AfD-Parteitag in Riesa: „Hund als Waffe“ – Polizist schockt Tierfreunde bei Demo

Auch in Berlin und Brandenburg sind derzeit 187 speziell ausgebildete Polizei-Hunde im Einsatz. Wie werden sie auf Massenveranstaltungen vorbereitet?
Mohssen Assanimoghaddam/dpa- Brutaler Hunde-Einsatz bei Anti-AfD-Demo in Riesa, Sachsen; Video löst Empörung aus.
- Polizist wirft Schäferhund auf Demonstranten; Tier wirkt verunsichert und wehrt sich.
- Polizeihundetrainerin Maria-Louise Steszewski kritisiert den Einsatz als Tierquälerei.
- 187 Polizeihunde in Berlin und Brandenburg, Kosten der Ausbildung bis zu 15.000 Euro.
- Info-Abend über Auslandstierschutz am 17. Januar 2025 via Zoom.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein Mann will bei seinem Protest gegen den AfD-Parteitag in Riesa in Sachsen gerade über eine Leitplanke auf die von der Polizei gesperrte Fahrbahn klettern, da wird er von einem Beamten und seinem Hund gestoppt. Der Polizist hält den Schäferhund dabei recht herrisch am Halsband und wirft den Hund brutal dem Demonstranten entgegen, der zurückweicht und, wie der Hund selbst, auf der Leitplanke noch ins Rutschen kommt.
Der Hund schnappt nicht zu, sondern scheint sich eher gegen den Einsatz wehren zu wollen, hat aber durch den harten Zugriff des Beamten kaum eine Chance sich herauszuwinden.
AfD-Parteitag in Riesa – Anzeigen gegen Hundeführer
Das Video von der Anti-AFD-Demo ging viral und hat für einen Aufschrei nicht nur bei Tierliebhabern gesorgt. Gegen den Polizeibeamten liegen inzwischen Anzeigen im Zusammenhang mit der benannten Situation mit dem Diensthund während des Einsatzes am Sonnabend (11. Januar 2025) in Riesa vor, bestätigte Marko Laske, Sprecher der Polizeidirektion Dresden, am Montag (12. Januar 2025).
Ob der Beamte dabei gegen das Tierschutzgesetz verstoßen haben könnte, wollte Laske nicht kommentieren. „Vor dem Hintergrund des laufenden Ermittlungsverfahrens werden wir den Sachverhalt aber derzeit nicht weiter bewerten.“
„Das Video ist schon erschreckend. Man sieht, wie verunsichert der Hund ist und dass er so gar keine Lust auf diesen Job hat“, sagt dagegen Maria-Louise Steszewski von der Hundeschule „Trust me“, nach ihrer Einschätzung befragt.
Die junge Frau aus Brandenburg an der Havel bildet seit Jahren Therapiehunde aus und ist selbst Besitzerin von zwei Vierbeinern. „Auf dem Video ist zu sehen, wie der Hund einfach nur als leblose Waffe eingesetzt worden ist“, sagt sie.
Hunde als polizeiliches Einsatz- und Hilfsmittel
„Es ist zu beachten, dass es sich bei den Diensthunden um Lebewesen und keine Maschinen handelt, welche, ähnlich wie Menschen, Schwankungen und Fehlern unterworfen sind“, heißt es auch auf der Webseite der Brandenburger Polizei ganz allgemein zum Thema Diensthunde.
Allerdings wird dort auch betont: „Die Dienst- oder auch Polizeihunde sind keine Familienhunde, sondern polizeiliche Einsatz- und Hilfsmittel. Erst nach einer umfangreichen Ausbildung und bestandener Abschlussprüfung dürfen sie als Diensthunde eingesetzt werden.“
Hunde-Ausbildung kostet bis zu 15.000 Euro
Im Land Brandenburg versehen gegenwärtig 67 Diensthundeführer mit ihrem Diensthund den Dienst. In Berlin sind 117 Hunde im Einsatz. Beide Landespolizeien wollen den Fall im Nachbarland nicht kommentieren.
In der Berliner Diensthundeführereinheit werden seit Kurzem auch Hunde für die Arbeit in Gefängnissen trainiert, wo sie unter anderem Drogen und Handys erschnüffeln sollen. Alles in allem dauert die Ausbildung von Hund und Hundeführer im Schnitt zwölf bis 18 Monate und kostet rund 10.000 bis 15.000 Euro.
Darüber hinaus werden die Tiere eben auch als Schutzhunde für Demos und Veranstaltungen ausgebildet, müssen Angriffe auf die Polizisten vereiteln oder nach einer Festnahme die Flucht des Täters unmöglich machen. Der Grundlehrgang Schutzhund betrage zwölf Wochen und 60 Arbeitstage, heißt es von der Berliner Polizei.
„Die Hunde bleiben während der Ausbildung, während ihres Dienstes und in den allermeisten Fällen auch während des Ruhestandes bei den ihnen zugeteilten Diensthundeführerinnen und Diensthundeführern“, erläutert ein Sprecher.
Hunde müssen „ausgeprägten Kampftrieb“ haben
„Diensthunde sind ein unverzichtbares Hilfsmittel der Polizei im Kampf gegen die Straftaten“, betont auch die Brandenburger Polizei. Dort verrichteten sie ihren Dienst in den Arbeitsbereichen Spürhund Fährte, Sprengstoff sowie Rauschgift oder würden im Rahmen von Veranstaltungen oder Einsätzen, bei denen eine gute Spürnase oder die Fähigkeit des Schutzhundes benötigt werden, eingesetzt.
Die Tiere werden im Alter zwischen zehn Monaten bis zu vier Jahren angekauft. Sie bräuchten laut Brandenburger Polizei eine besonders gute Gesundheit und Fitness, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Weiterhin müssten sie ein sicheres Umweltverhalten zeigen, eine mittlere Reizschwelle haben, aber auch eine „ausgeprägte Härte“ sowie „einen ausgeprägten Kampftrieb gepaart mit Führigkeit“, heißt es in einer Erklärung der Brandenburger Polizei.
Die Frage, ob die Art der Behandlung des Hundes, wie sie auf dem Video aus Riesa dokumentiert ist, ein Einzelfall oder Methode ist, kann aber auch Hundetrainerin Maria-Louise Steszewski nicht beantworten. „Faszinierend ist, dass der Polizist so agiert, obwohl er weiß, dass er gefilmt wird“, findet die Hunde-Expertin.
Allerdings könne auch sie nur mutmaßen, zumal das Video sehr kurz sei. Was sie auch nicht mag, ist die Hetze im Netz, die nun gegen den Beamten betrieben wird. „Er hat bei der Arbeit einen Fehler gemacht, das kann jedem passieren. Deshalb muss man ihm sein Leben jetzt nicht zur Hölle machen.“

