Krankenhaus Prenzlau und Angermünde: Landkreis beschließt Rettungsplan für GLG-Kliniken

Die Innere Medizin des Klinikums Angermünde soll gestrichen werden, genauso wie die ITS in Prenzlau. Eine Sondersitzung des Kreistages Uckermark wollte die Zukunft der Krankenhäuser sichern.
Daniela Windolff- Politiker beschließen Rettungsplan für Krankenhäuser in Prenzlau und Angermünde.
- GLG Kliniken in finanziellen Schwierigkeiten, Innere Medizin in Angermünde wird geschlossen.
- Kreistag Uckermark sichert finanzielle Unterstützung für Prenzlau, 2 Mio. Euro jährlich.
- Arbeitsgruppe zur Sicherung der medizinischen Versorgung wird gebildet.
- Kritik an fehlender Kommunikation der GLG, Unsicherheiten bei Personal und Bevölkerung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die GLG Kliniken in der Uckermark stehen vor großen finanziellen Herausforderungen. Betroffen sind das Kreiskrankenhaus in Prenzlau und das Krankenhaus in Angermünde. Ein drohendes millionenschweres Defizit macht eine Umstrukturierung von Gesundheitsleistungen erforderlich.
Die geplanten Sanierungsmaßnahmen des privaten Betreibers, der Gesellschaft für Leben und Gesundheit mbH (GLG), sehen die Schließung mehrerer Abteilungen vor. Auch wenn alle Schritte nicht sofort umgesetzt werden sollen, sorgen die Pläne doch für eine große Verunsicherung bei den Menschen in der Region, die Patienten und nicht zuletzt auch beim Personal. In der heißen Phase des Bundestagswahlkampfes initiierte die AfD einen Sonderkreistag, um nach Lösungen für die medizinische Versorgung zu suchen.
Hohe Fördersumme für das Krankenhaus Prenzlau
Die Vorlage im Wahlkampf nutzend, schickte Landrätin Karina Dörk (CDU) unmittelbar vor der Sitzung einen Antrag ins Rennen, der eine umfangreiche Unterstützung der Kliniken in der Uckermark an den Standorten Prenzlau und Angermünde vorsieht. Die Landrätin betonte in der Sitzung die Bedeutung der stationären Abteilungen Innere Medizin, Chirurgie, Geriatrie sowie einer Intensivstation für die Notfallversorgung.
Nach vier Stunden hitziger Debatte mit reichlich Wahlkampfgerassel beschlossen die Politiker schließlich unter anderem eine finanzielle Unterstützung von bis zu zwei Millionen Euro jährlich in den Jahren 2025 und 2026 für das Kreiskrankenhaus Prenzlau. Dort ist Handlungsbedarf dringender als in Angermünde. Denn in der ostuckermärkischen Kleinstadt sind die Strukturmaßnahmen erst für die Jahre ab 2027 geplant.
Beschluss des Kreistags und Auftrag an die Landrätin
Die Abgeordneten erteilten der Landrätin als Minderheitsgesellschafterin der GLG den Auftrag, sich für den Erhalt des Prenzlauer Kreiskrankenhauses als Einrichtung der Grundversorgung mit stationären Abteilungen einzusetzen. Zudem ist die Bildung eines Ärztenetzwerks geplant, um die Zusammenarbeit zwischen stationären und ambulanten Angeboten in der Uckermark zu verbessern.
Vorbereitend auf die nächste Phase der Suche nach einer neuen Struktur des Krankenhauses in Angermünde erhielt die Landrätin jedoch auch den Auftrag, schon vorausschauend Maßnahmen und Entscheidungen zum Erhalt der aktuellen Strukturen in Angermünde zu treffen. Dort soll mit Blick auf die Zukunft die Innere Medizin geschlossen werden.
