Einkaufen in Berlin: Spuk im Einkaufszentrum – wie Kunst-Menschen Center beleben

Kein Kunde, nirgends: Im Marktplatzcenter in Berlin-Hellersdorf sind keine Besucher zu sehen. Dort haben derzeit auch nur noch wenige Geschäfte geöffnet. Welche Pläne haben die Besitzer?
Maria Neuendorff- Das Einkaufszentrum „Helle Mitte“ in Berlin leidet unter Leerstand; Bewohner shoppen lieber in Brandenburg.
- Künstler füllen die leeren Läden; Real-Auszug vor zwei Jahren markierte den Höhepunkt des Niedergangs.
- SPD und FDP fordern ganzheitliche Maßnahmen zur Belebung des Viertels; ab 2026 sind Verbesserungen geplant.
- Eigentümer Aroundtown plant neue Ansiedlungen; Kletterpark im ehemaligen Multiplexkino als Beispiel für kreative Nutzung.
- Marktplatzcenter beherbergt noch 25 Geschäfte und Praxen; Wohnungen im Center sind vermietet.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im Marktplatzcenter in Berlin-Hellersdorf ist man schnell umgeben von lachenden Pärchen und Familien mit prall gefüllten Einkaufstüten. Doch genauso schnell merkt man, dass man eigentlich ganz alleine in der Einkaufspassage am nordöstlichen Stadtrand ist. Die shoppenden Menschen sind nicht echt. Sie wurden an die Schaufenster der leerstehenden Ladengeschäfte gedruckt – viel einzukaufen gibt es hier schon längst nicht mehr.
Von einst rund 30 Geschäften sind gerade einmal eine Handvoll übriggeblieben, Rossmann, Apollo Optik und Takko wirken wie die letzten Mohikaner. Deichmann ist im August ausgezogen. „Auch der Bäcker hat inzwischen zugemacht“, berichtet eine Anwohnerin und zeigt auf die zusammengeketteten Stühle vor der verwaisten Laden-Theke und den leeren Brötchenregalen.
Anwohnerin – Real-Auszug war trauriger Höhepunkt
Obwohl gerade Feierabend-Einkaufszeit ist, sind nur vereinzelt Kunden in der Passage unterwegs. „Da ist alles zu“, ruft eine Putzfrau mit fahrbarem Besenwagen zwei Jungen mit Tretrollern hinterher, die durch die Gänge streunen. Neben dem nur noch halb gefüllten Greifspiel-Automaten, den sie ansteuern, wirbt ein Schild für freie Ladenflächen.

Das Marktplatzcenter gehört zum 1997 eröffneten Stadtteilzentrum „Helle Mitte" in Berlin.
Maria NeuendorffWas ist hier passiert? „Der Niedergang fing schon vor vielen Jahren an“, berichtet die Anwohnerin, die seit DDR-Zeiten in Hellersdorf lebt. Mit dem Auszug von Real vor zwei Jahren habe er dann seinen Höhepunkt erreicht. „Die Leute fahren nun ins Kaufland nach Eiche nach Brandenburg“, berichtet die 67-Jährige. Auch sie komme nur noch wegen der Zeitung in die Passage.
Heute ist das gesamte Areal am weitläufigen Alice-Salomon-Platz durch Leerstand geprägt. Die großen Ankermieter wie H&M, C&A, Saturn oder Thalia haben schon vor über zehn Jahren die Reißleine gezogen. Das Bild prägen nun hauptsächlich Imbiss-Stuben, Friseur-Salons, Nagelstudios und Cocktailbars. Die Drehtür zur „Helle Passage“ ist schon seit Jahren mit einer Eisenkette verschlossen.

Die „Helle Passage" ist schon lange geschlossen.
Maria NeuendorffAuf den Bänken davor schütten ältere Männer mit fahlen Gesichtern ihre Sorgen mit Bier hinunter. Auch die Alice-Salomon-Hochschule gleich nebenan, mit ihrer stetig wachsenden Zahl an Studenten in Sozial- und Gesundheitsberufen, scheint die steinernen Plätze und Passagen am U-Bahnhof Hellersdorfer Straße nicht nachhaltig beleben zu können.
Dabei wies die SPD-Fraktion im Bezirk Marzahn-Hellersdorf schon Ende 2019 auf die großen Probleme des Stadtteilzentrums „Helle Mitte“ hin, das allgemein als Einzugsgebiet für eine Viertelmillion Einwohner aus Berlin und Brandenburg gilt. Rund 80.000 davon wohnen in unmittelbarer fußläufiger Entfernung. „Der Zustand, in dem sich Helle Mitte befindet, besorgt die Hellersdorf/-innen und macht auf ein eklatantes Problem aufmerksam: Das Bezirksamt hat kein Konzept“, hieß es schon damals in einer Mitteilung der Partei.
Seitdem wurde aber lediglich die Umgestaltung der riesigen Betonfläche auf dem Alice-Salomon-Platz beschlossen. „Der Siegerentwurf von der Bruun & Möllers GmbH & Co. KG aus Hamburg bringt für die Bürgerinnen und Bürger spürbare Verbesserungen – mehr Grün, mehr Schatten und mehr Aufenthaltsqualität – auf den Platz und ist auch umsetzbar“, sagt Nadja Zivkovic (CDU), Bezirksbürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf. Der Start der Baumaßnahme sei ab 2026 geplant.
„Wir begrüßen, dass mit der geplanten Umgestaltung ein erstes Zeichen gesetzt werden soll, um hier eine Trendwende einzuleiten“, sagt Peter Langer, Generalsekretär der Berliner FDP. Damit aber wieder mehr Leben in die Helle Mitte einkehrt, sei ein ganzheitlicher Ansatz erforderlich, der das gesamte Viertel in den Blick nehme. „Insbesondere ist zu überlegen, wie die leerstehenden Flächen einer neuen Nutzung zugeführt werden können“, betont Langer, der bis zur Wiederholungswahl Mitglied der FDP-Fraktion in der BVV und Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft, Arbeit und Digitalisierung war.
Wohnungen im Einkaufszentrum
Auf seine Anregung hin hatte die Bezirksverordnetenversammlung Anfang 2022 beschlossen, den Runden Tisch „Helle Mitte“ wiederzubeleben. „Wir sollten Nichtstun nicht hinter fehlenden Fördermitteln und mangelnden personellen Kapazitäten verstecken“, sagt Langer. Stattdessen soll Bezirksbürgermeisterin Nadja Zivkovic die Helle Mitte zur Chefsache erklären und persönlich dazu einladen.
Nach den Vorstellungen des FDP-Politikers sollen an dem Runden Tisch die Grundstückseigentümer und Vermieter, die Gewerbetreibenden und Einzelhändler mit Politikern zusammenkommen. „Es ist sinnvoll, dass die privaten Geldgeber zunächst ihre Vorstellungen zur Weiterentwicklung ihres Eigentums auf den Tisch legen und Vorhaben untereinander koordinieren, damit sich die Aktivitäten gegenseitig befruchten können“, so Lange.

