Fünf Wochen nach der verheerenden Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat die Brandenburger Spendenaktion „Wir helfen“ am Freitagabend ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Das Brandenburgische Staatsorchester hatte in Messehalle 4 in Frankfurt (Oder) zu einem Benefizkonzert eingeladen, dessen Einnahmen ebenfalls den Flutopfern in Westdeutschland zugutekommen. Auf dem Programm standen Werke von Mendelssohn und Schubert.
Bis zum Freitag hatte sich die Spendensumme innerhalb weniger Wochen auf 857.788,74 Euro erhöht. Durch das Benefizkonzert, für das die Künstlerinnen und Künstler des Staatsorchesters um Stargeigerin Viviane Hagner auf ihre Gagen verzichten, kommt weiteres Geld hinzu, das beim Wiederaufbau in den Flutgebieten helfen soll. 

260 Gäste waren dabei, darunter viele aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz

Die Märkische Oderzeitung und die Lausitzer Rundschau sowie der Landkreis Märkisch-Oderland und die Gemeinden Letschin und Wriezen haben die Aktion gemeinsam ins Leben gerufen. Beim Benefizkonzert am Freitag waren 260 Besucherinnen und Besucher dabei, unter ihnen Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und Landtagspräsidentin Ulrike Liedtke (beide SPD) sowie mehrere Vertreterinnen und Vertreter aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. „Es ist schwer, Worte für das Leid der Menschen in den Flutgebieten zu finden. Umso wichtiger war es, dass es schnell eine so große Welle der Solidarität auch aus Brandenburg gab“, sagte Woidke. „Wir stehen zusammen. Dieses Signal geht heute von Brandenburg nach Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.“
MOZ-Chefredakteur Claus Liesegang bedankte sich sowohl bei den Einsatzkräften in den Flutgebieten wie den zahlreichen Spenderinnen und Spendern der Hilfsaktion. „Ihnen allen gehört unsere Anerkennung und unser Respekt“, sagte Liesegang. Gernot Schmidt (SPD), Landrat von Märkisch-Oderland, erinnerte daran, dass man sich nach der Flutkatastrophe spontan entschieden habe zu helfen. „In der Not steht man zusammen“, lautete das Credo.

Der Mitbegründer der Lebenshilfe Sinzig zeigte sich dankbar und gerührt

Von den Spendengeldern profitieren konkrete Initiativen vor Ort. Eine von ihnen ist der Lebenshilfeverein Sinzig, der von dem schweren Unwetter in der Nacht zum 15. Juli besonders schwer betroffen war. Dort kamen zwölf Menschen ums Leben. Paul Reuther, der Mitbegründer der Einrichtung, war am Freitag in Frankfurt vor Ort. 
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„Wir sind heute mit großer Rührung und Dankbarkeit an die Oder gekommen“, sagte Reuther. Mit eindringlichen Worten schilderte er den Verlauf der Katastrophe und die aktuelle Situation nicht nur seiner Einrichtung. „Die medizinische Versorgung in der Region spielt sich vielfach noch in Zelten ab. Allein 25 Arztpraxen wurden zerstört. Auch zahlreiche Kliniken und Reha-Einrichtungen sind schwer beschädigt oder sogar einfach vom Erdboden verschwunden.“ Impulse wie jener aus Brandenburg würden helfen, nach vorne blicken zu können.

Von den Spenden profitieren auch ein Sportverein, die Ahrwinzer und ein Jugendtreff

Außerdem profitiert der Sportverein SC Sinzig, der auf Vorschlag von Letschins Bürgermeister Michael Böttcher in die Auswahl kam. Weitere Spenden gehen an den Winzerverein Ahrwein, an die Hinterbliebenen der bei dem Unwetter getöteten sechs Feuerwehrfrauen und -männer und an den Jugendtreff Ehrang-Quint in Trier. Bedacht wird auch das Haus der Jugend Prüm.
Der Eintritt zu dem Benefizkonzert war kostenlos, aber es wurde um Spenden gebeten. Barbara Kowal war eine der Glücklichen, die ein Ticket bekommen hatte. „Ich bin sowohl Abonnentin der Märkischen Oderzeitung wie auch der Konzerte des Staatsorchesters“, erzählte die Fürstenwalderin am Rande des Konzerts. „Es war mir sehr wichtig, hier dabei zu sein. Und natürlich habe ich etwas in die Kasse gegeben.“
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