Landtagswahl
: Am Tag nach der Wahl - ein differenziertes Bild

Ein Blick auf die Details er Wahlergebnisse zeigt, dass die Landtagswahlen in erster Linie Personenwahlen waren.
Von
Jens Sell
Strausberg
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Nach Schließung des Wahllokals im Alten Stadthaus: Die Wahlhelferinnen Anja Jänisch, Christa Wunderlich, Sven Serfling-Krannich und Enrico Würgand (v. l.) leeren die Wahlurne zur Landtagswahl. Danach beginnt die Stimmenauszählung.

Martin Stralau/MOZ

In Strausberg haben von 22 120 Wahlberechtigten per Briefwahl beziehungsweise im Wahllokal am Sonntag 12 028 gültige Wahlzettel in die Urnen geworfen. Rechnerisch hätte eine rot-rot-grüne Regierungskoalition in Potsdam von den Strausbergern eine Mehrheit der Erststimmen von rund 67 Prozent. SPD-Kandidatin und Wahlsiegerin Elske Hildebrandt gaben 3116 Strausberger ihre Erststimme, Gergor Weiß von den Linken erhielt 2811, exakt 300 mehr als der Petershagener AFD-Kandidat Erik Pardeik. Der Grüne René Trocha vereinigte 941 Stimmen auf sich. Bei den Zweitstimmen hätte Rot-Rot-Grün 55,1 Prozent.

Personen wichtiger als Parteien

2511 Strausberger gaben dem AfD-Kandidaten Erik Pardeik ihre Stimme, 58 mehr votierten mit der Zweistimme für die AFD. Der Strausberger Gregor Weiß punktete in seiner Heimatstadt mit 406 Stimmen mehr als seine Partei Die Linke. Der Rüdersdorfer Bürgermeister André Schaller konnte 1078 Stimmen mehr einfahren als seine Partei, die CDU.

Für den am Ende gegen den AfD-Kreisvorsitzenden Lars Günther um 214 Stimmen unterlegenen Ravindra Gujjula gab es im heimatlichen Altlandsberg 1918 Stimmen und 38 Prozent, während der Bad Freienwalder dort um fast 14 Prozent zurücklag. Hingegen bekam Gujjulas SPD nur knapp 27 Prozent der Zweitstimmen, die AfD hat eine einzige Stimme weniger. Auch in Fredersdorf-Vogesdorf liegt Gujjula deutlich vor Günther. Doch holt dieser in der Kurstadt 641 Stimmen mehr als Gujjula. Wobei dort Marco Büchel von den Linken mit 1899 Stimmen und 34,7 Prozent weit an der Spitze liegt. Ganz krass in Bad Freienwalde die Differenzen zu den Zweistimmen: 28,4 Prozent für die AfD, 22,9 Prozent für die SPD und 16,9 Prozent für die Linke. „Es tut weh, denn wir haben einen leidenschaftlichen Wahlkampf gemacht“, kommentierte Ravindra Gujjula das Ergebnis.

Enttäuschung für Simona Koß

Für die SPD-Spitzenkandidatin im Wahlkreis 34, Simona Koß, ist der mit 107 Stimmen Differenz verbundene Verlust des Landtagsmandats an den Lebuser AFD-Mann Franz-Josef Wiese bitter. Die Prädikowerin mit Wahlkreisbüro in Müncheberg und vorheriger beruflicher Tätigkeit in Seelow ist die gesamte Legislaturperiode im Wahlkreis unterwegs und aktiv gewesen. Doch verlor sie sogar ihr Heimspiel in Müncheberg mit 825 zu 863 Stimmen, bei den Zweitstimmen beträgt die Differenz gar 66 Stimmen. Anders in der Märkischen Schweiz, da bekam Simona Koß 1356, Franz-Josef Wiese hingegen 1073 Stimmen. Die Linken-Kreisvorsitzende Bettina Fortunato kam mit 15,1 Prozent als Vierte ein, noch hinter Kristy Augustin (CDU/15,8). Wiese freute sich angesichts des Ergebnisses, dass es gelungen sei, die „Altparteien das Fürchten zu lehren“. Er sei sehr stolz auf das Ergebnis, schließlich sei die AfD erst 2013 gegründet worden.

Im Randberliner Bereich gab Hoppegarten der AfD knapp den Vorzug. Kandidatin Ute Biena-Habrich kam mit 20 Prozent vor Jörg Vogelsänger mit 19,9 Prozent ins Ziel. Bei den Zweitstimmen bekam die SPD 21,8 und die AFD 21,4 Prozent. Neuenhagen wählte deutlich Vogelsänger (23,1) und nur zu 17,9 Prozent Bienia-Habrich. Der Agrar- und Umweltminister, der am Montag schon wieder die Apfelernte eröffnete, freute sich am Sonntagabend über das Direktmandat und das Vertrauen der Wähler: "Dafür bedanke ich mich.“