Blick von außen auf eines der Gebäude des Stadtteilzentrums „Helle Mitte" in Berlin-Hellersdorf.
Maria NeuendorffDas Marktplatzcenter gehört der Aroundtown SA, einem in Luxemburg ansässigen Unternehmen mit operativem Hauptsitz in Berlin-Tegel, das Anteile an Gewerbeimmobilien insbesondere in Deutschland und den Niederlanden hält. Der Schwerpunkt liegt auf Büro-, Hotel- und Gewerbeimmobilien. „Es gibt im Objekt Marktplatzcenter weiterhin 25 Geschäfte und Praxen, die geöffnet sind“, heißt es auf Anfrage vom Unternehmen. Gemeint können nach der Vor-Ort-Recherche aber damit größtenteils die Räumlichkeiten von Arztpraxen sowie dem Blutspende- und Plasmaspendezentrum sein, die sich ebenfalls im Einkaufszentrum befinden.
Auf den Schaufenstern der leer gezogenen Läden werben dagegen immer wieder Schilder um Neumieter. Auf einem werden zudem Wohnungen im Center angepriesen. Ein Anruf beim Centermanagement bringt jedoch die Information, dass die Apartments mit Balkon und Fahrstuhl seit einem Monat voll vermietet seien.
Ein paar der ehemaligen Shops in der ersten Etage wurden zudem in Kunsträume umgewandelt, in denen sich Graffiti-Spayer austoben durften. In einem der Räume hat das Künstlerkollektiv New Cru eine Installation zur globalen Abfallwirtschaft aufgebaut und dafür selbst-ironisch Müll aus dem sterbenden Einkaufscenter gesammelt.
Doch laut Eigentümer soll es als Shopping-Mall weiterleben. „Derzeit laufen aktive Planungen und fortgeschrittene Gespräche zur neuen Ansiedlung unter anderem eines großen Ankermieters“, heißt es von Aroundtown. Man bitte um Verständnis dafür, dass man aufgrund vertraglicher Vereinbarungen derzeit keine weiteren Aussagen machen könne.
Kletterpark im Multiplexkino
Doch laut Lange von der FDP sei bei der Revitalisierung der einst florierenden Hellen Mitte auch die öffentliche Hand gefragt. Dass dabei auch ungewöhnliche Ideen erfolgreich sein könnten, zeige die Etablierung des Kletterparks „Bergwerk Berlin“ in einem Centerteil der „Hellen Mitte“ an der Stendaler Straße. Für die Ansiedlung der Indoor-Kletteranlage wurde 2012 das Multiplex-Kino Berlin mit zwölf Sälen auf sieben Säle verkleinert.
Aktuell wird laut Bürgermeisterin Zivkovic im Auftrag des Stadtentwicklungsamtes ein Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept (INSEK) für den Untersuchungsraum „Helle Mitte“ erstellt, das die Grundlage für die Aufnahme in das Städtebauförderprogramm „Lebendige Zentren und Quartiere“ sei. „Das übergeordnete Ziel ist eine schrittweise funktionale, städtebauliche und immobilienwirtschaftliche Weiterentwicklung als wirtschaftlich tragfähiges und attraktives Stadtteilzentrum“, erklärt die Politikerin.

Links wurde das Schaufenster eines ehemaligen Ladengeschäftes im Marktplatzcenter in Berlin-Hellersdorf mit Bildern shoppender Menschen gestaltet. Im Raum daneben hat ein Künstlerkollektiv eine Installation aufgebaut.
Maria NeuendorffDabei werde auch die Revitalisierung des Marktplatzcenters als Handlungsbedarf benannt. Die Entwicklung von konkreten Maßnahmen, wie zum Beispiel Möglichkeiten zur Belebung der Erdgeschosszonen, könne aber erst mit Start des Förderungsprogramms 2025 erfolgen.



