Demo in Seelow: Aufruf zur Lichterkette der Demokratie auf dem Marktplatz

Mit einer Lichterkette auf dem Marktplatz von Seelow soll für die Demokratie geworben werden. Wie schon vor einem Jahr sind verschiedene Initiativen aus Märkisch-Oderland an der Organisation beteiligt. (Archivbild)
Ulf GriegerEin Zeichen zu setzen gegen Hass, für Demokratie, Menschlichkeit und die Brandmauer zur AfD ist Ziel der Aktion, die am Freitag, 21. Februar, ab 17 Uhr auf dem Marktplatz in Seelow stattfindet. Der Aufruf dazu kommt von den Initiativen „Omas gegen Rechts“, „Kein Acker der AfD“ und „Offenes MOL“, wo sich Manuela Reiner schon seit Jahren engagiert. Die Mit-Organisatorin der Lichterkette sagt: „Alle Menschen sind herzlich eingeladen – auch die, die kritisch sind“.
Dass diese Lichterkette den Marktplatz von Seelow ausgerechnet am Freitag – also nur zwei Tage vor der Bundestagswahl – erstrahlen soll, habe ganz praktische Gründe, wie Manuela Reiner erklärt: „Es war schier aussichtslos, auf einen anderen Tag zu kommen, weil wir das alle ehrenamtlich machen“. Nichtsdestotrotz habe man die Chance nicht verstreichen lassen wollen, nochmal „daran zu erinnern, dass wir am Sonntag alle wählen dürfen“.
Demo in Seelow: Kerze, Leuchtstab oder Knicklicht mitbringen
Die Idee zu der Veranstaltung entstand, als vor ein paar Wochen die Debatte um Friedrich Merz und die Brandmauer zur AfD hochkochte. „Was sich daraus entwickelte, auch auf den Straßen, war ein Impuls für mich“, erinnert sich Manuela Reiner. Sie meine damit auch den Demonstrationszug in Berlin vom Reichstag zur CDU-Parteizentrale, an dem sich 100.000 Menschen beteiligten. „In den großen Städten läuft etwas.“ Weil für viele Menschen die Teilnahme an Demonstrationen in Berlin mit hohem Aufwand verbunden ist, sei für Manuela Reiner und ihre Mitstreiter schnell klar gewesen: „Auch wir wollen nicht nur zusehen, sondern auch hier allen die Möglichkeit geben, sich zu zeigen“. Das funktioniere am besten mit einem Licht – egal ob LED- oder Wachs-Kerze, Laterne, Leuchtstab oder Knicklicht. „Zur Not geht auch das Handy“, so Manuela Reiner.
Eine ähnliche Veranstaltung gab es in Seelow bereits vor gut einem Jahr. Und wie damals soll die Kundgebung am Freitag nicht nur als Plattform für politische Reden angesehen werden, sondern auch Wissen, Kultur und Spaß vermitteln. So wird es beispielsweise Live-Musik mit der Band Trash in Space geben, die viele durch die politische Kneipentour kennen, die voriges Jahr vor der Landtagswahl unter anderem in Platkow und Falkenhagen Station gemacht hatte. Bei einem kleinen Quiz – verbunden mit einem Dreh am Glücksrad – werden zudem Fragen zu den Wahlprogrammen der einzelnen Parteien gestellt.
Seelow geht entschieden gegen Extremismus und Hass vor
Wer sich noch nicht ganz sicher ist, wo das Kreuz am Sonntag gesetzt wird, kann an Info-Ständen mit Vertretern von Parteien ins Gespräch kommen. „Die CDU wurde nicht eingeladen“, räumt Manuela Reiner auf Anfrage ein. Vor Ort werden aber Bündnis 90/Die Grünen, Linke und SPD sein. „Weil es mir ein wichtiges Anliegen ist, ein klares Zeichen für Demokratie, Vielfalt und Zusammenhalt zu setzen“, begründet SPD-Bundestagsabgeordnete Simona Koß ihre Teilnahme. Den Vorwurf, die Lichterkette für den Wahlkampf auszunutzen, wolle sie sich nicht gefallen lassen: „Für mich ist dies kein bloßer Wahlkampf-Termin unter vielen“. Als Abgeordnete und SPD-Kandidatin im Wahlkreis 59 setze sie sich tagtäglich für die Stärkung der Demokratie ein. Koß erklärt: „Demokratie lebt vom Mitmachen, vom Engagement und davon, dass wir uns gegenseitig ermutigen.“ Vielmehr müssten Demokraten entschieden gegen jegliche Form von Extremismus, Hass und Gewalt vorgehen.
„Leider erleben wir auch in unserem Wahlkreis eine zunehmende Verrohung der politischen Auseinandersetzung“, kritisiert Koß. Zerstörte Wahlplakate und Hetzreden von AfD-Vertretern gegen Kandidaten zeigten deutlich, mit welchen Methoden versucht wird, politische Gegner zu diffamieren und einzuschüchtern. „Es wird bewusst mit Angst und Spaltung gearbeitet, anstatt Lösungen für die realen Herausforderungen unserer Gesellschaft anzubieten“, so die SPD-Bundestagsabgeordnete. „Doch wir lassen uns nicht einschüchtern“, gibt sie sich kämpferisch. „Demokratie bedeutet, sich solchen Angriffen entgegenzustellen und weiterhin mit klarer Haltung für unsere Werte einzutreten.“
Polizei sichert Lichterkette in Seelow
Das Attentat von München am vergangenen Donnerstag bezeichnet Simona Koß als einen weiteren „schmerzlichen Beweis dafür, dass Gewalt – egal aus welcher Richtung sie kommt – eine ernste Bedrohung für unser gesellschaftliches Zusammenleben darstellt“. Es sei entscheidend, dass solche Taten nicht für politische Instrumentalisierungen genutzt werden. Die Gesellschaft müsse sich damit auseinandersetzen, wie Gewaltprävention, Integration und Sicherheit bestmöglich gestaltet werden können. „Einzeltäter dürfen nicht als Vorwand dienen, um ganze Bevölkerungsgruppen unter Generalverdacht zu stellen“, stellt die SPD-Bundestagsabgeordnete klar.
Die Anschläge von Magdeburg, Aschaffenburg und zuletzt München wirken sich auch auf die Lichternacht in Seelow aus. „Das sind Vorfälle, die alle mitnehmen und die ich total verurteile“, will Manuela Reiner klar betont wissen. Deshalb werde Veranstaltung auf dem Marktplatz auch von der Polizei abgesichert. Es könnte sein, dass die Einsatzkräfte, die bisher eingeplant sind, angesichts der jüngsten Taten aufgestockt werden, mutmaßt die Organisatorin. „Aber das entscheidet die Polizei je nach Gefährdungseinschätzung.“



