Weihnachten 2023 in Letschin
: Verein zeigt Modelleisenbahn und ein altes Stellwerk

Seit knapp 25 Jahren lädt der Eisenbahnverein Letschin im Advent große und kleine Freunde der Bahn ein. Womit die Gäste diesmal überrascht werden.
Von
Ulf Grieger
Letschin
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Modelleisenbahnen in Letschin: Hier ein Blick auf die Mutter aller Anlagen des Eisenbahnvereins Letschin. Gleich über zwei Räume führen hier die Gleise. Begonnen wurde das vor knapp 25 Jahren von Enthusiasten wie Mirko Trölenberg.

Ulf Grieger

Modelleisenbahn und Weihnachten — das ist noch lange nicht aus der Mode gekommen. Selbst die heute 60–Jährigen fühlen sich in ihre Kinderzeit zurückversetzt, wenn sie die Anlagen des Eisenbahnvereins Letschin selbst einmal bespielen können.

Einmal im Jahr heißt es dort am Bahnhof in Letschin wieder „Advent–Fahrtag“. So auch am Sonnabend, 9. Dezember. Von 10 bis 16 Uhr können Eisenbahnfans jeden Alters nach Herzenslust Weichen stellen und Züge fahren lassen. Und das ist längst nicht alles.

Modellanlage als Lebenswerk: In Letschin wird diese Anlage gezeigt, an der ein Mann aus Biesenthal 40 Jahre lang gebastelt hat.

Ulf Grieger

Wie die Züge durch Bad Freienwalde kommen

Die aktuell 25 Mitglieder des Vereins werden den Besuchern auch die Anlage erklären, deren Funktionsweise sich Laien nicht so leicht erschließt. So ist zum Beispiel ein Herzstück des 2020 abgebauten Stellwerks des Bad Freienwalder Bahnhofs in Letschin gelandet. So wie es wegen des Einbaus des Elektronischen Stellwerks ausgebaut wurde, steht der „Gleisbildtisch“ nun in Letschin in der Ausstellung. Aber nur äußerlich. Für die Präsentation der Anlage musste für das „Innenleben“ ein komplizierter Umbau erfolgen. Statt der alten Relais dienen jetzt kleine Computeranlagen dazu, dass der Stellwerksbetrieb simuliert werden kann.

Ein Jahr lang hatten Mike Boljes, Ausbilder der Elster Werke in Ludwigsfelde, und seine Auszubildenden für den Umbau gebraucht. „Wir sehen die Züge von Wriezen oder Falkenberg aus nach Bad Freienwalde einfahren, können sie auch über Weichen auf Nachbargleise umleiten und die Signals bedienen“, erklärt Bernd Kutzke. Der 68–Jährige hatte zusammen mit Manfred Nickel und anderen Eisenbahnfreunden im März 1999 den Verein gegründet, der inzwischen bundesweit vernetzt ist.

In Letschin präsentiert: Daniel Dames und Bernd Kutzke am Herzstück des alten Stellwerks des Bahnhofs Bad Freienwalde.

Ulf Grieger

Manche Anlage war das Lebenswerk ihrer Besitzer

Zu den Highlights der Ausstellung gehören natürlich die Modellanlage in den Spurbreiten N, TT und H0. Da gibt es zum Beispiel eine, an der ein Biesenthaler 40 Jahre lang gebastelt hatte. Und eine der ersten digital gesteuerten Anlagen. Der Besitzer, ein Mann aus Blankenfelde, hatte sich erst im Alter von 80 Jahren daran gemacht sie aufzubauen. Die größten „Spielwiesen“ aber gibt es gleich im hofseitigen Eingangsbereich der Ausstellung. Die großen Anlagen sind dort auf zwei Räume verteilt. Und auch die von Peter von Rosenstiel (1932—2012) aus Gorgast dem Verein vermachte große Sammlung von hochwertigen Bahnanlagen, Loks und Wagen wird erstmals mit einer großen Anlage präsentiert. Daniel Dames vom Verein hat sich das zur Aufgabe gemacht. Das erste Ergebnis ist schon beeindruckend. Ansonsten können die Besucher auch originale Bahnschranken bedienen oder als Fahrdienstleiter Weichen und Signale stellen.

Neue Attraktion in Letschin: Die von den Frankfurter Eisenbahnfreunden überlassene Draisine wird im Jubiläumsjahr des Vereins 2024 auf ihrer 600 Meter langen Pendelfahrt zu Bahnhof gehen.

Ulf Grieger

Mit der Feldbahn in die „Jungfernheide“

Bei günstigem Wetter lädt auch die Feldbahn zu Runden in die „Jungfernheide“ ein. Das jüngste Kind des Vereins allerdings werden die Gäste wohl noch nicht zu Gesicht bekommen: Das ist die Draisine, die die Letschiner von ihren Frankfurter Kollegen bekommen haben. Das Vehikel wurde bereits aufgearbeitet und wartet auf seine Einsätze auf dem 600 Meter langen Nebengleis zwischen dem Bahnhof Letschin, am Güterschuppen vorbei bis zum Bahnübergang Gusower Straße. „Das wird eine weitere Attraktion unserer Vereinsarbeit in der Jubiläumssaison im 25. Gründungsjahr“, freut sich Bernd Kutzke. Die Corona–Zeit habe die Zahl der Vereinsmitglieder stark reduziert. Vor Corona waren es 42 Eisenbahnfreunde, jetzt noch 25. „Wir würden uns über weitere Interessierte freuen. Willkommen sind uns Mitstreiter jeden Alters und jeder Berufsgruppe“, sagt er.

Modell des Güterschuppens in Letschin: Das Original erhält aktuell eine Beleuchtung und hat schon eine WC-Anlage. Dort sind Veranstaltungen geplant.

Ulf Grieger

Neuer Mitarbeiter wohnt im Bahnhof

Der Ausbau des Güterschuppens sei dieses Jahr weiter vorangeschritten. So ist der Verein dabei, die Lichtanlage einzubauen. Die Beleuchtungskörper stammen vom Starkstromwerk Cottbus. Auch eine Toilettenanlage ist bereits eingebaut. Beim Bahnhof Letschin, den der Verein 2015 gekauft hatte, wurde das Dach nun komplett repariert. Mit Peter Ambos hat dort ein Mieter seine Wohnung bezogen. Ambos ist zugleich auch beim Verein als Bundesfreiwilliger angestellt und übernimmt einige der Arbeiten am Güterschuppen.