Corona-Lockerungen
: Kaum Andrang in der Mall of Berlin und im A10 Center in Wildau

Mit Bügeleisen Kleidung desinfizieren: Wie Läden Kunden und Mitarbeiter in den wiedereröffneten Shoppingscentern schützen.
Von
Mathias Hausding,
Maria Neuendorff
Wildau/Berlin
Jetzt in der App anhören
  • Gut geschützt: Mitarbeiter eines Bekleidungsgeschäftes warten am Mittwoch in der wiedereröffneten Mall of Berlin auf Kunden.

    Gut geschützt: Mitarbeiter eines Bekleidungsgeschäftes warten am Mittwoch in der wiedereröffneten Mall of Berlin auf Kunden.

    Bernd von Jutrczenka/dpa
  • In der Mall of Berlin hielt sich der Andrang am Tag der Wiedereröffnung in Grenzen.

    In der Mall of Berlin hielt sich der Andrang am Tag der Wiedereröffnung in Grenzen.

    Maria Neuendorff/MOZ
  • Ein Hinweisschild im A10 Center Wildau zeigt die erlaubte Kundenanzahl für ein Geschäft an.

    Ein Hinweisschild im A10 Center Wildau zeigt die erlaubte Kundenanzahl für ein Geschäft an.

    Mathias Hausding/MOZ
1 / 3

In Brandenburgs größtem Einkaufszentrum, dem A10 Center in Wildau, war am Mittwochvormittag eine ruhige Wiedereröffnung der Ladengeschäfte zu erleben. „Herzlich Willkommen“, hieß es kurz vor 10 Uhr über Lautsprecher. „Handeln Sie besonnen und achten Sie bitte auf Handhygiene und Abstandsregeln. Viel Spaß beim Einkaufen.“ An den Eingängen zum Center werden die Abstandsregeln erklärt. Außerdem stehen Boxen zur Händedesinfektion bereit.

Der größte Teil der Geschäfte in der Mall ist nun wieder geöffnet. Ein Ansturm blieb zunächst aus. Nur einzelne Kunden, etwa jeder Zweite mit Mundschutz, schlenderten neugierig durch die Gänge. „Ich muss zum Optiker. Nur der ist heute für mich wichtig“, sagte eine ältere Frau im Vorbeigehen. Kürzere Schlangen bildeten sich zunächst lediglich vor Handyläden. Ein Mann auf dem Weg zum Supermarkt betonte, dass Mundschutz für ihn eine Selbstverständlichkeit sei, da er daheim seine 85-jährige Mutter habe.

Die neuesten Entwicklungen im Corona-Blog: Coronavirus und die Folgen für Brandenburg und Berlin

Nach längeren Gesprächen mit dem maskierten Reporter war allerdings verständlicherweise nicht allen. Der Eindruck war: Viele Besucher wollen sich erst mal nur umschauen und dann schnell wieder raus. Supermarkt, Drogerie und Baumarkt im A10 Center waren von der Schließung ohnehin nicht betroffen. Zu blieben am Mittwoch lediglich die Filialen einiger Ketten wie etwa H&M. Die Verkäuferin eines zu einer Kette gehörenden Tabakgeschäfts sagte: „Wir machen erst mal nur sauber und hoffen, dass uns unsere Firma ab Montagerlaubt, den Laden zu öffnen.“

Die Auslegung der Hygieneregeln erfolgt in den Geschäften unterschiedlich. Bei einem Optiker erhielt jeder Kunde am Eingang eine Maske sowie eine persönliche Händedesinfektion durch einen Mitarbeiter. Und selbstverständlich waren auch die Angestellten maskiert. In einem Teeladen hingegen ein eher ungewöhnliches Bild: Sämtliche Kunden trugen Maske, nur die Kassiererin hinter dem schmalen Tresen nicht.

Alle Läden machen am jeweiligen Eingang auf ihre Regeln aufmerksam. Meist wird vor allem auf den Abstand und die damit verbundene maximale Kundenzahl im Laden verwiesen – in kleinen Shops auch mal nur zweit. In Sachen Masken üben manche Läden sanften Druck aus: „Mundschutz nicht vergessen!“ In anderen Shops gibt es dazu keinerlei Hinweise.

