand mehr dazukommen: „Wer bewirbt sich in einem Krankenhaus, das abgewickelt werden soll?"

Angermünde demonstriert gegen die beabsichtigte Schließung der Klinik für Innere Medizin. Auf der Kundgebung sprachen auch junge Ärzte der Angermünder Klinik.

Angermünde demonstriert gegen die beabsichtigte Schließung der Klinik für Innere Medizin. Auf der Kundgebung sprachen auch junge Ärzte der Angermünder Klinik.

Daniela Windolff

Während die Ärzte mit Beifall und Jubel der Menge bedacht werden, erntet Uckermark-Landrätin Karina Dörk (CDU) Pfiffe und Buhrufe.

Als Mitgesellschafterin der GLG, der Landkreis Uckermark ist zu 25 Prozent am Unternehmen beteiligt, hat sie Einfluss auf die Entscheidungen des Aufsichtsrates und der Geschäftsführung mit.

Buhrufe für Landrätin der Uckermark

Die wütenden Angermündern versucht sie zu beruhigen: Es ist unglücklich, dass schon über Sanierungspläne diskutiert wird, obwohl noch gar nicht klar ist, ob Angermünde betroffen sein wird", redet sie gegen den Bürgerprotest an. „Die Klinik in Angermünde ist exzellent und Chefarzt Dr. Arntzen eine Koryphäe.“

Sie verteidigt sich, nicht in die Pläne der GLG-Geschäftsführung involviert gewesen zu sein. „Ich soll jetzt dafür gerade stehen, dabei müssten hier ganz andere Leute stehen“, erklärt Karina Dörk.

Landrätin will sich für Klinik in Angermünde einsetzen

Doch sie wolle sich den Menschen stellen, weil sie wisse, dass der Erhalt des Krankenhauses in Angermünde ein sehr emotionales Thema sei: „Ich verspreche nicht, dass sich nichts ändert, Aber ich verspreche, dass ich mich mit all meinen Möglichkeiten dafür einsetzen werde, dass ich das, was für die Klinik möglich ist, auch heraushole. Es ist für Angermünde noch nichts entschieden", verkündet die Landrätin vor über 1.000 Menschen auf dem Marktplatz in Angermünde und warb um Vertrauen, ehe ihre Rede im Lärm der Demonstranten unterging.

Michael Zaske, Abteilungsleiter im Brandenburger Gesundheitsministerium, wirbt ebenso um Vertrauen und fordert bei allen Entscheidungen Transparenz. Er habe sich immer für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Krankenhausstandorte eingesetzt und findet das Angebot der Angermünder Bürgermeisterin Ute Ehrhardt, alle an einen Tisch zu holen, sehr gut: Ich werde mich persönlich daran beteiligen, verspricht Zaske öffentlich.

Bürgermeisterin von Angermünde fordert Runden Tisch

Ute Ehrhardt kündigte an, gemeinsam eine Petition an die Kreistage Barnim und Uckermark zu verabschieden, um für den Erhalt der Klinik in Angermünde zu kämpfen. Es gehe um das fundamentale Recht einer adäquaten Gesundheitsversorgung vor Ort. Man stehe noch am Anfang, habe viele zu tun, werde aber, gestärkt durch den großen Zusammenhalt der Bürger, der Kommunalpolitiker, Gewerkschaft und Krankenhausmitarbeiter nicht locker lassen, um eine bestmögliche Lösung für Angermünde zu finden, so Ehrhardt.

Bürgermeister von Prenzlau kündigt ebenfalls Protest an

Ihr Prenzlauer Amtskollege Hendrik Sommer, der auch zur Demo nach Angermünde kam, kündigte Protestaktionen auch in seiner Stadt an. "Wir sitzen mit unserem Krankenhaus im selben Boot und wollen nicht untergehen", so Sommer.

Die Politik sei in der Verantwortung, die Gesundheitsversorgung nicht kaputtzusparen. „Die Wege für Patienten auf dem platten Land sind weiter als in Berlin.“ Die Uckermark müsse zusammenhalten und er hofft, dass auch viele Angermünder nach Prenzlau zur Demo kommen werden, sagt Sommer unter Beifall der Menge.