Musikschule Angermünde
: Musikunterricht wird teurer – Gebühren werden erhöht

Eltern müssen für den Musikunterricht ihrer Kinder deutlich tiefer in die Tasche greifen. Was ist der Grund? Wird Musikschule ein teurer Luxus? Es gibt eine Lösung.
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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Früh übt sich: Geigenlehrerin Ruth Dynow unterrichtet an der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule auch den kleinen Emil. Die Nachfrage ist groß, sodass die Honorarlehrerin eine zweite Klasse aufmachen konnte. Jetzt kann sie auf eine bessere Bezahlung für ihre engagierte Arbeit hoffen.

Früh übt sich: Geigenlehrerin Ruth Dynow unterrichtet an der Uckermärkischen Musik- und Kusntschule auch den kleinen Emil. Die Nachfrage ist groß, so dass die Honorarlehrerin eine zweite Klasse aufmachen konnte. Jetzt kann sie auf eine besssere Bezahlung für ihre engagierte Arbeit hoffen.

Früh übt sich: Geigenlehrerin Ruth Dynow unterrichtet an der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule Angermünde schon die Jüngsten. Die Nachfrage ist groß. Was treibt die Kosten der Musikschule in die Höhe?

Daniela Windolff
  • Musikschule Angermünde erhöht Gebühren um 25% wegen finanzieller Not durch Herrenberg-Urteil.
  • 500 Kinder, darunter sozial schwache Familien und Flüchtlinge, könnten ihr Hobby verlieren.
  • Stadt Angermünde soll Zuschüsse von 51.000 auf 81.000 Euro erhöhen, Entscheidung am 13. März 2025.
  • Personalkosten steigen um 30-35%, was rund 60.000 Euro mehr bedeutet.
  • Musikschule finanziert sich durch Elterngebühren, staatliche Förderungen und Spenden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Was wäre, wenn die Uckermärkische Musik- und Kunstschule Angermünde (UMKS) schließen müsste? 500 Kinder und Jugendliche, darunter viele aus sozialschwachen Familien, Menschen mit Behinderungen und Flüchtlinge, könnten ihr Hobby Tanzen, Singen oder Musizieren nicht mehr ausüben. Es gebe keine Singklassen mehr. Die Musik-Kita Neukünkendorf, die Erste im Land Brandenburg, müsste ihr Konzept aufgeben.

Das Kulturleben in Angermünde, das die Musikschule mit jährlich über 30 vielfältigen Auftritten, von Benefiz-Konzerten in Dorfkirchen bis zum großen Adventskonzert mit Chören und Orchester, von der Tanz-Gala für Kinder bis zum weltoffenen Tanz-Projekt One Billion Rising, würde ärmer werden. Es fielen zahlreiche Bildungs- und Begegnungs-Projekte der Kinder- und Jugendarbeit und des Bundes-Programms „Kultur macht stark“ für benachteiligte Kinder ersatzlos weg, wie Tanzcamps, Probenlager, Workshops, Wettbewerbe, die allesamt für die Teilnehmer kostenlos sind.

Es gebe keine inklusiven Musikangebote mehr mit behinderten Menschen. Es bräche eine jahrelange enge Kooperation der Musikschulen Angermünde und Stettin, mit Partnern im polnischen Kulice und in Frankreich, ein.

Musikschule bereichert Kulturleben in Angermünde

Es würde viel stiller in Angermünde werden und vielen Familien eine erfüllende Freizeitbeschäftigung und Kindern ein sozialer Hafen fehlen. Gemessen an der Gesamtzahl der Kinder und Jugendlichen in Angermünde von rund 2000 und der Zahl der Musikschüler der UMKS von 500 bedeutet dies, dass etwa jeder vierte junge Angermünder die Angebote nutzt.

Angermünde ohne seine Musik- und Kunstschule, das ist derzeit nur ein theoretisches Szenario, das aber unter den aktuellen Rahmenbedingungen Realität werden könnte. Dabei ist die Einrichtung in Trägerschaft des kleinen gemeinnützigen Vereins Musikfreunde Angermünde e. V. in den 20 Jahren ihres Bestehens immer weiter erfolgreich gewachsen, beliebt bei Familien und bekannt und anerkannt in der Region und darüber hinaus. Was ist das Problem?

Herrenberg-Urteil bringt Musikschulen in finanzielle Not

Nach einem Urteil des Bundessozialgerichts, das sogenannte Herrenberg-Urteil, müssen Musikschulen alle Lehrkräfte, die bisher auf Honorarbasis arbeiten, sozialversicherungspflichtig fest anstellen. Damit soll Scheinselbstständigkeit verhindert und die Musiklehrer besser sozial abgesichert und auch für die Rente vorgesorgt werden. Die Deutsche Rentenversicherung machte 2024 Druck. Bei einer Rentenprüfung drohen sonst saftige Nachzahlungen von SV-Beiträgen und Arbeitgeberanteilen.

Was gerecht und sozial klingt und den Job für gut qualifizierte Fachkräfte attraktiver machen würde, bedeutet jedoch für die meisten Musikschulen eine finanzielle Belastung, die für viele existenzbedrohend wird. Denn Festanstellungen bedeuten höhere Personalkosten. Woher soll das Geld kommen?

