Angriff auf Zelle 79 in Cottbus: Es besteht der Verdacht des versuchten Mordes

Nach einem erneuten Angriff auf das alternative Wohnprojekt „Zelle 79“ in Cottbus ermittelt jetzt die Polizei wegen versuchten Mordes.
Luca Woitow / brandenburg.media- Erneuter Angriff auf das Wohnprojekt „Zelle 79“ in Cottbus – Polizei ermittelt.
- In der Nacht zu Donnerstag gegen 1.15 Uhr flogen brennbare Flaschen an die Fassade.
- Der Brand wurde schnell gelöscht, es gab keine Verletzten, Spuren wurden gesichert.
- Verdacht auf versuchten Mord: Staatsschutz und Mordkommission bilden Ermittlungsgruppe.
- Polizei sucht Zeugen und zwei Verdächtige; Hinweise an 0355 4937-1227 oder die Internetwache.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Am Donnerstag (2. Juli 2026) hat es erneut einen Angriff auf das Wohnprojekt „Zelle 79“ in Cottbus gegeben. Wie die Polizei mitteilte, riefen die Bewohner gegen 1.15 Uhr die Polizei.
Unbekannte hatten mehrere mit brennbarer Flüssigkeit gefüllte Flaschen gegen die Fassade des Gebäudes geworfen. Der so verursachte Brand konnte von der Polizei schnell gelöscht werden. Verletzt wurde niemand. Noch in der Nacht sicherten Kriminaltechniker Spuren.
Da sich zum Tatzeitpunkt Personen in dem Haus aufhielten, ermittelt die Polizei nun wegen des Verdachts des versuchten Mordes. Vor dem Hintergrund und weil es sich bei dem Wohnprojekt um ein alternatives Projekt handelt, hat der Staatsschutz zusammen mit der Mordkommission eine Ermittlungsgruppe gegründet. Zusätzlich werden für das Objekt die Schutzmaßnahmen angepasst und Videos ausgewertet, die von Zeugen gemacht worden sind.
Angriff auf Zelle 79 in Cottbus: Polizei sucht nach Zeugen
Die Polizei sucht nun nach Zeugen, die Hinweise zu dem Vorfall geben können. Ebenso wird nach zwei Verdächtigen gefahndet, die bei der Tat beobachtet worden sind.
Beschreibung eines Tatverdächtigen:
- Männlich, etwa 15 bis 20 Jahre alt
- Tätowierung am linken Unterarm
- Schwarze Kleidung, kurze Hose
- Schwarz-weiß-rote Sturmhaube
Beschreibung des zweiten Tatverdächtigen:
- Männlich, etwa 15 bis 20 Jahre alt
- Schwarz gekleidet, lange Hose, Langarmshirt mit weißem Brustaufdruck
Wer Hinweise geben kann, wendet sich bitte an die Polizeiinspektion Cottbus/Spree-Neiße unter der Telefonnummer 0355 4937-1227 oder an jede andere Polizeidienststelle. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, über die Internetwache der Polizei Hinweise zu geben.
So schildert eine Bewohnerin der „Zelle 79“ den Angriff
Das Wohnprojekt „Zelle 79“ und die Initiative Südbrandenburg haben sich inzwischen gemeinsam in einem Posting auf Instagram zu dem Angriff geäußert. „Ich schlief bereits fest, als mich ein Knall weckte. In Sekunden war ich am Fenster“, beschreibt Bewohnerin Fabi Buchholz das Geschehen in der Nacht zu Donnerstag. „Dort rief ich den zwei Angreifern zu, sie sollen verschwinden, und habe die Kamera auf sie gerichtet. Sie schrien zurück, dass wir runterkommen sollen. Danach und damit im vollen Wissen darüber, dass Menschen im Haus sind, haben sie die Brandsätze geworfen.“
Lukas Pellio, Sprecher der Initiative Sichere Orte Südbrandenburg, ordnet die Tat wie folgt ein: „Dieser Brandanschlag ist ein Angriff auf Cottbus. Es wird wieder einmal deutlich, mit welchem Selbstbewusstsein und mit welcher Skrupellosigkeit die rechte Szene in Cottbus agiert.“
Inzwischen wurde auch bekannt, dass in unmittelbarer Nähe das Chekov beim Strombad angegriffen wurde. Auch am alternativen Jugendclub wurde in der Nacht Feuer gelegt, wie aus einer Pressemitteilung der Initiative Sichere Orte Südbrandenburg hervorgeht. Das bestätigt auch die Polizei. Ein Zeuge hatte gegen 10.30 Uhr eine mögliche Brandstiftung in der Stromstraße gemeldet. Nach ersten Erkenntnissen wurde der Holzzaun vor dem Eingang angezündet. Ob es einen Zusammenhang mit dem Angriff auf „Zelle 79“ gibt, ist ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen.
