Ex-Weltmeister im Boxen: Was Henry Maske in der Corona-Krise rät

Gefragter Redner: Im März 2019 referierte Henry Maske auf dem Deutschen Schulleiterkongress in Düsseldorf zum Thema: "Nur wer aufgibt, hat verloren". In der Corona-Krise rät er zu Disziplin, Solidarität und Optimismus.
Roland WeihrauchWie kaum anders zu erwarten, ist der „Gentleman“, wie er einst wegen seines Kampfstils genannt wurde, am Telefon die Ruhe selbst. „Wir wohnen nicht in den Hotspots in Köln oder Leverkusen, sondern im Bergischen Land, in einer überschaubar großen Stadt“, erzählt der 56-Jährige. „Ich kann in den Garten gehen. Die Sonne scheint. Das hilft natürlich.“
Für ihn persönlich sei es durch die vielfältigen Einschränkungen zu Absagen oder Verschiebungen zum Beispiel von Vorträgen gekommen, die er halten wollte. „Da geht es mir wie vielen anderen“, sagt er. Viele Worte will er darüber gar nicht verlieren. In diesen Tagen sollte er eigentlich in Magdeburg als TV-Experte dabei sein, weil im "Ersten“ seit langer Zeit mal wieder Boxen übertragen werden sollte. Doch die Kämpfe sind natürlich abgesagt. Nicht zu ändern.
Disziplin als Gebot der Stunde
Das Besondere an der jetzigen Situation in ganz Europa sei für ihn die Ungewissheit. „Ehrlicherweise muss man sagen, dass niemand weiß, was in zehn Tagen ist. Die zuständigen Behörden sind guten Willens, vielleicht teilweise überfordert. Disziplin, Ruhe und Sachlichkeit sind jetzt die obersten Gebote“, findet der ehemalige Weltmeister und Olympiasieger, der vor allem in den 1990er-Jahren mit seinen Erfolgen Millionen Menschen begeisterte und in Deutschland für einen Boom des Boxsports sorgte.
In den vergangenen Tagen habe er sich mit mehreren befreundeten Medizinern unterhalten, die die Krise jeweils durchaus unterschiedlich beurteilen, erzählt Maske. Das zeige, wie schwierig es für die Behörden ist, Entscheidungen zu treffen, schlussfolgert er. Und deshalb sei es fragwürdig, ihnen in der jetzigen Situation Vorwürfe zu machen. Er habe großen Respekt vor Angela Merkels ehrlicher Aussage, dass sich die Lage täglich ändern könne.
Henry Maske rät dazu, in der aktuellen Lage den Blick verstärkt auf positive Dinge zu richten. Wenn zum Beispiel einige junge Menschen Corona-Partys feiern, müsse man das kritisieren und unterbinden. Aber man möge beachten, dass sich die Masse auch der jungen Leute sehr gut verhalte.
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Das gelte im Übrigen für viele gesellschaftliche Themen, über die in Deutschland immer wieder heiß diskutiert werde. Ein etwas anderer Fokus wäre in seinen Augen schön. „In jeder Schulklasse gab es früher und gibt es auch heute noch immer zwei, drei Leute, die ganz anders ticken“, führt Maske aus. „Ich wünsche mir, dass wir uns nicht auf die wenigen konzentrieren, die eine Situation belasten, sondern deutlich mehr Augenmerk auf hilfreiche, positive und wertvolle Einstellungen und Aktionen legen.“
Die Menschen in Brandenburg sieht der Träger des hiesigen Landesverdienstordens ob ihres Naturells grundsätzlich gut gerüstet für die Krise. „Wir Brandenburger verzichten auf viele Worte, sind pragmatische Macher, die sich am Ende auch selber helfen können“, sagt der gebürtige Treuenbrietzener, der lange Jahre in Frankfurt (Oder) gelebt und trainiert hat.
„Viele Brandenburger sind Realisten“, ergänzt Maske. „Die Situation ist, wie sie ist. Wir müssen damit zurechtkommen.“ Da es im Moment keine aktive Möglichkeit gebe, das Virus etwa mit Medikamenten zu bekämpfen, komme es auf gesunden Menschenverstand an sowie auf Solidarität und gegenseitige Rücksichtnahme.
Ganz schwierig sei es freilich, wenn Menschen sich nun Sorgen um ihren Lebensunterhalt machen müssen. „Da will ich keine klugen Ratschläge geben“, betont Maske. Natürlich habe er selbst häufig Zeiten erlebt, in denen er vor neuen Herausforderungen stand. „Aber da ging es nie um die Existenz, sondern um den Mut, noch mal einen Schritt weiter zu gehen obwohl man nicht weiß, ob es der richtige Weg ist.“ Der Mut müsse stärker sein als die Angst. Das sei sein Credo. „Aber mir ist klar: Das ist sehr leicht gesagt, aber schwer getan.“
Stationen einer Bilderbuchkarriere
Rechtsausleger Henry Maske begann seine Karriere in Jüterbog, wo er als Siebenjähriger sein erstes Boxtraining absolvierte. Über Ludwigsfelde wechselte er schließlich nach Frankfurt (Oder), wo er auf seinen späteren Erfolgstrainer Manfred Wolke traf. Nach einer Silbermedaille bei seinen ersten Weltmeisterschaften 1986 holte er zwei Jahre später in Seoul den Olympiasieg. Nach der Wende wechselte er ins Profilager. Ab 1993 war er fünf Jahre lang ununterbrochen Weltmeister im Halbschwergewicht. Zehnmal verteidigte er in dieser Zeit seinen Titel. Henry Maske wurde ein gesamtdeutsches Sportidol mit einem Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung von 97 Prozent. ⇥mat
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