Spenden in Angermünde: Botschafter mit Bike für Kinder mit Krebs

Am Start: Vanessa Köllner (l.) und Arne Schöning (Mitte) starten in Angermünde eine Benefiz-Tour mit Rad und Handbike bis an die Ostsee. Das Paar aus Angermünde wird am Mündesee von Bürgermeister Frederik Bewer (3.v.r.) und Freunden mit guten Wünschen verabschiedet.
Daniela WindolffVon Seebrücke zu Seebrücke auf dem Fernradweg Berlin-Usedom, das ist die Tour, auf der Vanessa Köllner und Arne Schöning vier Tage lang radeln. Das Paar aus Angermünde ist am 18. Juni 2024 zu einer Radwanderung gestartet, die kein gewöhnlicher Urlaubs-Trip ist, denn Arne sitzt im Rollstuhl und die Tour dient einem besonderen Zweck.
Die Angermünder wollen unterwegs Spenden für krebskranke Kinder sammeln und den Verein Kolibri e. V. aus Schwedt unterstützen. Für jeden geradelten Kilometer auf der 217 Kilometer langen Strecke wollen Vanessa und Arne zehn Euro einwerben. Das macht öffentlich Eindruck.
Zum Start an der Seebrücke am Mündesee wurden sie vom Angermünder Bürgermeister Frederik Bewer und Freunden verabschiedet, die die Daumen für eine sichere, erlebnisreiche Fahrt und Begegnungen mit vielen spendenfreudigen Menschen unterwegs drücken werden.
Persönliches Schicksal motiviert zur Hilfe für andere
Was die beiden zu dieser besonderen Radtour antreibt, ist zum einen der lang gehegte Traum, den Berlin-Usedom-Radweg endlich einmal selbst zu radeln, zum anderen der Wunsch aus eigener Betroffenheit, anderen Menschen zu helfen. Vanessa Köllner war vor elf Jahren an Brustkrebs erkrankt, ebenso ihre Mutter. Die 43-Jährige weiß, was diese Diagnose für Betroffene und deren Familien bedeutet.
Arne Schöning (47) ist seit einem Unfall 2001 querschnittsgelähmt. Ein unüberlegter, kühner Kopfsprung in unbekanntes Wasser wurde zum Verhängnis. Seitdem ist der ehemalige Leistungssportler, der Handball bei den Füchsen in Berlin spielte, auf den Rollstuhl und Hilfe angewiesen. Doch beide haben trotz ihrer schweren Schicksalsschläge ihre Lebensfreude nicht verloren und wollen anderen Menschen Mut machen.
Podcast "unBehindert" wirbt für Normalität
Auch in ihrem Podcast „unBehindert“ erzählen sie aus ihrem Alltag und Erfahrungen mit und ohne Handicap. „Uns geht es gut, wir sind gesund, ich kann halt nur nicht laufen. Wir haben beide Arbeit und eine schöne Wohnung in einer wunderschönen Stadt“, erzählt Arne Schöning, der mit seiner Frau Vanessa vor zwei Jahren aus Berlin nach Angermünde gezogen ist. Dort unternimmt das Paar oft Ausflüge mit dem Fahrrad bzw. Handbike, um ihre neue Wahlheimat Uckermark kennenzulernen, und erlebt auch, wo es noch Hindernisse, Barrieren für Menschen mit Handicap gibt.
Dafür wollen sie ihre Mitmenschen, die Stadtverwaltung und Kommunalpolitik sensibilisieren. „Wir kommen in Angermünde gut zurecht. Dass in der historischen Altstadt nicht jedes Geschäft barrierefrei sein kann, ist klar. Da gibt es transportable Rampen. Aber wenn wir Freunde im Umland, in den Ortsteilen besuchen oder Ausflüge machen, wird es problematisch. Es gibt viele wunderschöne und gut ausgebaute Geh-, Rad- und Wanderwege, die aber oft plötzlich enden oder zur Holperpiste werden. Dabei geht es ja nicht nur um Rollstuhlfahrer, sondern um ältere Menschen, um Familien mit Kinderwagen usw.“, gibt Arne Schöning zu bedenken.
Bedarf beim Radwegeausbau ins Umland
Zum Beispiel komme man von Angermünde noch nicht auf sicheren Radwegen nach Chorin, nach Pinnow oder zum Deichradweg nach Schwedt, sondern müsse zunächst auf viel befahrenen, kurvigen Straßen fahren. Bürgermeister Frederik Bewer, selbst leidenschaftlicher Radfahrer, kennt die Probleme: „Wir haben uns deshalb als Stadt Angermünde mit dem Radwegekonzept auf den Weg gemacht, das Radwegenetz vor allem zu den Ortsteilen auszubauen. Wir wollen nicht nur mehr Barrierefreiheit ermöglichen, sondern Wege für Fahrräder, E-Bikes, Skater, Rollatoren sicherer und autofrei machen. So sind unter anderem Radwege nach Mürow und Stolpe angedacht“, informiert Bewer.
Deshalb sehen Vanessa und Arne ihre Radtour von Angermünde an die Ostsee auch als Praxistest an, wie barrierefrei der Berlin-Usedom Radweg und die touristische Infrastruktur unterwegs tatsächlich ist. „Es war zum Beispiel sehr schwer, behindertengerechte Unterkünfte an der Strecke zu finden“, räumt Vanessa ein.
Begleitet werden sie von Arnes Assistenten Christian und Nick, die mit einem Fahrzeug mitfahren und das Gepäck transportieren, „das bei einem Rollstuhlfahrer etwas umfangreicher ist“, wirft Arne Schöning augenzwinkernd ein.
Spenden für den Verein Kolibri - Hilfe für krebskranke Kinder
Vanessa und Arne sehen sich als Botschafter für Angermünde, für gelebte Inklusion und für Hilfe für Kinder mit Krebs. „Wir wollten nicht nur die ersehnte Urlaubsreise mit dem Fahrrad machen, sondern damit anderen Menschen helfen. So sind wir auf den Verein Kolibri gestoßen, dessen Engagement für krebskranke Kinder uns imponiert“, erzählt Vanessa Köllner.
Nach dem Start in Angermünde führt der Weg über Prenzlau, Ueckermünde und Anklam bis zur Seebrücke in Heringsdorf, wo sie am 21. Juni 2024 ankommen, mit hoffentlich wunderbaren Eindrücken, Begegnungen und vielen Spenden im Gepäck. Über ihre Tour-Erlebnisse berichten Arne Schöning und Vanessa Köllner aktuell auf ihrem Kanal „unBehindert“ bei TikTok und Instagram. Ihre Spendenaktion kann man auch unter https://www.gofundme.com/f/angermunde-usedom-mit-dem-handbike unterstützen.