Finanzierung der Musikschulen am Limit

Staatlich anerkannte Musikschulen leben von Gebühren der Schüler und von öffentlichen Förderungen und Zuwendungen, gegebenenfalls Spenden oder eigenen Einnahmen, zum Beispiel Eintrittsgelder. Steigen die Ausgaben, müssen Gebühren erhöht, Personal und damit Unterrichtsangebote reduziert, und sogar Lehrkräfte gekündigt werden. Das passiert vielerorts schon. Wie sieht es in Angermünde aus?

Die Uckermärkische Musik- und Kunstschule „Friedrich Wilhelm von Redern“ musste Ende 2024 notgedrungen die Unterrichtsgebühren um 25 Prozent erhöhen. „Das ist eine enorme Steigerung und die oberste Schmerzgrenze, mehr geht nicht, vor allem, weil wir sehr viele Familien mit mehreren Kindern aus mittleren oder geringen Einkommensschichten haben“, sagt Musikschulleiterin Dorothea Janowski.

Musikschule Angermünde will kein Luxusangebot werden

Musikschule darf kein Luxus werden, denn es bedeutet mehr, als Kindern Klavier- oder Gitarrenunterricht zu geben, betont Dorothea Janowski. „Wir leisten mit unseren Angeboten und vor allem den zahlreichen Projekten wichtige kulturelle, gesellschaftliche und soziale Bildungsarbeit für junge Menschen, ermöglichen Teilhabe.“

Dafür wurde die Angermünder Musikschule schon mehrfach ausgezeichnet, hat erheblichen Anteil an der Auszeichnung der Stadt Angermünde als Landmusikort und genießt im Musikschulverband Brandenburg und nicht zuletzt bei Fördermittelgebern, vor allem aber bei den Schülern und Eltern einen sehr guten Ruf.

Wohl deshalb haben nach der Gebührenerhöhung nur eine Handvoll gekündigt. Um die Kosten für Familien einigermaßen sozial verträglich zu halten, gibt es u. a. Geschwisterermäßigungen, Stipendien, Patenschaften und Begabtenförderungen.

Viele kostenlose Angebote für Kinder in Angermünde

Durch aufwändige Fördermittel-Akquise, zum Beispiel bei „Kultur macht stark“ oder der Pomerania, sind die vielfältigen Gruppenprojekte, zum Beispiel der jährliche Austausch in Polen, Probenlager und Ferienangebote, für die Schüler kostenlos. Diese zusätzlichen Projekte leisten die Lehrer überwiegend freiwillig und unentgeltlich, unterstützt von vielen engagierten Eltern. Doch der alltägliche Unterrichtsbetrieb wäre künftig nicht mehr finanzierbar.

Im Schuljahr 2024/25 beschäftigt die Musikschule 19 Lehrkräfte. Mit Schuljahresbeginn 2024/25 wurden 9 mit Teilzeitverträgen festangestellt. 7 arbeiten auf Minijob-Basis. Die Musikschulleitung ist eine Vollzeitstelle. Zwei freiberufliche auswärtige Musiklehrer wollen vorläufig in Honorarverträgen bleiben. Eventuell muss ihnen gekündigt werden.

Personalkosten steigen um 35 Prozent

Insgesamt steigen die Personalkosten 2025 um 30-35 Prozent, das sind rund 60.000 Euro mehr als 2023. Dabei gilt nur ein Haustarif, kein Tarif des öffentlichen Dienstes, wie in Musikschulen kommunaler Träger. Den Mehrbedarf konnte die Musikschule teilweise aus eigenen Rücklagen sowie durch Erhöhung der Eltern-Beiträge stemmen. Doch das reicht nicht, um dauerhaft zu überleben.

Deshalb beantragt der Trägerverein eine Zuschusserhöhung durch die Stadt Angermünde um die offene Differenz von 30.000 Euro von bisher 51.000 auf 81.000 Euro. Darüber muss die Stadtverordnetenversammlung am 13. März 2025 abstimmen. „Diese Differenz kann der Trägerverein allein mit seinen rund 50 Mitgliedern nicht mehr decken. Anderenfalls können wir unsere wichtige und bisher überaus erfolgreiche Bildungs- und Kulturarbeit nicht über das Jahr 2025 hinaus fortsetzen“, bittet Dorothea Janowski um Unterstützung.

So finanziert sich die Musikschule Angermünde

Die Musikschule Angermünde finanziert sich zu 41 Prozent (165.000 im Jahr) Euro aus Gebühren der Eltern. Vom Land erhält sie, abhängig von Schüler- und Stundenzahlen, derzeit jährlich knapp 56.550 Euro Musikschulförderung, sowie rund 45.500 Euro vom Musikschulverband aus dem Programm „Musik macht stark“. Der Landkreis Uckermark beteiligt sich mit insgesamt 51.000 Euro, u. a. für die Musikalische Früherziehung in Kitas. Die Stadt Angermünde unterstützt die Musikschule mietfreien Räumen, sowie bisher mit einer institutionellen Förderung von 51.600 Euro. Hinzu kommen private Spenden, z. B. für Stipendien und Projekte, in Höhe von 15.000 Euro jährlich. Insgesamt hatte die Musikschule bis 2024 ein Ausgaben-Etat von 322.440 Euro, der ab 2025 durch höhere Personalkosten auf 380.000 Euro schnellt.