Bundestagswahl 2025: Das bewegt Menschen in Angermünde nach der Wahl

Bauernproteste in Angermünde 2024. Vor einem Jahr protestierten in der Uckermark wie überall im Land Tausende Landwirte und Unternehmer gegen die Politik der damaligen Ampel-Koalition. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung, vor allem in der Wirtschaft, führte zu Massendemonstrationen. Nach der Bundestagswahl 2025 werden die politischen Karten nun neu gemischt. Was erwarten die Menschen von einer neuen Regierung?
Daniela Windolff- Bundestagswahl 2025: AfD gewinnt in Angermünde stark.
- Bürger wie Bäckermeister Klaus Schreiber sind skeptisch, ob die neue Regierung Vertrauen zurückgewinnt.
- Unternehmer fordern Bürokratieabbau und Steuerentlastungen.
- Mittelstand und Handwerk fühlen sich von der Politik vernachlässigt.
- SPD und Linke reflektieren Wahlergebnisse und Fehler.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Bürokratieabbau, Steuersenkung, mehr Netto vom Brutto - Klaus Schreiber ist von solchen Wahlversprechen nur noch genervt. Für den Bäckermeister aus Angermünde war deshalb die Bundestagswahl 2025 ein winziger Hoffnungsschimmer auf endlich wieder Vertrauen in die Politik, Glaubwürdigkeit und einen echten Richtungswechsel. Wie geht es ihm mit dem Wahlergebnis, mit einem Kanzler Merz und einer starken AfD?
Klaus Schreiber ist 71 und führt eine Familienbäckerei, war viele Jahre auch als Innungsmeister und als Stadtverordneter engagiert. Eigentlich wollte er sich aus Altersgründen und immer schwierigeren politischen Rahmenbedingungen für das Handwerk schon lange zur Ruhe setzen. Aber.
Bäcker Schreiber: „In die Politik muss Realität einziehen“
Da sei die Verantwortung als Unternehmer für die Mitarbeiter, die Liebe zum ehrlichen Handwerk, die Familientradition, auch sein Engagement für eine lebendige Heimatstadt mit seiner Bäckerei und einem Café, Fachkräftemangel und Betriebsnachfolge, die dem Bäckermeister das Loslassen schwer machen. Macht ihm der Politikwechsel nun 2025 Hoffnung?
Nein, sagt Bäcker Schreiber und erklärt: „Ich bin von den Ergebnissen gerade hier in der Uckermark nicht überrascht. Ich bin froh über Konstellationen, die die Grünen wohl nicht wieder ins Spiel bringen, gesteht Klaus Schreiber. „Ich hoffe, dass beim durchaus wichtigen Thema Ökologie und Klima endlich Realität in die Politik einzieht. Die Bundes-Politiker wissen nicht viel von der Basis, und wenn sie mal dem Volk zuhören, verstehen sie es nicht“.
Unehrlichkeit verspielt das Vertrauen in die Politik
In der strukturarmen Uckermark mit niedrigem Lohnniveau mache sich diese Überheblichkeit schmerzlich bemerkbar. Trotz Lohnerhöhungen bleibt für seine Angestellten entgegen politischer Versprechen weniger Netto, z. B. weil sich die Krankenkassenbeiträge erhöhen. „Die Unehrlichkeit der Politik verspielt das Vertrauen und es trifft uns hier in der Uckermark immer ganz besonders“, klagt der Bäcker an.
An spürbare Veränderungen im ländlichen Raum mit einer neuen Regierung, möglicherweise aus Schwarz-Rot, glaubt er kaum. Auch die kategorische ideologische Ausgrenzung der AfD mit einer großen Wählerschaft hält er für einen Fehler in einer Demokratie. „Ich erwarte von einem Kanzler, dass man die Größe zeigt, sich als demokratisch gewählte Parteien in die Augen zu blicken und um Inhalte zu streiten“, sagt Klaus Schreiber.
Chefin der Kreishandwerkerschaft: AfD in Verantwortung nehmen
Das vermisst auch Kathrin Grothe, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Uckermark: „Ich glaube nicht, dass mit dem Regierungswechsel der nötige frische Wind bläst, der auch bei den Handwerkern in der Uckermark ankommt. Ich weiß nicht, wie es Herr Merz stemmen will mit einer Koalition mit der SPD, wo schon jetzt Kompromisse angekündigt werden. Wie will die CDU ihre Wahlversprechen mit der SPD umsetzen und das verlorene Wählervertrauen zurückgewinnen? Warum nimmt man nicht auch die AfD in die Verantwortung und lässt sie mal beweisen, ob sie etwas leisten kann, statt nur zu reden?“, fragt Kathrin Grothe.
Themen, die das Handwerk und den Mittelstand bewegen, sind vor allem Bürokratieabbau, Planungssicherheit für Unternehmen, Energiepreise und Kostendruck. „Die große Industrie packt ihre Sachen und wandert ab ins Ausland, wenn ihnen Deutschland zu teuer und eng wird. Aber was macht das Handwerk?“, gibt Kathrin Grothe zu bedenken.
