Landtagswahl Brandenburg
: Klartext aus Schöneiche – „Linke muss erneuert werden“

Fritz Viertel aus Schöneiche arbeitet in der Verwaltung und im nebenbei als Straßenbahnfahrer. Für die Linke will er das Direktmandat im Wahlkreis 31 erringen.
Von
Victoria Schloder
Schöneiche
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Fritz Viertel aus Schöneiche tritt im Wahlkreis 31 für die Partei Die Linke an.

Fritz Viertel aus Schöneiche tritt im Wahlkreis 31 für die Partei Die Linke an. Was will er erreichen?

Fritz Viertel / Die Linke

In Schöneiche ist Fritz Viertel für die Linke schon seit über zehn Jahren aktiv. Dieses Engagement möchte er gern auf die landespolitische Ebene erweitern – als Abgeordneter im Brandenburger Landtag. Deshalb tritt er im Wahlkreis 31 als Direktkandidat an. Zum Wahlkreis gehören die Gemeinden Schöneiche, Hoppegarten, Neuenhagen sowie Erkner und Woltersdorf.

Der 32-Jährige arbeitet aktuell in der Rüdersdorfer Verwaltung im Bereich städtebauliche Planung. Aber nicht nur. Er hat auch noch einen Nebenjob als Tramfahrer bei der Schöneicher-Rüdersdorfer-Straßenbahn (SRS). Dadurch habe er die einmalige Möglichkeit, aus seiner „Blase“ auch mal aufzutauchen und mit Menschen beim Fahrkartenverkauf ins Gespräch zu kommen, mit denen er sonst keinerlei Überschneidungspunkte hätte. „Straßenbahn fahren erdet mich. Man hat nicht wirklich Zeit, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen, weil man sich auf eine Sache konzentriert“, erklärt Fritz Viertel.

Fritz Viertel, ist die Linke überhaupt noch zeitgemäß?

Seine Themen sind vor allem Wohnungs- und Verkehrspolitik. Die Verfehlungen der Landespolitik der vergangenen Jahre kann er an mehreren Stellen benennen — aber auch, woran sich die Linke den eigenen Kopf zerstößt.

Ob eine sozialistische Partei noch in diese schnelllebige und auf Wachstum ausgerichtet Welt passt, weiß Fritz Viertel mit sehr viel Nachdruck in der Stimme zu beantworten: „Ja, unbedingt“, findet er. Eine Partei wie die Linke brauche man aktuell, wo sich Krise an Krise reihe, dringender denn je. „Es ist irre: Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt und die Schlangen vor den Tafeln werden immer länger“, sagt der Vater eines zweijährigen Sohnes. Und weiter: „In einem Land wie Deutschland sollte so etwas wie die Tafel eigentlich überflüssig sein.“

Der Schöneicher verstehe aber, wenn die Menschen am Ende des Tages keine Kraft mehr für Gedankenspiele hätten. „Wenn ich mir den Großteil der Zeit den Kopf darüber zerbrechen muss, dass am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist, dann habe ich auch andere Sorgen, als mir über irgendwelche sozialistischen Utopien Gedanken zu machen.“ Die Aufgabe der Linken sehe er darin, das Leben der Menschen zu erleichtern und die Option, dass es neben dem Kapitalismus auch noch etwas anderes geben könnte, offenzuhalten. Allerdings könne eine Partei, die es nicht mal in den eigenen Reihen schaffe, solidarisch miteinander umzugehen, dies auch nicht von den Menschen außerhalb erwarten.

