Landtagswahl 2024 Brandenburg
: Laura Jasmin Iden möchte einen zweiten S-Bahn-Ring im Umland

Vorsitzende der Jungen Liberalen in Brandenburg ist sie bereits. Nun möchte die 20-jährige Laura Jasmin Iden aus Hoppegarten nach Potsdam in den Landtag. Ihre Ideen sind ungewöhnlich.
Von
Claudia Braun
Hönow
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Kandidiert für den Wahlkreis 31: Studentin Laura Jasmin Iden aus dem Ortsteil Hönow in Hoppegarten.

Kandidiert im Wahlkreis 31 für die FDP: Studentin Laura Jasmin Iden aus dem Ortsteil Hönow der Gemeinde Hoppegarten

Claudia Braun

Ausgerechnet während der Corona-Pandemie hat sich Laura Jasmin Iden dazu entschlossen, in die FDP einzutreten. Die damals 17-Jährige aus dem Hoppegartener Ortsteil Hönow fand es nicht gut, wie auf die Ausnahmesituation reagiert wurde. „Ich würde mich zwar nicht als Corona-Generation bezeichnen, aber sowohl meinen MSA-Abschluss als auch mein Abitur habe ich in dieser Zeit abgelegt“, so die inzwischen 20-Jährige.

„Damals zeigte sich, dass unser Bildungssystem nicht gut aufgestellt ist“, ist sie überzeugt. Dabei sieht sich Laura Jasmin Iden als privilegiert an: Auf ihrer Privatschule gab es schon vor der Pandemie White- und Smartboards. „Der Online-Unterricht konnte schnell eingerichtet werden“, erinnert sie sich.

Auf staatlichen Schulen lief es wie in der Steinzeit ab

Bei Freunden auf staatlichen Schulen sei das nicht so gewesen: „Da lief es wie in der Steinzeit ab“, meint sie. Einige seien mit ihren Arbeitsblättern einfach allein gelassen worden. In diesem Zusammenhang erzählt sie gern das Beispiel ihrer Parteifreundin Renate Schneider aus Brandenburg an der Havel, die mit Ende 70 aufgrund des chronischen Lehrermangels zurück an die Schule beordert wurde.

Sie stimmte dem zwar zu, aber die Zustände seien unhaltbar gewesen: „Da gab es einen Verantwortlichen für das Digitale – und wenn der krank war, ging gar nichts mehr“, schildert Laura Jasmin Iden die Erfahrungen der Parteifreundin.

Individuelles Lernen – mehr Freiheit im Bildungssystem

Die Zeit der Lockdowns, in der Laura Jasmin Iden wie viele junge Menschen eine Depression entwickelte, ließ sie viel über das Lernen und die Lehre nachdenken. Inzwischen ist sie nicht mehr davon überzeugt, dass der Lernstoff unbedingt immer im Klassenverbund vermittelt werden muss. „Manche können Lernziele viel besser individuell erreichen. Klar, muss es Leistungsprüfungen geben, aber wie man sich darauf vorbereitet, sollte freier sein“, lautet ihr Ansatz. Nicht ganz sicher ist sie, ob das bereits im Grundschulalter greifen soll, aber für Oberschüler ist sie überzeugt, dass dieser Weg vorangetrieben werden sollte. Denn klar sei für sie: So wie bisher könne es im Bildungsbereich nicht weitergehen.

Landtagswahl 2024: Kandidatinnen und Kandidaten im Wahlkreis 31

Zum Wahlkreis 31 (Märkisch-Oderland I/Oder-Spree IV) gehören Hoppegarten, Neuenhagen bei Berlin, Erkner, Schöneiche und Woltersdorf. Neben Laura Jasmin Iden (FDP) kandidieren Jörg Vogelsänger (SPD), Fritz Viertel (Die Linke), André Schaller (CDU), Rico Obenauf (Freie Wähler), Thomas Löb (ÖDP), Faina Dombrowski (Bündnis 90/Die Grünen) und Rainer Galla (AfD). Gewählt wird am 22. September.

Bis ins letzte Detail durchdacht sind die Pläne in puncto Bildungsreform noch nicht, räumt Iden ein. Nicht nur, wenn sie einen Sitz im Potsdamer Landtag erhält, möchte sie tiefer ins Thema einsteigen, sich mit Fachleuten beraten. „Schule ist Ländersache“, ergänzt sie. Als Abgeordnete könnte sie die richtigen Weichen stellen.

Ein zweiter Bahn-Ring für das Umland

„Weichen“ ist auch ein gutes Stichwort für ein zweites Schwerpunktthema der Studentin. In einem kurzen Statement auf Instagram erklärt Laura Jasmin Iden im Wahlkampf, „warum sie einen großen Bogen um Berlin machen möchte“. Nicht, weil sie Berlin hassen würde, sondern weil sie sich für einen zweiten Bahn-Ring um Berlin einsetzen will.

Das Problem würden alle im Speckgürtel kennen, die mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) von einem Ort zum anderen möchten: Ohne den Umweg über Berlin geht das meist gar nicht, zeigt Iden auf. Eine solche Ringbahn würde die Fahrzeit erheblich verkürzen. Doch auch bei diesem Thema, das Parteikollegen bereits seit Längerem auf der Agenda haben, sind Einzelheiten noch unklar.

Fest steht: Das Pendeln in einem Flächenland wie Brandenburg gehöre generell auf die Tagesordnung, so Laura Jasmin Iden. Die Studentin der Kommunikationspsychologie ist zum Anfang ihrer Unilaufbahn selbst zweieinhalb Stunden gependelt: „Das war wirklich nicht machbar. Inzwischen mache ich ein Fernstudium“, so ihre Konsequenz. Die junge Frau, die bei ihren Eltern lebt, weiß, dass nicht alle derartige Veränderungen so ohne Weiteres vornehmen können. Im ländlichen Raum ist sie deshalb von On-Demand-Lösungen begeistert, also flexible Verkehre nach Bedarf.

„Ich habe einen Plan“, sagt Laura Jasmin Iden, die für ihre Kandidatur viel Unterstützung von Freunden und Familie erhält, selbstbewusst. Sollte es in dieser Legislaturperiode nicht klappen, dann sammelt sie als Brandenburger Vorsitzende der Jungen Liberalen weitere politische Erfahrungen, setzt ihr Studium fort und versucht es später noch einmal. Nur Berufspolitikerin möchte sie nicht werden: „Da wäre man auf Dauer zu sehr in seiner eigenen Bubble.“