Vor den geöffneten Imbissständen im Center wird auf die Einhaltung der Regeln gepocht. „Bitte weiterlaufen!“, musste sich ein verdutzter Mann anhören, der sein Schnitzel im Brot gleich vor Ort gestützt auf seinen reich gefüllten Baumarkt-Einkaufswagen verspeisen wollte. Manchen Verkäuferinnen war die ungewohnte Situation am Tag eins nach der wochenlangen Schließung anzumerken: „Ich muss mal einen anderen Mundschutz ausprobieren, weil meine Brille beim Atmen immer beschlägt.“ Die Blicke der Frau gingen unterdessen immer wieder gespannt Richtung Ladeneingang. Denn eine gute halbe Stunde nach Eröffnung hatte noch kein Kunde den Weg in das Schuhgeschäft gefunden. „Mal sehen, ich bin gespannt, wie sich das entwickelt“, sagte die Verkäuferin. „Vor allem hoffe ich, dass sich alle an die jetzt geltenden Regeln halten.“

Doch das betrifft scheinbar nicht nur die Kunden. „Derzeit erreichen uns besorgte Nachfragen von Beschäftigten aus Einzelhandelsgeschäften, wonach offensichtlich nicht jeder Arbeitgeber seine Verpflichtung diesbezüglich erkannt hat und umsetzt“, berichtet Erika Ritter, Fachbereichsleiterin Handel der Gewerkschaft Verdi Berlin-Brandenburg. Sie fordert von den Behörden, die Umsetzung der Schutzmaßnahmen zu kontrollieren und bei Nichteinhaltung die erneute Schließung anzuordnen.

Zugleich fordert sie eine wirksame Zugangskontrolle zu den Einkaufsstraßen und Plätzen in den Innenstädten, um die erreichten Ergebnisse des Infektionsschutzes nicht erneut zu gefährden.

In der „Mall of Berlin“ in Mitte werden die Besucher von den Center-Mitarbeitern schon an den Eingängen mit Sprühflaschen begrüßt. „Wir sind wieder für Sie da“, steht auf einem Zettel am „Lacoste“-Schaufenster in der  Edel-Passage an der Leipziger Straße. „An den vergangenen zwei Tagen sind wir von unserem Arbeitgeber extra geschult worden“, erklärt die Store-Leiterin, die Mundschutz trägt. Zum Beispiel darin, dass man die Pinzette nicht vergessen darf, mit der man den Kunden am Eingang die Einwegmasken aus weißen Boxen zieht und übergibt.

Auch Bügel und Stangen würden nun mehrfach am Tag gereinigt. Für die Kleider selbst steht in einer Ecke ein staubsaugerähnliches Gerät bereit. Das Dampfbügeleisen, mit dem Mitarbeiter schon vor der Pandemie Kleider glattgestrichen haben, erweist sich nun als wahres Wundergerät. „Weil der Dampf bis zu 100 Grad heiß wird, können wir damit die Kleider nach jeder Anprobe desinfizieren“, erklärt die Store-Leiterin.

Fünf Personen dürfen gleichzeitig in ihren 150 Quadratmeter großen Laden. Doch bis zum Mittwochmittag ist noch niemand erschienen.

Auch der Bayern-Fanshop ist leer. „Wir haben in vier Stunden einen Ball verkauft“, berichtet der Chef. Ihm wäre es lieber, erst in ein paar Wochen wieder zu starten, gesteht er. „Wenn wieder richtig alle Freude daran haben.“

Die Kinderrutsche, die sich nebenan über zwei Etagen zieht, bleibt gesperrt. In einem der Spielzeugläden sieht man zwei einzelne Männer zwischen den Regalen stöbern. Am Ende einer der leeren Rolltreppen steht eine Putzkraft und drückt einen Lappen auf den Gummihandlauf.

Zu den wenigen Kunden, die man in den langen Gängen von Berlins zweitgrößter Mall antrifft, gehört eine junge Mutter mit ihrem dreijährigen Sohn. Sie will eine hochwertige Handcreme umtauschen, die sie vor dem Lockdown gekauft hat und die am Deckel beschädigt ist. Nach richtigem Shoppen ist auch ihr nicht. „In solch einer Situation kann das neue Kleid warten. Aber es ist trotzdem schön, mal wieder unter Menschen zu gehen“, sagt die 29-Jährige, bevor sie noch schnell bei Aldi im Untergeschoss ein paar Lebensmittel einkauft.