Linken-Kandidat Fritz Viertel: „Speckgürtel soll für alle da sein“

Dass es den Menschen im Wahlkreis 31 ausnahmslos gut gehe, das hält Viertel für ein Gerücht. „Diese Region wird immer als Speckgürtel beschrieben, was Wohlstand und Prosperität unterstellt. Trifft auch zu. Verstellt aber auch den Blick darauf, dass es auch in diesen Gemeinden eine wachsende Zahl von Menschen gibt, bei denen sich das im Alltag anders darstellt.“

Menschen mit einem guten mittleren Einkommen müssten wegziehen, weil sie sich keinen bezahlbaren Wohnraum mehr leisten können. „Wir müssen dafür sorgen, dass der Speckgürtel für alle da ist und nicht nur für die, die es sich leisten können.“ Deshalb sei es sehr wichtig, dass die Mietpreisbremse wieder ausgeweitet werde. Zuletzt hatte das von der CDU geführte Infrastrukturministerium des Landes Brandenburg die Mietpreisbremse in einigen Gemeinden wieder abgeschafft, unter anderem in Erkner. „Und jetzt kann man ja mal die Leute in Erkner fragen, ob sie die Einschätzung des CDU-Ministers teilen, dass ihre Gemeinde nicht mehr zu den angespannten Wohnungsmärkten gehört.“

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Fritz Viertel: Verkehrswende ist noch nicht abgeschlossen

Als Straßenbahnfahrer liegt Viertel auch der Verkehr am Herzen. Er selbst besitze kein Auto, fahre Fahrrad und nutze den ÖPNV. Beim ÖPNV sei das Berliner Umland mittlerweile gut angebunden, dennoch sieht er weiteren Ausbaubedarf. Busse müssten auch zu den Randzeiten fahren, Gemeinden untereinander besser vernetzt werden. Querverbindungen sind hier das Stichwort.

Tesla: „Landesregierung hat da sehr viel Porzellan zerschlagen“

Tesla gehört zwar nicht zum Wahlkreis 31, tangiert aber dennoch die umliegenden Gemeinden. Für Viertel ist klar: „Man hat die Leute da für blöd verkauft und jetzt reagieren sie allergisch darauf.“ Auch wenn er grundsätzlich für Industrieansiedlungen in dieser Region ist, so doch unter anderen Bedingungen. Man habe dem Autobauer den roten Teppich ausgerollt und habe die Menschen, die in dieser Region leben, dabei vergessen. So könnten sich Mitarbeiter am Fließband viele der neu gebaute Wohnungen um Tesla gar nicht leisten.

Auch die Verlegung des Bahnhofs Fangschleuse um zwei Kilometer in Richtung Tesla-Fabrik sei auch nicht nur aus reinem Interesse der Bürger geschehen. Diese hätten jetzt teilweise sogar einen längeren Anfahrtsweg. Manchmal fragt sich Viertel, für wen die Abgeordneten eigentlich im Parlament sitzen.

Kandidierende für den Wahlkreis 31

Der Wahlkreis 31 umfasst die Gemeinden Hoppegarten, Neuenhagen, Erkner, Schöneiche und Woltersdorf.

Die Wahl findet am 22. September statt.

Neben Fritz Viertel (Die Linke) kandidieren auch Jörg Vogelsänger (SPD), André Schaller (CDU), Rainer Galla (AfD), Rico Obenauf (Freie Wähler), Thomas Löb (ÖDP), Faina Dombrowski (Bündnis 90/Die Grünen) und Laura Jasmin Iden (FDP).

Schafft die Linke es überhaupt in den Brandenburger Landtag?

Was die eigene Partei angeht, nimmt der Schöneicher kein Blatt vor den Mund: „Ich versuche nicht, die Situation schönzureden. Die Partei muss erneuert werden“, betont er. Dennoch möchte Viertel jeden dazu ermutigen, wenigstens die Zweitstimme der Linksfraktion zu geben. Aktuell sieht es so aus, als könne die Partei bei der Landtagswahl in Brandenburg an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Die Zerwürfnisse auf Bundesebene und das daraus entstandene Bündnis Sahra Wagenknecht graben der Fraktion das Wasser ab.

Fritz Viertel erhofft sich für den Wahlkreis 31 ein Direktmandat, schätzt seine Chancen allerdings auch realistisch ein. Sollte es diese Landtagswahl nichts werden, dann wird es eben die nächste. So lange wird der Schöneicher in der Gemeindevertretung auf kommunaler Ebene die Region weiter gestalten.