Mittelstand der Uckermark braucht Unterstützung
Das seien Probleme des gesamten Mittelstandes, die seit Jahren ungelöst sind, beklagt Siegmund Bäsler, Ehrenpräsident der Unternehmervereinigung Uckermark. Kann die CDU mit Kanzlerkandidat Friedrich Merz als Wahlsieger das richten? „Ein Wahlsieger sieht anders aus, das Ergebnis ist knapp, auch Merz hat eine große Masse der Menschen nicht abgeholt“, meint Bäsler. Er vermisse konkrete Aussagen zu Schlüsselthemen Wirtschaft und Bildung. „Ich höre keine fassbaren Pläne, vor allem für den Mittelstand als Motor der regionalen Wirtschaft“, dämpft Bäsler seine Hoffnungen.
Damit spricht er Gunnar Hemme aus der Seele. Der Landwirt und Unternehmer aus Angermünde wünscht sich vor allem ein Ende der ideologiegetriebenen Politik.
Hemme: Fühle mich bei großen Parteien nicht mehr aufgehoben
„Ich komme aus einem sehr konservativen Elternhaus und sehe mich eher in der politischen Mitte. Aber ich habe sie verloren. Ich fühle mich bei den großen, sogenannten Volks-Parteien in diesem Land nicht mehr aufgehoben. Warum kriegen sie es nicht hin, die Menschen abzuholen und überlassen das dem politischen Rand?", gesteht Gunnar Hemme.
Was er knallhart von der neuen Regierung erwartet, ist, „dass dem Gelaber über Bürokratieabbau, Steuerentlastung und Stärkung der heimischen Wirtschaft, endlich Taten folgen. Ich hoffe, dass die CDU in Regierungsverantwortung den Reset-Knopf drückt und wirklich einen Richtungswechsel macht. Ich wünsche mir, dass Politik endlich wieder auch Spaß macht, sie zu verfolgen, dass sie begeistert“, sagt Gunnar Hemme.
Frank Plessmann, Landwirt aus Schmiedeberg bei Angermünde, ist in seinem Berufsstand sehr engagiert und auch viel im Ausland unterwegs: „Es ist gut, dass wir in Deutschland frei wählen können. Ich finde ist es sehr gut, dass wir eine sehr hohe Wahlbeteiligung hatten! Das Ergebnis zeigt klar, wo die Probleme sind und dass die meisten Wähler diese direkt spüren oder zumindest wahrnehmen. Gerade in der und für die Uckermark ist es wichtig, die Probleme, Bedürfnisse und Wünsche der Uckermärker deutlich ernster zu nehmen und als Landes- und Bundesregierung nicht über die Köpfe hinweg zu regieren“, betont Plessmann.
SPD-Mann Krakow räumt Fehler ein
Wolfgang Krakow, Vorsitzender der SVV Angermünde, ist bekennender SPD-Anhänger und macht sich Gedanken über Fehler seiner Partei, die zu dem historischen Tief bei der Bundestagswahl führten. „Es hätte nach dem Koalitionsbruch einen wirklichen Neuanfang geben müssen, auch personell“, so Krakow. Auch bei der Kommunalwahl in Angermünde erlebte die SPD zum ersten Mal einen deutlichen Vertrauensverlust.
Am Ende komme Bundespolitik immer ganz unten bei den Bürgern an, von hohen Energiepreisen bis zu umstrittenen Heizungsgesetzen, es treffe die Menschen hier und beeinflusse ihre politische Orientierung, resümiert Krakow. Themen, die ihm für die Uckermark am Herzen liegen, sind die Stärkung der Wirtschaft und zukunftssichere Rahmenbedingungen für Leuchttürme wie PCK Schwedt, sichere Renten und mehr Augenmerk auf Bildung und Familienpolitik.
Linke sind „positiver Farbklecks“ im Bundestag
„Die Wahlergebnisse der Jungwähler haben gezeigt, dass sie besonders an den Rändern Orientierung suchen“, so Krakow. Er sei über das Ergebnis der AfD nicht überrascht und sehe den Wahlerfolg der Linken als „positiven Farbklecks im künftigen Bundestag“, für eine starke Opposition.
Diesen „Farbklecks“ verkörpert Heiko Poppe, Fraktionsvorsitzender der Linken in der SVV Angermünde: „Ich freue mich riesig über das gute Wahlergebnis. Auch in der Uckermark und in Angermünde haben wir tüchtig zugelegt und auch viele neue junge Mitglieder gewonnen", so Poppe.
Gründe sind für ihn einerseits das Ende der innerparteilichen Streitigkeiten und die klare Trennung vom BSW, andererseits die klar definierten sozialen Themen, die andere Parteien aus dem Fokus verloren haben, wie Mieten, sozialer Wohnungsbau, soziale Gerechtigkeit, Gesundheit und Bildung. In Angermünde hat die Linke zum Beispiel das Einheimischen-Modell bei der Baulandvergabe durchgesetzt, das junge, ortsansässige Familien mit geringen Einkommen bevorzugt.






