Brand in Berlin
: Sprung aus dem 11. Stock - wie sicher sind Mieter in Hochhäusern?

Nur durch einen waghalsigen Sprung konnte eine junge Frau in Berlin vor dem Feuer fliehen. Wie können sich Bewohner retten, wenn die Drehleitern der Feuerwehr nicht bis zum letzten Stockwerk reichen?
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Wohnungsbrand nahe dem Berliner Ostbahnhof: 14.08.2026, Berlin: Feuerwehrleute löschen einen Brand in einem Hochhaus in Friedrichshain. Foto: Christophe Gateau/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Der Wohnungsbrand in einem 21-stöckigen Hochhaus in Berlin-Friedrichshain war für die Berliner Feuerwehr ein besonders dramatischer Einsatz.

Christophe Gateau/dpa
  • Berlin: Frau entkam am 14. August aus 11. Etage durch Sprung in Feuerwehrkorb.
  • Drehleiter reichte nur bis in den 9. Stock – beide Rettete wurden leicht verletzt.
  • Feuerwehr: Hochhäuser werden über Sicherheitstreppen geräumt, Sprungkissen nur bis 3. Etage.
  • In Berlin üblich: Drehleitern bis 23 m, maximal 30 m, längere Systeme nicht verfügbar.
  • Ab 22 m gelten Sonderregeln, Hochhäuser brauchen Brandschutzkonzepte und Rettungstreppenräume.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Zuerst ist es der Rauch, der die 33-jährige Mieterin in Berlin aus den Träumen reißt. Als die junge Frau am 14. August gegen 6.30 Uhr aus ihrem Schlafzimmer tritt, lodern die Flammen schon in Küche und Flur. Das Feuer, das in der elften Etage des Hochhauses in Friedrichshain ausgebrochen ist, breitet sich in rasender Geschwindigkeit aus.

Als die Feuerwehr eintrifft, sitzt die 33-Jährige schon in Panik auf dem Fensterbrett, hinter ihr quillt schwarzer Rauch aus dem Fenster. Doch die Drehleiter reicht nur bis in den neunten Stock.

Mit einem Sprung aus der elften Etage in den schmalen Drehleiterkorb kann sie sich retten. Ein Feuerwehrmann fängt sie auf. Beide kommen mit leichten Verletzungen davon. Weitere elf Bewohner erleiden Rauchgasvergiftungen.

Selbst die Feuerwehr spricht hinterher von einem „dramatischen Einsatz“. „Das war auf Messers Schneide“, sagt ein Sprecher noch vor Ort der dpa.

Feuerwehr-Sprungkissen nur bis zur dritten Etage geeignet

Doch Hochhäuser wie den 21-stöckigen DDR-Plattenbau in Friedrichshain gibt es viele in Berlin. Das höchste reine Wohnhaus mit 31 Etagen steht in der Gropiusstadt in Neukölln und misst 90 Meter.

Die Berliner Feuerwehr aber nutzt standardmäßig Drehleitern mit einer Rettungshöhe von nur 23 Metern. Die maximale Höhe, die die Helfer mit dem Drehkorb erreichen können, liegt bei 30 Metern.

„Darüber hinausgehende Leiter-Längen stehen der Berliner Feuerwehr derzeit nicht als einsatztaktisch verfügbares Gerät zur Verfügung“, heißt es dazu aus der Pressestelle. Längere Systeme wären ohnehin zu langsam aufzubauen.

Auch Sprungkissen seien nur bis zu einer Höhe von maximal 16 Metern sinnvoll – also circa bis zum Sprung aus dem dritten Stock. Sie gelten laut Feuerwehr als Ultima Ratio und seien nicht Teil der regulären Einsatzplanung.

„Das war eine außergewöhnliche Entscheidung in einer Ausnahmesituation.“
sagt die Berliner Feuerwehr
nach der Drehleiter-Rettung beim Hochhausbrand

Das gilt auch für den Sprung in den Korb der Drehleiter. „Das war eine außergewöhnliche Entscheidung in einer Ausnahmesituation“, stellt die Berliner Feuerwehr klar. Sie sei auch nur möglich gewesen, weil mehrere günstige Faktoren zusammengekommen seien.

