Corona-Krise: Immer mehr Schutzmasken Made in Germany

Auch der schwäbische Bekleidungshersteller Trigema produziert jetzt Mundschutz-Masken.
Trigema/dpaSie stößt selbst in der FDP auf Zustimmung, obwohl sie sonst staatliche Zwangsmaßnahmen ablehnt. „Aus medizinischer Sicht spricht vieles dafür“, sagt der stellvertretende Fraktionschef im Bundestag, Stephan Thomae. Immerhin könnten Masken dabei helfen, andere Menschen nicht zu infizieren.
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Er nennt allerdings eine Voraussetzung: „Es muss jedem Bürger möglich sein, eine Maske zu bekommen.“ Angesichts der knappen Versorgungslage befürchte er, dass dies momentan noch nicht sichergestellt werden kann. Thomae hält es für denkbar, dass Bürger für die Ausgabe von Masken einen geringen Geldbetrag zahlen müssen. „Es gibt keinen Anspruch darauf, dass der Staat Masken kostenfrei verteilen muss.“ Er hält es für zumutbar, „dass man sich kostengünstige Masken auch selber kauft, um am öffentlichen Leben teilnehmen zu können“.
So ist es in Österreich, wo bereits am Dienstag viele Einzelhändler wieder öffnen durften. In Fernsehberichten war zu sehen, dass an Kunden Masken gratis verteilt wurden. Verpflichtet zur Ausgabe sind nur Lebensmittelhändler und Drogeriemärkte, berichtet Gerald Kühberger vom österreichischen Handelsverband. Und auch die dürfen ihre Selbstkosten von den Kunden verlangen. Zwar gebe es eine generelle Tragepflicht für alle Konsumenten. Aber es muss keine Schutzmaske sein. Es reicht ein Schal, der Mund und Nase bedeckt.
Ein Tuch reicht
Solche Überlegungen gibt es auch in deutschen Landesregierungen, etwa in Baden-Württemberg. Einfache Stoffmasken oder ein Tuch könnten helfen, die Verbreitung des Virus zu bremsen, wenn auch nur in Ergänzung zu anderen Maßnahmen, heißt es.
Der Einzelhandel könne eine flächendeckende Versorgung mit Schutzmasken nicht sicherstellen, gibt der Handelsverband Deutschland den Ball an die Politik zurück. Eine Pflicht zum Tragen sei grundsätzlich vorstellbar. Dann müsse sie sagen, wo sie herkommen sollten.
Die Politik hat allerdings schon genug zu tun, medizinische Schutzmasken zu beschaffen, also OP- und FFP-Masken mit eingebauten Filtern. Bisher sind 80 Millionen eingetroffen, weitere Millionen hat das Bundesgesundheitsministerium bestellt. Weil diese Wegwerfprodukte knapp sind, sind sie weiterhin dem Gesundheitsbereich vorbehalten.
Anders sieht es bei den „Alltags-Masken“ aus, die wasch- und damit wiederverwertbar sind. Viele mittelständische Bekleidungshersteller haben kurzfristig ihre Produktion umgestellt. Rund 40 Prozent der 1400 deutschen Textil- und Modehersteller seien bereits in die Produktion von Schutzausrüstung und Mund-Nase-Masken eingestiegen, berichtet Verbands-Hauptgeschäfts-führer Uwe Mazura. Sie mussten Lieferketten etwa zu Herstellern von Vliesstoff wieder aufbauen, die in Europa seit Jahrzehnten nicht mehr bestanden, und neue Maschinen bestellen, die Lieferzeit haben. Noch wird viel von Hand genäht.
Zehnerpack für 120 Euro
Am spektakulärsten inszenierte dies Trigema-Chef Wolfgang Grupp im schwäbischen Burladingen. Er liefert nicht nur an Alten- und Pflegeheime, sondern per Onlineshop auch an Privatleute, den Zehnerpack für 120 Euro, aktueller Liefertermin zweite Mai-Hälfte. Andere Angebote von Mittelständlern sind im Internet deutlich billiger zu finden. „Die benötigten Kapazitäten und Mengen zu produzieren, ist eine Herkulesaufgabe“, sagt Mazura. Die Mittelständler sähen sie eher als gesellschaftliche Verpflichtung denn als Ersatz für andere Umsätze. Stückzahlen kann er noch nicht nennen.
Zum Vergleich: Allein das Gesundheitswesen braucht laut Minister Jens Spahn (CDU) in diesem Jahr 450 Millionen FFP-2-Spezialmasken und eine Milliarde OP-Masken.
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