Bettwanzen in Berlin
: Hotspot Hauptstadt, was wirklich gegen die Wanzen hilft

Bettwanzen nehmen in Berlin zu. Schädlingsbekämpfer Daniel Krämer erzählt, wie man die Blutsauer wieder los wird und warnt vor dubiosen Anbietern. Aber wie finden die Tiere den Weg ins eigene Bett?
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Eine Bettwanze wurde in eine Glasröhre gesteckt, damit Bettwanzenspürhunde die Suche nach den Schädlingen trainieren können. Bettwanzen sind gar nicht selten. Die Blutsauger sind nachtaktiv und Meister im Verstecken, aber Bettwanzenspürhunde entdecken die Insekten. (zu dpa: «Schädlingsbekämpfer: Problem mit Bettwanzen ist größer geworden») +++ dpa-Bildfunk +++

Eingefangen: Eine Bettwanze sitzt in einer Glasröhre. Sie kann des nachts niemanden mehr anknabbern. Warum nisten sich immer mehr dieser Parasiten in Großstädten wie Berlin ein?.

Ina Schuldt/dpa
  • Berlin meldet mehr Bettwanzen; laut Schädlingsreport 2026 Platz zwei hinter Wespen.
  • Berlin hat mit 37 Prozent die höchste Bettwanzenquote bundesweit.
  • Experte Daniel Krämer: Resistenz gegen Insektizide und Wissensverlust fördern Comeback.
  • Vorbereitung ist entscheidend: Waschen, freiräumen; Gift wirkt bis 14 Tage nach Einsatz.
  • Warnung vor dubiosen Anbietern; geprüfte Betriebe über Interessengemeinschaft finden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Dass er von Bettwanzen befallen wurde, erkennt der Mensch erst an den roten Quaddeln und Pusteln auf Armen und Beinen und dem starken Juckreiz, der von den Bissen der Blutsauger herrührt. Doch auch das ist nicht immer ein sicheres Zeichen. „Es gibt rund 200 Hautkrankheiten, die sich optisch ähneln, so kann selbst ein Arzt nicht immer gleich erkennen, ob es sich um Bettwanzen handelt“, sagt Daniel Krämer.

Er ist Schädlingsbekämpfer in Berlin und sucht in den Wohnungen, in die er gerufen wird, nach anderen Hinweisen. Da sind zum Beispiel kleine schwarze Flecken auf der Matratze und auf dem Lattenrost und manchmal auch schon an der Wand, an der das Bett steht. Was ein bisschen aussieht wie aus den Fugen geratene Blindenschrift, ist der Kot von Tausenden Bettwanzen.

Ist dieser zu sehen, haben sich die Tiere schon ordentlich vermehrt. „Ein einziges eingeschlepptes weibliches Exemplar kann in seiner Lebenszeit mehrere hundert Eier legen“, sagt Krämer. Dann müsse der Profi ran.

Bettwanzen in der Wohnung: Dieses Mittel hilft

Krämer ist Vollprofi. Als er es in seiner Ausbildung zum Schädlingsbekämpfer im Alter von 16 Jahren das erste Mal mit Bettwanzen zu tun bekam, seien diese in Berlin noch kein großes Thema gewesen. Doch die Fälle hätten von Jahr zu Jahr zugenommen. „Da fing ich an, mich mit den Tieren genauer zu befassen“, erzählt der 55-Jährige, dessen Firma aus Berlin-Pankow auch Kakerlaken, Silberfische und Mehlkäfer bekämpft.

Krämer besorgte sich Literatur und erfuhr, dass die Bettwanzen seit rund 115 Millionen Jahren existieren und irgendwann von den Fledermäusen auf die Zweibeiner übergesprungen sind. „Schon die Menschen in der Steinzeit räucherten ihre Höhlen aus, um sie loszuwerden“, erklärt der Sachverständige für Schädlingsbekämpfung.

Das Wissen, welche Hausmittel helfen, sei auch in den 1930er-Jahren in Deutschland noch recht verbreitet gewesen, erzählt Krämer. Nach dem Krieg galten Bettwanzen vor allem durch den Einsatz des inzwischen verbotenen Insektenmittels DDT in Deutschland lange Zeit als nahezu ausgerottet.

Comeback der Bettwanzen

Inzwischen feiern die lästigen Parasiten ein weltweites Comeback. Genaue Zahlen gibt es zwar nicht, weil der Befall nicht meldepflichtig ist. Aber laut Daten des aktuellen Schädlingsreports 2026 liegen Bettwanzen mittlerweile auf Platz zwei hinter Wespen und vor Ratten.