Maria-Louise Steszewski betreibt eine Hundeschule in Brandenburg an der Havel und hat selbst zwei Hunde.
Laurin BonkDurch ihre Arbeit wisse sie auch, dass Gewalt in der Erziehung von Hunden leider immer noch ein Thema ist, berichtet die Trainerin. Das sei immer wieder bei der Ausbildung von Jagdhunden der Fall, die manchmal noch mithilfe von Elektrohalsbändern erzogen würden.
Dass diese Art der Tierquälerei möglich sei, liege auch daran, dass die Tiere selbst hierzulande immer noch zu wenig Rechte hätten und häufig von den Menschen mehr als Ware als als Lebewesen betrachtet würden, kritisiert die junge Frau. Dazu käme, dass die Veterinärämter so überlastet seien und unter so starkem Personalmangel litten, dass sie häufig Wochen und Monate bräuchten, um entsprechenden Anzeigen nachzugehen.
Privatausbildung zum Wachhund verboten
Maria-Louise Steszewski lehnt wie die meisten seriösen Hundetrainer auch eine Ausbildung zum privaten Wachhund ab: „Ich versuche das den Leuten auszureden, auch, weil das ungeheuer gefährlich ist.“ Die Polizei hätte diesbezüglich zwar Sonderrecht, aber Privatpersonen machten sich strafbar, sobald ihre Hunde angreifen.
Generell plädiert sie für mehr Vertrauen zwischen Mensch und Tier. „Ich verstehe nicht, dass der Polizist nicht die Bedürfnisse dieses speziellen Hundes gesehen hat und den anderen Diensthunden die Arbeit überlassen hat, die auf dem Video weniger verschüchtert wirkten.“
Umgekehrt haben Hunde gelernt, den Menschen zu lesen. „Sie haben sozusagen eine neue Sprache gelernt, weil sie mit uns Menschen zusammen sein wollen. Aber leider gibt es auch immer wieder Personen, die das ausnutzen.“
Der Landestierschutzbund Brandenburg verurteilt das Vorgehen des Polizei-Beamten auf dem Video und unterstützt die vorliegenden Anzeigen. „Es kann nicht sein, dass ausgebildetes Personal einen Hund so auf Menschen hetzt und den Hund an die Leitplanke drückt“, schreibt Vorsitzender Rico Lange. Und weiter: „Die Situation scheint vollkommen aus dem Ruder gelaufen zu sein. Ein Hund im Hintergrund geht sogar auf einen anderen Polizisten los. Die Überforderung des Hundes ist deutlich zu erkennen“. Dennoch ist Lange froh, dass die Gefahr für Mensch und Tier zum Glück kein tragisches Ende genommen habe.
Info-Abend über Hilfe für Straßentiere
Viele Menschen sind berührt von den Schicksalen der Straßentiere im Ausland und möchten helfen. Doch welche Risiken und Herausforderungen birgt der Import solcher Tiere nach Deutschland? Mit dem hochaktuellen Thema „Auslandstierschutz“ wird die Reihe der Berliner Heimtierrunden am 17. Januar 2025, um 18 Uhr, fort gesetzt. Die Veranstaltung, organisiert von der Landestierschutzbeauftragten und dem Tierschutzverein für Berlin (TVB), findet online via Zoom statt.
Die Tierärztin und Fachreferentin für Heimtiere, Lisa Hoth-Zimak führt durch den Abend. Mit ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrung in den Bereichen Auslandstierschutz, Qualzucht und der Verhaltensforschung von Tierschutzhunden will sie eine tierschutzkonforme Perspektive aufzeigen.
Anmeldung kostenlos über diesen Eventbrite-Link.





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