Das Chekov wurde ebenfalls in der Vergangenheit bereits mehrfach von Rechtsextremen angegriffen.
Serie rechter Gewalt erschüttert Cottbus
Die Brandanschläge ereigneten sich im Übrigen während der CSD-Aktionswochen in Cottbus. Schon im vergangenen Jahr gab es einen mutmaßlichen Brandanschlag innerhalb der CSD-Aktionswoche – und zwar auf das Regenbogenkombinat in Sachsendorf. Der Staatsschutz hatte auch in diesem Fall Ermittlungen aufgenommen.
Seit Langem ist das Wohnprojekt „Zelle 79“ Zielscheibe rechter Gewalt. In den letzten Monaten gab es mehrere Sprengstoffanschläge auf das Haus und seine Bewohner sowie regelmäßig rechte Schmierereien an der Fassade. Im April erlebte Cottbus eine massive Welle rechter Angriffe: darunter ein Hakenkreuz an der Synagoge, Angriffe auf mehrere Wohnhäuser und Bedrohungen durch Rechtsextremisten auf offener Straße. Die Polizeidirektion Südbrandenburg spricht von elf Vorfällen innerhalb von knapp zwei Wochen.
Das sagt der Cottbuser Oberbürgermeister zu den Angriffen
Der Cottbuser Oberbürgermeister Tobias Schick (SPD) verurteilt die erneuten Attacken auf die „Zelle 79“ und das Chekov: „Wir werden immer an der Seite derer stehen, die attackiert werden oder deren Leben man gefährdet, obwohl sie nur friedlich, aber anders leben wollen.“ Es komme offenbar nicht von ungefähr, dass dieser Anschlag während der CSD-Wochen verübt wurde. Das Stadtoberhaupt hat mit der Initiative Sichere Orte Kontakt aufgenommen.
In dem Zusammenhang der Attacken wiederholt Tobias Schick seine Forderung zu Kameras im öffentlichen Raum. Man brauche klare Regelungen, um deren Einsatz gezielt und rechtssicher zu gewährleisten, um damit abzuschrecken und die Aufklärung von Straftaten zu unterstützen. „Datenschutz darf den Schutz von Menschen nicht behindern.“
Kürzungen bei „Demokratie leben!“ sorgen für Unmut
Die außergewöhnliche Häufung der Vorfälle in Cottbus kommt vor dem Hintergrund der angekündigten Kürzungen von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) zu einem brisanten Zeitpunkt. Die Ministerin plant im Rahmen der Sparpläne des Bundes nämlich massive Einschnitte im Rahmen der Neuausrichtung des Bundesprogramms „Demokratie leben!“.
Für rund 200 Demokratie- und Antirassismusprojekte soll dabei die Förderung in Zukunft auslaufen. Auch der Bundesverband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, zu dem etwa der Verein Opferperspektive gehört, ist betroffen.
Inzwischen haben sich Dutzende Organisationen, darunter auch die Opferperspektive, in einer Stellungnahme an Karin Prien gewandt. Sie fordern die Bundesministerin auf, die angekündigte Umstrukturierung auszusetzen.
Lukas Pellio sagt hingegen: „Cottbus ist ein Hotspot rechter Gewalt in Brandenburg und braucht daher einen eigenen Standort der Opferperspektive, die Betroffene rechter Gewalt berät.“
Auch der Cottbuser OB vertritt die Ansicht, dass es notwendige Strukturen und Finanzen braucht, um sich um die Opfer solcher Attacken kümmern zu können. Schick sagt aber auch: „Als Gesellschaft müssen wir uns endlich zum Umgang mit mutmaßlich minderjährigen Straftätern verständigen, aber auch dazu, wie wir verhindern, dass junge Leute überhaupt zu Straftätern werden.“ Hier seien Familien, Lehrer, Sozialarbeiter und letztlich alle gefordert.
Um 20 Uhr soll am Donnerstagabend, 2. Juli 2026, eine Mahnwache vor dem Wohnprojekt „Zelle 79“ stattfinden.