Besonders stark betroffen seien dabei laut der Studie, für die deutschlandweit rund 20.000 Kundenanfragen ausgewertet wurden, urbane Räume. Berlin weist mit 37 Prozent die höchste Bettwanzenquote bundesweit auf.

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Ganz viel Wanzenkot: Das ist ein Zeichen für starken Wanzenbefall an einem Bettkasten in Berlin.

Daniel Krämer

Dass Bettwanzen in den vergangenen Jahren zugenommen haben, liege aber weniger an Tourismus und Handel, sondern an der Resistenz der Tiere gegen chemische Insektizide. Und eben an dem verblassenden Wissen, betont Krämer.

Er hat deswegen ein eigenes Schulungscenter eingerichtet. In dem Raum mit Beamer und 25 Sitzplätzen bietet der Geschäftsführer des Berliner Schädlingsbekämpfungsvereins e.V. Bettwanzen-Lehrgänge für Externe an. Selbst langjährige Kollegen hätten in den Schulungen immer wieder Aha-Erlebnisse, berichtet Krämer.

Schädlingsbekämpfung: gute Vorbereitung ist alles

Dabei sei Wanzenbekämpfung eigentlich kein Hexenwerk. Doch man müsse sie richtig und extrem konzentriert durchführen. „Wenn ich die Gardinenleiste vergesse, wird es nicht klappen.“

Bevor er oder seine Mitarbeiter das Insekten-Gift in der Wohnung verteilen, schickt er seinen Kunden erst einmal eine Checkliste zu. „Die Vorbereitung ist alles, dann wird es auch nicht so teuer“, erläutert Krämer. Bei einem unvorbereiteten Besuch dagegen lägen die Erfolgschancen, das Problem nach dem ersten Einsatz in den Griff zu bekommen, gerade mal bei zehn Prozent.

So bittet er Kunden, den Ort des Befalls freizuräumen. „Ich muss auch an die Scheuerleisten ran.“ Auch Kleidungsstücke aus dem betroffenen Zimmer sollten die Kunden bei 60 Grad waschen oder bei 40 bis 45 Grad trocknen.

Die Leute müssen dann während des Einsatzes die Wohnung für zwei bis vier Stunden verlassen. „Die Bettwanzen sind danach jedoch nicht gleich alle tot“, erklärt Krämer. Viele sterben erst, wenn sie in den kommenden 14 Tagen über die mit Insektengift behandelten Möbel und Dielen laufen.

Abzocke von dubiosen Anbietern

Denn was viele nicht wissen: Eine Wanze sucht sich nur alle sieben Tage einen Wirt zum Blutsaugen. Danach versteckt sie sich wieder eine Woche in irgendeiner Nische. Das können auch Steckdosen, Radiowecker, Buchrücken oder Stofftiere sein.

Die Blutsauger können zwar keine Krankheiten übertragen, ihre Invasion aber kann stark auf Körper und Psyche drücken, und auch ins Geld gehen.

Ein Einsatz in einer Einzimmer-Wohnung kostet rund 300 Euro, doch oft müssen die Kammerjäger mehrmals kommen. Krämer kennt auch geprellte Kunden, bei denen unseriöse Anbieter für bis zu 3000 Euro nur Wasser versprüht hätten.

                    Daniel Krämer

Daniel Krämer, Sachverständiger für Schädlingsbekämpfung aus Berlin, geht seit 37 Jahren gegen Bettwanzen vor.

Swen Gottschall

Er und sein Verband versuchen, gegen diese „Verbrecher“ vorzugehen, die keine Qualifikation vorweisen könnten. „Die stehen dann nur mit Handynummer im Internet und haben nicht mal einen Gewerbeschein.“

Als Nepp bezeichnet Krämer aber auch Vermittlungsplattformen, die damit werben, den Betroffenen den günstigsten Schädlingsbekämpfer zum schnellstmöglichen Termin zu vermitteln. „Die streichen allein 30 Prozent vom Umsatz für sich ein und listen auch Anbieter, die überhaupt keine Lizenz als Schädlingsbekämpfer haben.“

Schädlingsbekämpfer mit Herzblut

Wer einen geprüften und zertifizierten Fachbetrieb wolle, solle diesen deshalb über die „Interessengemeinschaft Schädlingsbekämpfung e.V." suchen. Auch dem nationalen Zentralverband steht Krämer vor, genauso wie dem Verbund regionaler Schädlingsbekämpfer e.V. (VRS). „Mein Arbeitstag geht von 6.30 bis 20 Uhr. Nach Feierabend beantworte ich dann zu Hause von der Couch noch rund drei Stunden Anfragen per E-Mail“, berichtet der Pankower.

