Die Brandenburger sollen nach dem Willen der rot-schwarz-grünen Landesregierung zügiger als bisher gegen das Coronavirus geimpft werden. Die Kapazitäten dafür sollen im ganzen Land ausgeweitet werden. Darauf haben sich am Mittwochabend Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) mit den Landkreisen und kreisfreien Städten in einer Videokonferenz zur Impfkampagne verständigt.

Impfzentren in Potsdam, Cottbus und Schönefeld in Betrieb

Wie Regierungssprecher Florian Engels auf Anfrage mitteilte, wurde vereinbart, die Zahl der Impfzentren von 11 auf 18 zu erhöhen. An der Konferenz nahmen auch das DRK, die Kassenärztliche Vereinigung, die Landeskrankenhausgesellschaft und die Landesärztekammer teil. Der Impfstart war bisher schleppend. Die Linksfraktion hatte der Regierung Scheitern vorgeworfen.
Impfzentren sind bisher in Potsdam, Cottbus und Schönefeld (BER) in Betrieb. Bis Anfang Februar sollen weitere in Elsterwerda, Frankfurt (Oder), Oranienburg, Eberswalde, Brandenburg an der Havel, Prenzlau, Kyritz und Luckenwalde starten. Weitere Impfzentren folgen voraussichtlich bis Ende Februar. Bis dahin sollen damit alle Kreise und kreisfreien Städte Ende entsprechend ausgestattet sein.
Die Zahl der mobilen Impfteams wird dem Regierungssprecher zufolge ebenfalls erhöht, auch unabhängig davon, wann die Impfzentren eingerichtet werden. Auf diese Weise soll es möglich sein, bis Mitte Februar allen Bewohnerinnen und Bewohnern in Alten- und Pflegeheime ein Impfangebot zu machen.

Nonnemacher bittet um Geduld

Bei den Impfungen pro 1000 Einwohner lag das Land mit 7,8 nach Zahlen des Robert Koch-Instituts vom Mittwoch besser als Thüringen, Baden-Württemberg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Den letzten Platz beim Impfen von Pflegeheimbewohnern gab Brandenburg an Thüringen ab.
In der Mark sind bisher knapp 20.000 Menschen geimpft - 0,8 Prozent der Bevölkerung von rund 2,5 Millionen. Zunächst sind Bewohner und Personal von Pflegeheimen, Medizinpersonal und über 80-Jährige an der Reihe - das sind 280.000 Menschen.
Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) verteidigte die bisherige Strategie und bat um Geduld. „Das nimmt etwas Fahrt auf, so dass ich hoffe, dass wir auch da bald besser werden“, sagte sie über die Zahl der Impfungen bei einer Videokonferenz des Landtags-Gesundheitsausschusses. Bis Mitte Februar sollten alle Pflegeheimbewohner wenn gewünscht einmal geimpft werden, die Hälfte davon bereits zweimal. Sie forderte, die Reihenfolge wie vom Bund vorgegeben einzuhalten. „Ich werde permanent bestürmt: Könnt ihr nicht den noch mitimpfen? Das ist schwer auszuhalten.“

Verbesserung bei Hotline 116 117

Die Impfungen in ländlichen Regionen werden Nonnemacher zufolge eine Herausforderung. „Die Fläche ist natürlich ein Problem“, sagte sie. „Da wird es noch ein bisschen dauern.“ Es werde geprüft, ob Krankenhäuser oder Reha-Kliniken auch zu Impfzentren werden können und wie diejenigen besser in die Impfzentren kommen, die schlecht mobil sind.
Nach dem chaotischen Start der Terminvergabe für Corona-Impfzentren über die Rufnummer 116 117 sehen die Kassenärzte eine Besserung. „Wir sind immer noch unzufrieden mit der Hotline, aber wir können in den letzten Tagen eindeutig erkennen, dass das besser wird“, sagte der Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Brandenburg, Peter Noack, der Deutschen Presse-Agentur.
Am ersten Tag hätten rund 23.000 Menschen die Hotline angerufen, unter zehn Prozent der Anrufe seien angenommen worden. Das habe sich eingependelt auf bis zu 3700 Anrufe pro Tag bei einer Annahmequote von 85 bis 90 Prozent. Noack forderte mehr Impfstoff vom Bund. „Wir können nur so viele Termine vergeben, wie gesichert Impfstoff vorhanden ist.“
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