Arbeitsgruppe zur Sicherung des MVZ Uckermark
Ein weiterer wichtiger Beschluss betrifft die Sicherung des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) Uckermark. Die Fraktion CDU/BLR/FDP/PdF reichte einen Antrag ein, der unter anderem die Gründung einer Arbeitsgruppe vorsieht. Diese soll den Prozess begleiten und die medizinische Grundversorgung an den Standorten Prenzlau und Angermünde sicherstellen. Der Kreistag stimmte dem Vorschlag einstimmig zu. „Eine Sternstunde, dass die Landrätin und Bürger hier gemeinsam nach Lösungen suchen“, so Mike Bischoff (SPD).
GLG möchte drohender Insolvenz mit Umstrukturierung vorbeugen
Das vorgestellte Sanierungskonzept der GLG sah vor, ab Mitte 2025 mehrere Klinikabteilungen zu schließen, um Kosten zu reduzieren. Das sorgte für Sorgen bei den Beschäftigten und in der Bevölkerung, zumal die Maßnahmen nicht transparent kommuniziert wurden.
Derzeit befinde sich die GLG mbH mit Sitz in Eberswalde zwar nicht in einer wirtschaftlichen Schieflage und ist laut eigenen Angaben in der Lage, die geplanten Sanierungsmaßnahmen umzusetzen. Dennoch warnt Robert Schindler, Konzernpflegedirektor der GLG, vor einer drohenden Insolvenz, sollte das bestehende Geschäftsmodell beibehalten werden.
Umstrukturierung der medizinischen Versorgung unabdingbar
Welche andere Möglichkeit also gibt es, als umzustrukturieren? Die geplante Krankenhaussanierung wurde zwar von der AfD lautstark kritisiert, ein konstruktiver Lösungsvorschlag allerdings blieb aus. Dafür gelang es der Partei, mit der Einberufung des Sonderparteitags, in der Wahlkampfphase Aufmerksamkeit zu generieren.
Michael Zaske, Abteilungsleiter im Ministerium für Gesundheit und Soziales Brandenburg, betonte die Notwendigkeit von Reformen im Krankenhauswesen. Angesichts der wirtschaftlichen Verluste, die derzeit 80 % der Krankenhäuser bundesweit betreffen, seien Veränderungen unumgänglich.
Steigende Kosten bei Personal und Material sowie eine sinkende Inanspruchnahme von Krankenhausleistungen durch Patienten machen Anpassungen notwendig. Zaske unterstrich, dass die Sicherheit von Patienten und den Beschäftigten hierbei immer oberste Priorität haben muss.
Kommunikation des Krankenhausmanagements sorgt für Kritik
Neben den finanziellen Schwierigkeiten sorgte auch die unzureichende Kommunikation der GLG für Unmut. Weder Mitarbeitende noch die Bevölkerung wurden frühzeitig über Art und Umfang der geplanten Umstrukturierungen informiert. Auch der Kreistag erhielt keine rechtzeitigen Hinweise zur wirtschaftlichen Schieflage und den vorgesehenen Sanierungsmaßnahmen.
Der Kreistag Uckermark hat einen wichtigen Schritt zur Sicherung der medizinischen Grundversorgung in Prenzlau unternommen. Die finanzielle Unterstützung und die geplanten Maßnahmen, darunter die Einrichtung einer Arbeitsgruppe zur Sicherung des MVZ Uckermark, sollen gewährleisten, dass die Bevölkerung auch künftig auf eine umfassende medizinische Betreuung vor Ort vertrauen kann.
Allerdings zeigt der Fall auch, welche Probleme durch mangelnde Transparenz entstehen können. Die späte Kommunikation der GLG führte zu Unsicherheiten unter den Mitarbeitenden und in der Bevölkerung, die die AfD mit der Einberufung des Sonderkreistags zur Zeit des Wahlkampfs nutzte.
Offen bleibt nach der turbulenten Sitzung, ob sich der Rettungsplan auch umsetzen lässt. Denn die Landrätin ist zwar über den Landkreis Uckermark Teil der Gesellschafter. Allerdings ist der Landkreis Barnim im Besitz von mehr als 70 Prozent der Anteile. 3,8 Prozent der Anteile hat die Stadt Eberswalde. Bleiben in Prenzlau 25,1 Prozent.