Seine Frau macht die Buchführung für die Firma mit 30 Angestellten. „Sie ist genauso verrückt wie ich. Man kann das nur mir Herzblut machen, sonst droht ein Burnout“, betont der Berliner.

So wurde er auch schon um Hilfe gebeten, als es um Wanzenbefall in einem Dorf in Nigeria ging, das weder Strom noch Chemie hat. „Betten rausstellen und alles mit kochendem Wasser übergießen“, lautete sein Rat.

Doch in den Berliner Gründerzeitvierteln sei diese simple Methode nicht so einfach möglich. Gerade in den beengten Großstadt-Wohnungen haben Bettwanzen besonders viele Versteckmöglichkeiten.

Bettwanzen im Luxushotel

Aber auch ausrangierte Möbel und Sperrmüll, den in Berlin viele einfach auf die Straße stellen, oder der gebrauchte Sessel, der über Ebay den Besitzer wechselt, sorgen dafür, dass sich die Bettwanzen ausbreiten können. Viel geredet wird aus Scham und Ekel trotzdem nicht über sie. Dass die Parasiten auch in Flugzeugen und Zügen vorkommen, wurde lange verschwiegen.

Dabei ist es kein Problem von Sauberkeit, betont Krämer. Den Tieren sei es egal, ob sie sich in einer Luxusherberge oder einer Messiwohnung befänden. Sie interessierten sich nur für den Menschen. Legt der sich abends schlafen, so stößt er nach etwa anderthalb Stunden so viel CO2 aus, dass bei den Wanzen ein Suchreflex ausgelöst werde.

Selbst wenn die rund 1,5 Millimeter großen und häufig durchsichtigen Tiere mit ihren sechs Beinen über die Haut krabbeln, merkt der Mensch das meistens nicht. „Wir haben dazu bei uns Versuche angestellt“, berichtet Krämer, der in seiner betriebseigenen Forschungsstation selbst Insekten züchtet. Die Wanze saugt sich bis zu 20 Minuten voll, schwillt an und bekommt ihr rotbraunes Aussehen.

Krämer arbeitet inzwischen mit Luxushotels, aber auch dem Deutschen Alpenverein zusammen. Gemeinsam entwickelt man passende Präventions-Konzepte. Auch aus den Hütten auf dem Jakobsweg würden immer wieder ungewollte Reise-Souvenirs in Wander-Rucksäcken mit nach Hause genommen, berichtet der Experte.

Bettwanzen aus dem Hotel mitgebracht

Ein absoluter Hotspot sei aber New York. „Dort ist nicht mehr die Frage, welches Hotel Bettwanzen hat, sondern welches keine Bettwanzen hat.“

So bekommt Krämer auch regelmäßig Hilferufe von Heimkehrern aus den Staaten. Manchmal nimmt er ihr Gepäck dann schon am Flughafen an sich und stellt es einfach kurzerhand bei sich zu Hause in die Sauna. Denn auch Hitze lässt die Tiere sterben.

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Bettwanzen können sich mit der Zeit sogar in Nassräumen ausbreiten. Hier besprüht ein Schädlingsbekämpfer einen  Gemeinschafts-Waschraum.

Daniel Krämer

Doch was kann man tun, um die Schädlinge gar nicht erst einzuschleppen? „Es fängt schon damit an, den Koffer bei der Ankunft im Hotel nicht aufs Bett zu legen. Während des Aufenthaltes im Hotelzimmer könnte man ihn dann recht einfach mit einer Plastik-Mülltüte umwickeln.

Auch die Kleider auf Bügel zu hängen statt sie im Schrank zu stapeln, könne schon helfen. Nach der Heimreise empfiehlt der Experte, den Koffer einfach in der Badewanne auszupacken und die Kleidung direkt in die Waschmaschine zu geben.

Bettwanzen in mehreren Wohnungen

Danach könne man den Koffer einfach im Keller deponieren. Wanzen seien zwar Hungerkünstler, doch nach spätestens sechs Monaten ohne Nahrung tot.

Dass Bettwanzen von Tür zu Tür wandern, passiere dagegen sehr selten. Wenn, dann gelangten sie eher über Versorgungsschächte wie Heizungsrohre in andere Wohnungen. So hatte Daniel Krämers Firma auch schon in einem Mietshaus zu tun, in dem gleich neun Wohnungen befallen waren. „Das war aber zum Glück bisher die Ausnahme.“