Denn die maximale Länge einer Drehleiter lasse sich auch nur ausschöpfen, wenn die Straße oder der Platz vor dem Haus mindestens 5,50 Meter breit ist.

So erfolgte die Rettung in Hochhäusern grundsätzlich über die schon eingebauten Rettungswege wie Sicherheitstreppenhäuser. Ab einer Höhe von mehr als 22 Metern gelten Gebäude in Berlin als Sonderbauten.

„Für sie gelten spezielle Anforderungen insbesondere an Brandschutzanlagen, Rettungswege, Treppen und Treppenräume“, erklärt Annemarie Rosenfeld, Sprecherin der Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE.

Wohnungsbrand nahe dem Berliner Ostbahnhof

Nach dem Brand in Berlin mussten 34 Wohnungen gesperrt werden. Die Deutsche Wohnen organisierte für 15 Mietparteien eine Ersatzunterkunft. Die anderen kamen bei Verwandten und Freunden unter.

Christophe Gateau/dpa

„Für Hochhäuser bis 60 Meter kann unter bestimmten Voraussetzungen auch ein innenliegender Sicherheitstreppenraum als Rettungsweg ausreichen, in den Rauch nicht eindringen kann“, erklärt Rosenfeld. Für Hochhäuser mit mehr als 60 Metern seien mindestens zwei Sicherheitstreppenräume aus feuerfestem Material vorgeschrieben.

In einigen ihrer Punkthochhäuser veranstaltet die HOWOGE zudem gemeinsam mit der Feuerwehr Informationsveranstaltungen für Mieter. „Für jedes Hochhaus muss außerdem eine Brandschutzordnung erstellt und mit der Feuerwehr abgestimmt werden“, berichtet Rosenfeld.

Besonderer Brandschutz in Hochhäusern

„Bereits bei Planung und Neubau müssen entsprechende Brandschutzkonzepte umgesetzt werden“, bestätigt auch Stefan Weidelich, Sprecher der Wohnungsbaugesellschaft degewo.

Der vom Brand betroffene Wohnkomplex in der Nähe des Ostbahnhofs wurde im Jahr 1973 eingeweiht und gehört heute der Deutsche Wohnen Gruppe. „Das Gebäude wurde nach den zum Zeitpunkt der Errichtung geltenden Brandschutzvorschriften errichtet und verfügt über ein außenliegendes Sicherheitstreppenhaus“, erklärt Sprecher Christoph Metzner.

Dieses diene als Flucht- und Evakuierungsweg und stelle den Schutz der Bewohner auch in den oberen Etagen sicher. Warum die 33-jährige Mieterin diesen Weg nicht mehr beschreiten konnte, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Nach Informationen dieser Redaktion sei die Frau erst vom Rauch und nicht vom Alarm der Rauchmelder geweckt worden.

„Wir haben in der betroffenen Wohnung im Jahr 2020 drei Rauchwarnmelder verbaut. Diese werden jährlich geprüft“, sagt Deutsche-Wohnen-Sprecher Christoph Metzner. „Wir gehen der Aussage, dass die Rauchwarnmelder nicht ausgelöst haben, gemeinsam mit dem technischen Dienstleister nach.“

Häufig sind technische Defekte Ursache für Brand

Unklar ist auch die Brandursache. „Nach jetziger Einschätzung war es ein technischer Defekt“, sagt Martin Halweg, Sprecher der Berliner Polizei. Dies sei ein häufiger Grund für Wohnungsbrände. Auslöser sind oft defekte oder fehlerhaft eingestellte Sicherungskästen, die zu einer Überspannung und damit zum Kabelbrand führen könnten. „Wenn viele Geräte gleichzeitig in Steckdosen-Verlängerungen eingesteckt sind, kann das Material leicht überhitzen“, warnt Halweg.